27.09. - 05.10.2016

9 Tage Sunshine State Florida

Bienvenido a Miami! Ich kann euch gar nicht sagen, wie lange ich diesen Miami Ohrwurm von Will Smith schon im Ohr habe. „Yeah yeah yeah, Miami! South Beach, bringin’ the heat!“

Bevor ich mich auf meine 18.000km lange Zugreise begebe, lasse ich es mir neun Tage lang in Florida gut gehen. Ich werde durch die Straßen von Miami schlendern, mir die Alligatoren in den Everglades ansehen und bis an den südlichsten Zipfel der Staaten, nach Key West, fahren.

Tagebuch

Tag 1 – 27.09.2016 – #

Für 'nen Appel und ein Ei über den großen Teich nach Miami

Um 3:00 Uhr aufstehen ist nicht früh. Um 3:00 aufstehen ist Schlaf unterbrechen! Wegen der ganzen Aufregung, bin ich aber wach genug, dass alles ganz glatt läuft. Ich schwinge mich in einen Drive Now Wagen und düse zum Flughafen Schönefeld. Ich finde, dass Carsharing immer eine gute Alternative ist. Obwohl noch Flughafengebühren beim Abstellen und Abholen des Wagens drauf kommen, kostet die Fahrt mich insgesamt nur 9,37 EUR. Mit dem Taxi hätte ich mindestens 35,00 EUR zahlen müssen.

Am Flughafen bin ich dann ganz gespannt, wie es wird, denn ich habe nur ein One-Way-Ticket in die USA und das auch erst eine Woche vor Abflug gebucht. 287 EUR kostet es von Berlin nach Miami mit einem kurzen Zwischenstopp in Lissabon. Eine Woche eher früher, hätte es gar noch Flüge für unter 200 EUR gegeben. Bei solchen Preisen rechne ich immer mit Extrakosten für Gepäck, Entertainment an Board und Essen, aber bei diesem Tap Portugal Flug ist alles inklusive. Ich bin gespannt, wie das wird.

In der Schlange am Check-In treffe ich Anna Josefine. Sie trägt Stone Washed Jeans, Wanderschuhe und eine orangene Funktionsjacke. Sie hat ganz kurze graue Haare, eine wunderschöne tiefe Erzählstimme mit einem niedlichen Lispeln und durch ihre Brille schimmern die schönsten, dichtesten, falschen Wimpern überhaupt. Sie sind das Einzige, woran ich Anna Josefine erkenne, denn eigentlich ist sie Andreas, so lautet zumindest ihr Name im Pass.

Sie hat Panik, dass sie nicht genug Sachen eingepackt hat. Vier Wochen wandern auf den Azoren warten auf Anna Josefine. Die Bibel hat sie schon extra rausgenommen, damit der Koffer leichter ist. Auch die pinken Wildleder Highheels mussten zu Hause bleiben. Bei den Silikoneinlagen hat sie sich für die Kleinen entschieden. Die großen mag sie sowieso nicht mehr so gerne. Da bekommt sie immer Rückenschmerzen. Während sie das sagt, guckt mir Anna Josefine auf mein Dekolleté und sagt: „Kennste, ne!“

Wir betreten zusammen den Flieger und verabschieden uns. Ich glaube, sie ist jetzt schon so auf Zigaretten Entzug, dass sie nach dem Landen sofort in den nächsten Stinkkäfig am Flughafen rennt.

Die ledernen Sitze im Flieger sind verhältnismässig groß, damit hätte ich auf meinem Zubringer Flug gar nicht gerechnet. Der dauert auch nur 2 Stunden und 40 Minuten. Mir fällt sofort auf, dass die männlichen Flugbegleiter in der Überzahl sind. Sie sehen fantastisch aus und sind auch noch wahnsinnig nett. Ich bin mir sicher, dass das Anna Josefine von ihrem Zigaretten Schmacht ablenkt.

In Lissabon angekommen, bereite ich mich mental auf das Interview und das Durchsuchen meines Gepäcks vor; schließlich fliege ich in die USA. Es kommt ganz anders. Wir werden am Ende der Gangway mit einem Pastel de Nata, den jeder Fluggast bekommt, in Empfang genommen. Wie toll finde ich das denn?! Köstlich ist das Küchlein. 

Überraschend geht es auch weiter. Keine 4 Minuten später stehe ich an Gate 42, von wo es es nach Miami geht. Es gibt keine weitere Sicherheitskontrolle.

Kaum lasse ich mich in einen Sitz am Gate plumpsen, dürfen wir auch schon boarden. Mein Rucksack und dessen Inhalt werden noch mal genauer untersucht, aber die Interviews, die ich sonst vor USA Reisen immer machen muss, gibt es hier in Lissabon nicht.

