Bolle & Marco on tour

Per Anhalter nach Hype-zig

Kaum zu glauben: Mit Bamberg neigt sich unsere zweimonatige Deutschlandreise langsam dem Ende zu. Im "Klein Venedig" lassen wir uns durch die mittelalterlichen Gassen treiben, bevor wir uns per Anhalter auf den Weg nach Leipzig machen. Dort erwartet uns im wahrsten Sinne der Garten Eden. Dies und mehr in Woche 9 unseres Deutschlandtagebuchs

Tagebuch

Woche 9


Noch in Regensburg sagte man uns: „Ihr müsst nach Bamberg! Oder Bayreuth! Diese Städte sind einfach traumhaft schön!“ Und so entschieden wir uns gegen Nürnberg und fuhren ganz spontan mit der Bahn nach Bamberg. Kurz vor der Abreise bekamen wir bei Couchsurfing noch die Bestätigung für 2 Übernachtungen in einer Mädels-WG. Und so zogen wir ohne genauen Plan einfach los und ließen uns wie immer einfach überraschen.


Am Bahnhof angekommen ging es direkt in Richtung Altstadt. Schon auf den ersten Metern wurden wir vom mittelalterlichen Charme und der barocken Prachtarchitektur umgehauen. Während der Rundreise durch Deutschland haben wir ja schon viele tolle Orte gesehen, Bamberg aber setzte die Messlatte noch wieder ein Stückchen weiter nach oben.

Eine Stadt voller Geschichte und Tradition


Diese kleine Stadt in den Franken hat uns vor allem durch die farbenfrohen Fachwerkhäuser, die kleinen hübschen Gassen, den verzierten Gebäuden und den mittelalterlichen Charme überzeugt. Da Bamberg vom Zweiten Weltkrieg fast vollkommen verschont geblieben ist, entdeckt man hier an jeder Ecke unglaublich viel Geschichte und Tradition. Wir bleiben direkt im wunderschönen Café „Zuckerstück“ hängen, wo wir uns erst einmal köstlichen Karottenkuchen und eine große Portion Café Latte gönnten. Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten bei herrlichem Sonnenschein draußen sitzen und das Treiben in den Gassen beobachten.


Hier in den Gassen, wo früher noch Gemüse angebaut wurde, findet man heute gemütliche Cafés, kleine Boutiquen und traditionelle Geschäfte. Die Altstadt erkundeten wir zu Fuß, ganz gemütlich und ohne Hektik. Immer wieder blieben wir stehen um den Moment zu genießen und ein paar schöne Fotos zu machen. Die Stadt ist unglaublich fotogen, was vor allem auch daran liegt, dass mehr als 1.300 Gebäude unter Denkmalschutz stehen. So etwas sieht man ja nicht jeden Tag, wenn man nicht gerade in Süddeutschland wohnt.

Klein Venedig und Stadt des Bieres


Das Alte Rathaus im Zentrum der Stadt, welches direkt auf der Regnitz erbaut wurde, verbindet die beiden Teile der Altstadt miteinander. Das beste Foto bekommt man aber vom Regnitz-Ufer aus in Richtung Schulgasse und Fischerei. Bamberg nennt man auch „Klein Venedig“. Da wunderte es uns nicht, dass wir immer wieder Gondeln auf der Regnitz vorbeischaukeln sahen. Mit den bunten Fischerhäuschen direkt am Ufer bekommt man hier das italienische Flair noch viel mehr zu spüren.


Einen schönen Ausblick über Bamberg hat man vom Aussichtspunkt der Altenburg oder von der neuen Residenz aus gegenüber des Bamberger Doms. Hier befindet sich auch der wunderschöne Rosengarten, durch welchen man gemütlich spazieren kann. Die Stadt steckt voller Überraschungen, hier kann man sich in vollen Zügen treiben lassen.


Bamberg ist übrigens auch die Stadt des Bieres und so darf auf keinen Fall das Bamberger Rauchbier fehlen. Überall in der Stadt bekommt man dieses Traditionsgetränk gereicht. Viele Brauereien kann man besuchen und am Ende auch an einer Bierverkostungen teilnehmen. In den Franken gibt es über 400 verschiedene Biere, da sollte man zumindest das eine oder andere mal probieren.

Trampen nach Leipzig


Nach zwei Tagen Kultur, Sightseeing, tollen Gesprächen in unserer WG und unglaublich tollem Wetter machten wir uns auf den Weg nach Leipzig. Nun neigten sich die zwei Monate so langsam dem Ende zu, denn Leipzig war unsere vorerst letzte Station. Eigentlich wollten wir noch weiter nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, so langsam waren aber unsere Akkus leer. So schön eine Rundreise auch ist, irgendwann sehnt man sich nach seinem eigenen Bett, seinen eigenen 4 Wänden. Wir waren etwas müde, wollten nun aber noch einmal mit Energie und Tatendrang die letzte Station unseres Abenteuers erkunden.