Ich habe einen Fensterplatz. Direkt daneben ist bereits der Gangplatz. Die Sitze sind ein bisschen eng, aber haben dafür viel Beinfreiheit. Wer viel Wert auf Board Entertainment legt, dem sei gesagt: spielt euch Filme auf’s Handy, Tablet oder den Computer (Extra-Akku mitnehmen! Es gibt auch keine Ladeanschlüsse.). Die Bildschirme im Vordersitz sind wahnsinnig klein und die Filme laufen in endlos Schleife hintereinander. Man kann sich keine auswählen. Zudem steht nirgendwo, was für Filme gezeigt werden und es gibt auch kein Menü. Es handelt sich um die älteren Modelle, wo die Fernbedienung noch in der Sitzlehne verankert ist. An die komme ich mit meinen breiten Hüften und den engen Sitzen kaum ran. Leider fällt auf diesem Flug dann an zahlreichen Plätzen, auch meinem, der Ton komplett aus. Ich höre, wie sich der Fluggast hinter mir beschwert und die Flugbegleiterin antwortet mit dem schönsten Strahlelächeln, was eigentlich schon alles entschuldigt: „Entschuldigen Sie bitte! Wir haben bereits einen Neustart des Programms versucht. Dies ist einfach ein schlechtes Flugzeug.“ Ich muss grinsen. Niedliche Aussage! Dann gibt es wohl auch neuere.

Das Essen ist für Flugzeugverhältnisse vollkommen in Ordnung. Die Getränkeauswahl ist sehr umfangreich, und was mir besonders gefällt: es gibt Metallbesteck. Mit Rotwein und Fleischklöpsen im Magen lege ich mich dann schlafen. Im Landeanflug lasse ich den Flug Revue passieren und denke, dass es sich durchaus gelohnt hat, den günstigen Flug zu nehmen. Heutzutage haben wir doch eh meist Filme auf Notebooks und Tablets dabei und außerdem: wir halten es auch 10 Stunden mal ohne Dauerbeschallung aus.

Bienvenido a Miami!

In Miami angekommen, gießt es in Strömen. Hallo, Sunshine State! Die Immigration ist hier wahnsinnig gut organisiert. Selbst als Tourist mit einem ESTA Antrag kann man sich elektronisch einchecken. Es gibt also keine langen Schlangen an den Schaltern.

Nach einer so langen Reise stelle ich mir immer die Frage: gönne ich mir ein Taxi? Nö, dieses Mal nicht. Ich bin recht fit und gehe zum Metrobus. Am Ticketautomaten sind direkt mehrere freundliche Flughafenmitarbeiter zur Stelle und helfen mir, dass richtige Ticket zu ziehen. 2,65 USD kostet das Busticket mit dem Metrobus 150 nach South Beach. 

Noch auf dem Highway, kurz nachdem wir das Flughafengelände verlassen haben, bleibt der Busfahrer plötzlich stehen. Die Scheibenwischer haben den Geist aufgegeben und es ist zu gefährlich, weiter zu fahren. Nach gefühlt drei Telefonaten tuckern wir die nächste Abfahrt runter und warten auf einen Ersatzbus. Der kommt nicht. Dem Busfahrer wird es zu bunt und er kutschiert uns vorsichtig zum nächsten Halt auf unserer Strecke, wo wir aussteigen und in den nächsten Bus steigen. Miami fängt abenteuerlich an.

Sämtliche Strapazen vergesse ich sofort, als ich in das stylische Boutique Hotel The Hall, mitten im Herzen des Art Deco District von South Beach einchecke. Mein Zimmer ist ein Traum, ein riesengroßer. Ich weiß gar nicht, ob ich mich zuerst auf die bunte Couch-Ecke oder das Bett fallen lassen soll. Ich entscheide mich für das Bett. Erst da fällt mir die Tür zum Balkon auf. Auch der ist einfach nur riesig und von ihm aus Blicke ich direkt auf den Pool (ich mag’s kaum sagen: auch riesig). Die Fotos habe ich übrigens am nächsten Morgen gemacht. Nicht, dass ihr denkt, ich will euch einen Regen-Bären aufbinden!

Miami, ich mag dich jetzt schon!

Tag 2 – 28.09.2016 – #

Miami: Coole Kunst im Wynwood und Art Deco District

Mein heutiger Tag steht im Zeichen der Kunst. Ich möchte mir den Art & Design District Wynwood ansehen.


Weil es schon recht spät ist, hüpfe ich in’s Taxi. Knapp 30,00 USD muss ich für gute elf Kilometer Strecke bezahlen. Nee! Da nehme ich das nächste Mal lieber wieder den Bus.


Ohne einen rechten Plan, den braucht man in Wynwood sowieso nicht wirklich, laufe ich kreuz und quer durch die Straßen. Fast alle Wände sind hier bunt angemalt, viele mit den schönsten Streetart Gemälden, die ich je gesehen haben. Zwischen Autowerkstätten sind kleine Design Läden und Gallerien. Es gibt Biergärten, Restaurants und schöne Cafés. Ich verliebe mich sofort in das Viertel. Ich laufe am The Butcher Shop vorbei, in dem es Fleisch und Bier gibt. Das klingt sehr sympathisch, wie ich finde. Leider habe ich nur gerade gar keinen Hunger (und mag kein Bier). Ich schlendere weiter und erreiche irgendwann das Miam Café, in dem es sehr guten Kaffee gibt. Den gönne ich mir, bevor ich einige Straßen zu Fuß zur Bushaltestelle laufe.


Tipp: Falls ihr euren Besuch in Wynwood genauer planen wollt oder ganz genau wissen möchtet, welcher Künstler, welches Gemälde gemalt hat, könnt ihr euch die Wynwood App runterladen. Da sind auch alle Cafés und Restaurants vermerkt.


Fußgänger sind auch in Miami rar gesät, gerade bei den hitzigen Temperaturen. Ich genieße es aber sehr, ohne Eile durch die Straßen zu spazieren. Die Busfahrt nach Downtown Miami zur Bayfront kostet mich wieder 2,25 USD, was übrigens der Standardpreis für eine Busfahrt ist. Lediglich die Schnellbusse vom/zum Flughafen kosten 2,65 USD.

Miami vom Wasser aus

An der Bayfront geht es ziemlich touristisch zu. Händler versuchen mich in ihre nach Plastik stinkenden Läden zu locken. Dabei habe ich hier nur ein Zeit: das Miami Water Taxi.

Endlich wieder Boot fahren - wie süchtig ich danach bin! Mit dem Wassertaxi fahre ich zurück nach Miami Beach. Wenn man die ganze Runde fährt (30,00 USD) hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt vom Wasser aus.

Normalerweise dauert die einzelne Fahrt nach Miami Beach 45 Minuten, aber da wir nur drei Passagiere bei dieser Fahrt sind, steigen wir kurzer Hand auf einen kleinen Powerflitzer, der uns in nur 20 Minuten zur Miami Beach Marina bringt. Wir düsen an einem haben vorbei und ich bekomme direkt Hamburger Heimatgefühle.

Mit dem Fahrrad durch den Art Deco District

Ich beschliesse, von der Marina zum Hotel zurück zu laufen, bleibe aber wie von magischer Hand an einem der zahlreichen Citi Bike Fahrradständer kleben; die gibt es wirklich an jeder Straßenecke. Ich leihe mir noch schnell auf ein Abendstündchen für 6,00 USD einen Drahtesel. Das geht ganz einfach, man muss nur der Anleitungen auf dem Display der Radstation folgen.

Schwups düse ich breit grinsend am Miami Beach entlang, über den Ocean Drive und durch den Art Deco District. Die meisten Gebäude hier wurden in den 20er und 40er Jahren gebaut. In ihren schönen Pastellfarben schimmern sie hübsch in der untergehenden Sonne. Da wird selbst ein Supermarkt zum Hingucker!

Als ich im Hotel ankomme, leuchten bereits die warmen Lichtern im Campton Yard Biergarten. Ich setze mich auf eine der Bänke, genieße den Freidrink, den alle Gäste beim Check In bekommen und schaue den anderen beim Tischtennis und Djenga spielen zu.

Tag 3 – 29.09.2016 – #

Miami: Ruhe und Entspannung im Coconut Grove

Bikini-Schönheiten, die sich in der Sonne räkeln, endlose Strände und lange Partynächte - so geht das in Miami Beach. Ich habe aber oft schnell genug von allzu viel Trubel. Heute möchte ich es etwas gediegener haben.


Dafür fahre ich in das etwas südlich von Downtown gelegene Coconut Grove. Zumindest versuche ich es. Um Geld zu sparen nehme ich wieder den Bus, auch wenn das doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich nehme gerne den Bus, denn an den Haltestellen und trifft man oft die wundersamsten Menschen. Ich stehe jedoch an der falschen, wie mir ein Busfahrer erklärt. Er schickt mich auf die andere Seite. „Schnell, da kommt dein Bus gerade!“ Ich springe in letzter Sekunde rein.


Erst während der Fahrt schwant mir, dass es nicht der richtige Bus ist. Ich springe an der nächsten Haltestelle heraus und eile in das Europa Deli, weil ich 1.) sowieso noch nicht gefrühstückt hatte und 2.) Kleingeld für eine weitere Busfahrt benötige. Es stehen verdächtig viele deutsche Leckereien auf der Karte und tatsächlich, der Besitzer ist Alex aus Bochum. Mir scheint, er lebt schon länger hier in Miami, dem Weiß seiner gebleichten Zähne und der rot-braunen Farbe seiner Haut am muskelbepackten Körper zu urteilen. Er erzählt mir in Windeseile seine Geschichte und ich höre nur ein paar Jahre Haiti hier, eine Weile Bahamas da, vielleicht war auch Brasilien dabei, feiern, sesshaft werden und schließlich: „Miami Beach ist nun mein zu Hause“. Seit 19 Jahren lebt Alex nun hier und war kein einziges Mal wieder zu Hause. Er vermisst es nicht mal. In den USA hat man viel bessere Chancen, ein eigenes Business aufzubauen und die Menschen sehen hier nicht alles so verbissen. Tagsüber arbeitet er und danach geht’s an den Strand. Eine gute Balance schaffen, oder wie Alex sagt: „Das Leben genießen.“