Dieses Mal wollten wir weder mit Bus noch mit der Bahn fahren. Nein! Wir wollten trampen! Am Anfang kamen wir mit einem jungen Paar bis auf die Autobahn. Von dort aus ging es dann mit einer älteren Dame bis zu einer nächsten Raststätte. Keine 5 Minuten standen wir dort mit unserem Schild, bis uns eine andere Frau ansprach. „Wo wollt ihr denn hin? Ich fahre nach Berlin, ich kann euch bestimmt mitnehmen.“

Angekommen im Garten Eden


Was für ein Glück. Niemals hätten wir gedacht, das Trampen in Deutschland so einfach ist. In nur insgesamt 2,5 Stunden erreichten wir den Leipziger Flughafen und waren somit fast am Ziel. Mit der S-Bahn fuhren wir bis zu unserem schönen Hostel & Garten Eden im westlichen Teil von Leipzig. Dieses alternative Hostel wurde erst vor rund 2 Jahren von 4 jungen Mädels eröffnet. Jedes Zimmer wurde dabei von einem anderen Künstler entworfen. Man kann sogar in einem ausgebauten Van übernachten oder draußen im schönen Garten Eden Chillen.


Von den Besitzerinnen erfuhren wir vieles über Leipzig und stürzten uns gewappnet mit einer Karte auch direkt in unser letztes Abenteuer. Im Hostel bekamen wir zwei Fahrräder und konnten so ganz flexibel und frei die eine oder andere Ecke der Stadt erkunden. Da wir irgendwie keine Lust auf Innenstadt hatten, radelten wir durch die Bezirke Lindenau und Plagwitz.


Über die Karl-Heine-Straße erreichten wir die Leipziger Baumwollspinnerei. Dieses 10 Hektar große Werksgelände wird heute teilweise für Galerien, Ateliers und Gastronomie genutzt. Mit der Kamera in der Hand schlenderten wir über das Gelände und die Hallen. Überall findet man schöne Wandbilder, Graffitis und Kunst. Und auf der Karl-Heine-Straße selbst gibt es unzählige leckere Restaurants und Cafés.

Hype-zig


Nach ein paar Querstraßen näherten wir uns dann doch dem Zentrum. In der „Karli“ (Karl- Liebknecht-Straße) entdeckten wir durch Zufall den Kunst- und Gewerbehof gleich neben dem Feinkost Leipzig. In diesen Hinterhöfen glich dann alles einem alternativen Zauberwald. Bunte Graffitis, ein Open-Air-Kino, ein toller Einrichtungsladen, Klamotten, ein Teehaus und vieles mehr. Dieser Ort ist wirklich richtig cool.


Leipzig war für uns das krasse Gegenteil zum Süden von Deutschland. Aber die Stadt ist einfach Kult und nicht einfach nur „das neue Berlin“. Leipzig ist anders, eigen und eben alternativ. Es gibt unglaublich viele hässliche Ecken, wenn man aber genauer hinschaut, entdeckt man auch dort schöne, interessante Dinge. Die Stadt versucht nicht einen auf hip zu machen, die Stadt ist es einfach ohne es an die große Glocke zu hängen.


„Hype-zig“ – so nennt man Leipzig heute. Der alternative Puls der Stadt schlägt vor allem in und rund um die Südvorstadt. Auf der Karl-Liebknecht-Straße reiht sich Bar, Club, Hostel, Flohmarkt, Café, Restaurant und Kino aneinander mit ganz besonderem Flair. Nicht zu vergessen dass es in Leipzig und drum herum unglaublich viel Grün und viele Seen gibt. Der etwas andere und dennoch perfekte Abschluss dieser Rundreise.


Wieder einmal entdeckten wir die verschiedenen Gesichter und Facetten Deutschlands. Eben noch im mittelalterlichen Bamberg, 2,5 Stunden später im alternativen, urbanen und kreativen Leipzig. Nie haben wir bemerkt, dass unser Heimatland so vielfältig ist. Jeder sollte sich mal die Zeit nehmen, um Deutschland besser kennenzulernen – es lohnt sich!

Und was kommt jetzt?


Wir sind bereits wieder in Berlin und lassen gerade diese Rundreise Revue passieren. So richtig geht es noch nicht in unsere Köpfe, dass wir gerade zwei ganze Monate durch unser schönes Deutschland gereist sind. Wahnsinn! In der nächsten Woche werden wir hier an dieser Stelle diese wunderschöne Rundreise noch einmal zusammenfassen und unsere schönsten Momente mit Euch teilen. Bis dahin, lasst es euch gut gehen!


Eure Bolle & Marco

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