Ich genieße einen Lachs Salat und muss mich danach wirklich sputen, um auf die andere Miami Seite zu kommen. Eine Busfahrt würde jetzt wirklich meinen Zeitrahmen sprengen und so begebe ich mich auf meine Jungfernfahrt mit Uber. Die Preise sind nicht mit denen der Taxis zu vergleichen, sondern mindestens um die Hälfte günstiger.

Mit Schmetterlingen kuscheln

Der Garten ist nicht einfach zu finden. Wir fahren durch eine Wohnsiedlung mit unfassbar schönen Häusern, geradezu Anwesen. Die Straße ist gesäumt von riesengroßen Bayan Bäumen, deren Luftwurzeln wie hunderte dicker Lianen aussehen. Es wird immer grüner, der Garten scheint nah.

Im Besucherzentrum treffe ich Maureen, die mich durch den Garten begleiten wird. Sie ist erst vor wenigen Jahren aus Singapur in Florida gestrandet. Singapur! Da haben wir natürlich eine Menge zu quatschen. Während wir von Hawker Centern schwärmen, schlendern wir durch den Botanischen Garten. Riesige tropische Bäume spenden hier in kleinen Wäldchen Schatten. Es gibt insgesamt elf Seen. In der Nähe des Kaktus-Gartens gibt es außerdem eine kleine Kunstgalerie, in der wechselnde Ausstellungen stattfinden. 



Viel spannender finde ich allerdings, die Labor Gebäude. Hier gibt es zum einen das Million Orchid Projekt. Im letzten Jahrhundert war Florida noch das reinste Orchideen-Paradies, bis die Menschen herausgefunden haben, dass man mit den hübschen Blumen in nördlicheren Gefilden viel Geld machen kann. Im Labor wird nun getestet, wie man die Orchideen widerstandsfähiger machen kann, so dass sie wieder überall in Florida wachsen können. Neben dem Orchideen-Labor geht es, wie ich finde, noch spannender zu. Hier testen Forscher, tatsächlich in Zusammenarbeit mit der NASA, die Überlebensfähigkeit verschiedenster Pflanzen auf dem Mars. Das sieht durch die Scheibe recht unspektakulär aus, hört sich aber wahnsinnig aufregend an, finde ich.

Das bunteste Labor ist das der Schmetterlings-Zucht. In ihm werden vom Aussterben bedrohte Arten gezüchtet und untersucht, um heraus zu finden, was genau sie benötigen, damit sie sich wieder vermehrt fortpflanzen. Neben dem Labor befindet sich der Schmetterlingsgarten. Um dorthin zu gelangen, müssen Maureen und ich durch drei Schleusen hindurch, damit keiner der kleinen Falter entwischt. Im Garten selbst blinken überall bunte Punkte in der Luft. Tausende von Schmetterlingen hüpfen durch die Sonnenstrahlen. Wir haben Glück, denn gerade als wir im Garten sind, kommt Nachschub aus dem Labor: ein ganzer Kasten voller neuer Schmetterlinge. Als eine Garten-Mitarbeiterin den Kasten öffnet, hüpfen sie vergnügt in die Freiheit und auf unsere Arme. Wie das kitzelt!

Wir können uns gar nicht losreißen von den farbenfrohen Tierchen. Als wir schließlich doch durch die Schleusen zurück gehen und einen letzten prüfenden Blick in den großen Spiegel werfen, um sicher zu gehen, dass kein blinder Passagier auf uns sitzt, zieht ein Gewitter auf. Wir rennen zurück zum Besucherzentrum. Die Menschen um mich herum scheinen recht unbeeindruckt zu sein. Ich habe so ein Gewitter noch nie erlebt. Wirklich alle halten sich automatisch die Ohren nach einem Blitz zu. Ich finde das erst witzig, aber nachdem beim letzten Schlag fast mein Trommelfell geplatzt ist, gehe ich auch zu dieser Schutzmaßnahme über.

Dinner mit Ausblick im Coconut Grove

Als mein Uber Fahrer eintrifft, hat der Regen schon fast wieder aufgehört. Ich fahre weiter zum Coconut Grove. Ein ganz hübsches Viertel mit vielen kleinen Villen, die mitten in den Regenwald gepflanzt worden - so sieht es aus, nicht anders herum. Es liegt direkt an der Biscayne Bucht, wo man am Yachthafen sitzen und ganz entspannt auf das Wasser schauen kann. In dem grünen Viertel gibt es viele kleine Shops, Gallerien, Cafés und Restaurants. Hier kann man herrlich schlendern. Da ich aber langsam Hunger bekomme, gehe ich zum Sonesta Hotel. Ganz oben gibt es direkt neben der Pool-Terrasse ein Panorama Restaurant. Oben angekommen, kann ich mich keinesfalls direkt hinsetzen, sondern muss erstmal raus auf die Terrasse und die Aussicht bestaunen.

Als ich ein paar Minuten stehe, komme der Pool-Boy (er nennt sich selbst so!) auf mich zu. Ich sehe den Namen Leon auf seinem goldenen Schildchen. Er ist ein ganz besonderer Mensch. Solltet ihr tatsächlich eines Tages hier landen, haltet nach Leon Ausschau! Unsere Unterhaltung beginnt ganz unverfänglich. Wir reden über die wunderschöne Aussicht und wie beruhigend das Glitzern auf dem Wasser hier ist. Leon merkt, dass wir miteinander können und fängt an, über sich zu reden. Er hat die Gabe des Sehens und Heilens in die Wiege gelegt bekommen. Manchmal erschrecken Menschen vor dieser Gabe, aber oft hilft es ihnen. Plötzlich eilt Leondavon, man habe ihn gerufen. Ich habe nichts gehört. Doch tatsächlich wartet eine Dame an der Tür zum Restaurant auf ihn. Ein komischen Kerlchen! Als Leon zurückkommt, erzählt er mir, dass er mich beobachtet hat. „Darf ich dir etwas über dich erzählen?“ fragt er mich. Ich willige ein, aber auch das wusste er ganz sicher, bevor er überhaupt zu mir gekommen ist. Und so erzählt Leon. Er hat recht, in so vielen, ich befürchte: fast allen, Dingen. Ich freue mich, ihn hier kennengelernt zu haben, auch wenn das Kopfkino jetzt wildeste Abenteuer in meinem Hirn abspielt.

Noch ganz benommen von der Begegnung mit Leon, setze ich mich an meinen Tisch. Ich brauche erstmal einen Drink. Margarita ist immer richtig. Die sind hier auch besonders stark, wie ich merke. In dem Panorama Restaurant stellt sich jeder Gast sein 3 Gänge Menü aus einer Auswahl von jeweils drei Optionen zusammen. Ich entscheide mich für Thunfisch Tartar auf Avocado und Mango Salat, einem Kalbsfilet mit Garnele und Gemüse und einem Key Lime Pie (der berühmte Kuchen der Florida Keys) Parfait. Es schmeckt köstlich! Ich genieße jeden Bissen und denke schmunzelnd an Leons Worte, während ich dem Meer zusehe, wie es langsam in der Dunkelheit verschwindet.

Tag 4 – 30.09.2016 – #

Gator Bites, Wellness und Margaritas in Everglades City

Ab heute gehe ich wieder einem meiner liebsten Hobbys nach: Roadtripping! Nachdem ich am Flughafen meinen Mietwagen abhole (fallt nicht auf die Vermieter in Miami Beach rein, die sind alle teurer!), steuere ich meinen Ford Focus Richtung Westen, um einen Abstecher nach Naples und in den Everglades Nationalpark an der Westküste Floridas zu machen. Ich entscheide mich gegen die etwas schnellere Route auf der 75 und nehme lieber die 41, die mitten durch die Everglades führt.

Gator Bites in Everglades City

Schon nach 25 Minuten bin ich aus der Stadt raus und das Landschaftsbild ändert sich rapide. Die Häuser und Fast Food Restaurants weichen einem saftigen Grün. Die Straße hat nur noch zwei Spuren und zu beiden Seiten breiten sich die unendlich scheinenden Seegrass-Felder der Glades aus - Everglades eben. Alle paar Kilometer bietet eine andere Firma Air Boat Touren an. Zwischendrin wechseln sich die endlosen Seegrass-Wiesen mit vereinzelten Palmenwäldern und grünen Buschlandschaften ab. Mich erinnert die Szenerie ein bisschen an unseren Camping-Urlaub in Botswana.

Mein heutiges Etappenziel ist Naples. Rein zufällig (natürlich!) komme ich zur Mittagszeit durch Everglades City, wo mir ein Restaurant für Gator Bites empfohlen wurde. Ganz richtig! Nicht für Alligatoren, sondern Alligator für mich. Im Oyster House gibt es die Bites in zwei Variationen: gekocht und frittiert. Ich muss gestehen, dass ich mich an die gekochten nicht ran traue und bestelle Fried Gator Bites. Durch das Frittieren kann ich leider keinen außerordentlichen Geschmack herausfiltern, aber das Fleisch an sich ist sehr zart. Irgendwie habe ich mir Alligator zäh vorgestellt. Schade, dass ich nur auf der Durchreise bin. Es scheint als würde in der Bar des Oyster House abends ordentlich die Post abgehen.

Wellness und Margaritas

In Naples angekommen, checke ich in eines der neuesten Hotels der Stadt ein, das Hyatt House. Durch die vielen verwinkelten Türmchen, wirkt es gar nicht wie ein großes Resort Hotel, weiß aber trotzdem alle Annehmlichkeiten wie eine Bar, ein Fitnessstudio und einen Außenpool zu bieten. „Man muss auch mal Pause machen“, denke ich mir und sportle eine Runde im Fitnessbereich, bevor ich mich in den Pool schwinge und nach einer Dusche den Ausblick von meinem Balkon aus genieße.

Das Hyatt House liegen direkt gegenüber der in den 20er Jahren erbauten Tin City. Kleine zusammenhängende Holzbauten mit Wellblechdach beherbergen Souvenirläden, Cafés und das Pinchers, wo ich mich für ein zünftiges Seafood Dinner niederlasse. Ich bekomme einen Platz an einem Bartisch am Fenster, von wo aus ich die heimkehrenden Fischer beobachten kann. Mein Kellner, Matt, erzählt mir freudestrahlend, dass gerade Happy Hour ist und ich zwei Margaritas zum Preis von einem bekommen. „So, bring it on, my friend!“ Die passen auch gut zu meinen Jakobsmuscheln mit Caesar Salad.

Tag 5 – 01.10.2016 – #

Buzzy, Boote und Burger in Naples

Naples ist eine dieser hübschen Städte in Florida, die von zahlreichen Wasserkanälen durchzogen ist. Sie kämpft immer wieder mit dem Ruf, dass hier nur alte und reiche Menschen leben. Wenn ich mir die Anwesen ansehe, an denen wir den ganzen Tag über vorbei fahren, scheint da ein Stück Wahrheit drin zu stecken. Deswegen versucht die Stadt sich gerade zu verjüngen und mit attraktiven Job- und Wohnangeboten auch Menschen diesseits der Rente anzulocken.


Um mir ein genaueres Bild von Naples machen zu können, werde ich heute sogar ausgeführt. Ein Herr namens Buzzy Ford möchte mir Naples zeigen. Bei dem Namen mache ich mich auf einiges gefasst und werde nicht enttäuscht. Buzzy ist ein wahnsinnig unterhaltsamer Kerl. Wir beherrschen beide Sarkasmus in Wort und Schrift und teilen uns eine Humorebene.

Affentheater und ein blinder Panter

Nachdem Buzzy mir versichert hat, dass es ihm gar nichts ausmacht, auch am Wochenende Menschen sein Naples zu zeigen - er bittet sie nur immer, nichts über die Leiche hinten im Kofferraum zu sagen - fahren wir zum Naples Zoo. Auf dem Parkplatz patrouilliert ein Sheriff. Ich tendiere dazu, mir die Nase zuzuhalten, um zu untermalen, wie sehr es im Auto nach Verwesung riecht im Auto, aber wir lächeln dem Officer lieber beide recht freundlich zu.

Heute ist besonders viel Trubel im Zoo, denn es ist der erste Samstag im Monat, der Tag an dem die Familien aus ganz Collier County freien Eintritt haben. Bei einer Wahl im Jahre 2004 haben die Einwohner des Landkreises mit 73% gegen den Verkauf des Landes und für den Erhalt des Zoos gestimmt. Als Dank erhalten sie nun zwölf Mal im Jahr freien Eintritt.

Es ist noch früh und bevor es noch voller wird, stellen Buzzy und ich uns direkt in die Warteschlange bei einer der Hauptattraktionen. Auf einem See mitten im Zoo wollen wir die Bootsfahrt um die kleinen Affen-Inseln herum mitmachen. In dem See gibt es verschiedene Inseln, die als Affengehege dienen. Die Tiere haben kein Interesse daran, durch’s Wasser zu schwimmen, weswegen weitere Zäune und Gitter um die Inseln herum überflüssig sind. Zwanzig Minuten lang sehen wir zu, wie Lemure von Ast zu Ast springen und Schimpansen sich lässig an Seilen entlang hangeln.

Neben Giraffen, Elefanten und einem Tigerwald ist der Star des Zoos ein Gefährte namens Uno. Uno ist ein Panter, ein blinder Panter. Eine Autofahrerin hatte eines Tages das träge Tier beinahe überfahren und daraufhin den Tierschutzbund alarmiert. Die Tierärzte stellten fest, dass der Panter nach einem Gewehrschuss das Augenlicht verloren hatte. Sie fanden sogar noch Schrotreste im Kopf des Tieres. Der Zoo entschied sich schließlich, Uno ein neues Zuhause zu geben. Seither streunt er durch das dichte Gras seines Geheges hier in Naples.

Bootsfahrt durch Mangroven

Gleich um die Ecke vom Zoo liegt das Conservancy of Southwest Florida, welches wir als nächstes ansteuern. Das Institut des Naturschutzbundes kümmert sich um den Erhalt und den Schutz der Wasser-Ressourcen, Natur und Tierwelt von fünf Landkreisen in Florida.

Als wir ankommen, sagt und der ehrenamtlich arbeitende ältere Herr an der Kasse, dass wir uns sputen sollen, dann können wir noch die nächste Bootsfahrt mitmachen. Das muss man uns nicht zwei mal sagen. Noch mal Boot fahren, hurra! Wir rennen zum Anleger, wo alle noch ganz entspannt in ihrem Gartenstühlen sitzen. Wundervoll, so schalten wir auch wieder einen Gang zurück, steigen auf das Elektro-Boot und legen kurz darauf ab.

Leise vor sich hinplätschernd steuert der Mitarbeiter des Naturschutz unser Boot durch die Mangroven. Er erzählt uns alles über den Erhalt und die Züchtung neuer Mangroven und anderer Pflanzenarten. Am Ufer sieht man manchmal Brücken und Holzstege, die zu den zahlreichen Nature Trails hier in der Gegend gehören. Vom Wasser aus können wir auch ein paar der Anwesen der wirklich außerordentlich Reichen von Naples bewundern.

Nach unserer Bootsfahrt schauen wir uns noch das Nature Center an. Neben Schildkröten und anderen Kriechtieren, die man hier in den Gewässern findet, finde ich vor allem die Demonstration der Rückgangs der Everglades auf traurige Weise faszinierend und bin froh, dass die Leute hier alles geben, damit es in hundert Jahren nicht noch trauriger aussieht.

Wie an der Ostsee, nur mit Delfinen

Mittlerweile ist es schon früher Nachmittag. Buzzy und mein Magen knurren um die Wette. Trotzdem halten wir auf dem Weg in die Innenstadt noch schnell beim Naples Pier. Der erinnert mich tatsächlich an den in Zingst auf dem Darß. Das Wasser dort ist an manchen Tagen nicht weniger blau, aber hier in Naples ist es definitiv wärmer und: es springen Delfine unterm Pier aus dem Wasser.

Während Buzzy und ich Delfine zählen, überlegen wir, wo wir unseren Hunger gleich stillen wollen. Möglichkeiten gibt es wie Sonnenschirme hier am Strand. Die Entscheidung fällt letztlich auf Brooks Gourmet Burgers, welches die sechstbeste Burgerbude der USA sein soll. Die Speisekarte liest sich auf jeden Fall vielversprechend. Komplett aus der Fassung bringt mich der Donut Burger, bei dem das Burger-Brötchen wie wir es kennen tatsächlich durch einen glasierten Doughnut ersetzt wird. Wer bestellt denn bitte so etwas? Zack, der junge Mann am Tischen neben uns. Buzzy und ich sind begeistert und gratulierten ihm zu seiner Wahl. Ich schaue ein wenig verwirrt, aber schnell wieder lächelnd drein, denn neben dem Donut Burger liegt noch ein Cheeseburger. Der Herr scheint Platz im Magen zu haben. Mein Rylee’s Ragin Canjun Burger mit Jalapeños und Pepper Jack Cheese schmeckt hervorragend, aber der Cole Slaw mit den kandierten Walnüssen und Cranberries ist haut mich richtig von den Socken. Die Kombination muss ich mir merken!

Welthauptstadt der Stone Crabs

Naples ist in Sachen Seafood sogar eine Welthauptstadt, Dank der Stone Crabs. Die Fangzeit der Stone Crabs beginnt am 15. Oktober und endet am 15. Mai. Sie sind eine eigene Spezies unter den Krebsen und kommen nur hier an der Paradise Coast vor.

Die Fischer sind strengen Regeln unterlegen, die genau vorgeben, wann und wie Stone Crabs gefangen werden dürfen, damit ihr Bestand nicht gefährdet wird. Weibliche Tiere mit Eiern sind außerdem vom Fang ausgeschlossen. Außerdem verwenden die Fischer nur die Scheren der Krebse. Der Krebs selbst wird zurück ins Meer gelassen. Um die Scheren von den Tieren zu entfernen, müssen sie eine Größe von mindestens 63,5 Zentimeter haben. Die Fischer brechen die Scheren sehr sorgfältig ab, um sicher zu gehen, dass das Tier überlebt. Die Scheren der Krebse wachsen nach dem Entfernen wieder nach.

Sobald die Scheren von den Tieren entfernt wurden, müssen sie gedünstet werden, damit das Fleisch nicht an der Schale kleben bleibt. Stone Crabs werden schließlich traditionell kalt mit Senfdip oder flüssiger Butter serviert.

Hummer mit Ausblick

Die Vorbereitungen für das alljährliche Stone Crab Festival sind schon in vollem Gange, doch leider hat sie Saison noch nicht begonnen. Mir bleibt diese Spezialität also verwehrt. Da muss ich wohl auf Hummer zurück greifen. Den soll es inklusive gemütlichem Ambiente und Ausblick auf die Inner Doctors Bucht im M Waterfront Grille geben. Ich rüsche mich ein bisschen auf (für irgendwas muss ich Abendrobe ja mitgenommen haben) und fahre nach auf die andere Seite der Bucht.

Ich werde nicht enttäuscht. Mein Tisch steht direkt am Fenster, so dass ich noch ein Weilchen beobachten kann, wie die Häuser sich noch ein Weilchen im letzten Tageslicht auf dem Wasser spiegeln. Die Weinkarte ist beeindruckend umfangreich. Leider bin ich mit dem Auto da. Ich tue so, als würde ich die Karte studieren, obwohl ich schon ganz genau weiß, dass ich den Hummer bestelle, was ich dem Kellner auch kurz darauf über’s ganze Gesicht grinsend mitteile: „Den Hummer und eine Cola light, bitte!“ Nobel geht die Welt zu Grunde.

Als nächstes verwöhnt mich der Kellner mit frisch gebackenem Brot, hausgemachter gesalzener Butter sowie einem Olivenaufstrich. Ich lasse mich mampfend in meinem großen Stuhl zurückfallen und genieße den Luxus. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, fast ein bisschen dumpf. Ganz anders als es meist in Bars und Grills in den USA üblich ist. Ich muss aufpassen, dass ich nicht eindöse, aber der Hummer, der gerade auf meinem Tisch landet, wird es zu verhindern wissen. Mit dem Pilzrisotto zusammen schmeckt es einfach himmlisch. Ein besseres Hauptgericht hätte es für meinen Naples Abschluss nicht gegen können. Wobei Naples selbst ein Appetizer war: ich komme wieder und das nicht erst, wenn ich Rentnerin bin.

Tag 6 – 02.10.2016 – #

Per Buggy und Speed Boat durch die Everglades

Von Naples aus steuere ich meinen Wagen gen Süden. Die Keys rufen. Ich lege Kokomo von den Beach Boys auf und gröle laut mit. Grund für die gute Laune ist nicht nur die Aussicht auf Strand und Südsee-Feeling, sondern auch die Tatsache, dass gleich ein lang gehegter Wunsch von mir in Erfüllung geht.

Mit dem Buggy durch den Dschungel schunkeln

Ich brettere nicht direkt Richtung Keys, sondern lege einen kleinen Zwischenstopp mitten in den Everglades ein. Die Steine der Auffahrt zu Wooten’s Everglades Airboat Tours knirschen unter den Rädern meines Mietwagens und ich tippe nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad herum. Ich bin so aufgeregt! Schon als kleines Kind habe ich immer gesagt, dass ich mal mit so einem Luft-Boot durch den Sumpf düsen möchte.

Bei Wooten’s gibt es neben der Airboat Tour auch eine Swamp Buggy Tour. Wenn ich schon mal da bin, nehme ich die auch gleich mit. Der monströse Buggy erinnert mich an die Trucks, mit denen man in Afrika auf Safari geht. Alleine der Anblick ist schon abenteuerlich.

Neben ein paar anderen Abenteurern (und einem Mann mit seinen zwei Kindern und vier Bodyguards - willkommen in den USA!) klettere ich in das Ungetüm. Gerade als wir losschaukeln setzt der Regen ein. Das ist mehr als eigenartig, denn eigentlich ist der Himmel so weit das Auge reicht blau. Nur über uns (ich im weißen T-Shirt) prasselt es herein.

Wir wackeln zunächst durch die Everglades und lernen, dass es sich dabei nicht um Sümpfe handelt, wie die meisten Menschen annehmen, sondern um eine Art Schwemmwiesen. Die Gräser die hier wachsen sind scharf wie Messerklingen. Der Ranger empfiehlt uns, nicht die Hand bei der Fahrt danach auszustrecken. Wie auch? Wir sitzen viel höher als die Gräser wachsen.

Als wir die Wiesen verlassen und in den Wald fahren, sehen wir auf Augenhöhe zahlreiche Schrammen in der Baumrinde. Das sind Reviermarkierungen der Bären. Einmal wieder wird mir bewusst, dass Bäume keine gute Idee beim Schutz suchen auf der Flucht vor Bären sind.

Wir schunkeln durch mit giftigem Efeu behangenes Geäst. Es ist wirklich wie im Dschungel. Ab und zu kommen wir an eigenartig deformierten Pinien vorbei. Einer der Äste hat immer einen ordentlichen Knick. Der Ranger erzählt uns, dass es sich dabei um wegweisende Ellenbogen handelt. Die Indianer haben damals schwere Steine so auf den Ast geschnürt, dass die Spitze des Bogens in Richtung des Weges weist.

Als wir aus dem Wald herausfahren, begegnet uns noch eine Wildfamilie. Ich bin froh, dass ich diese wackelige und sehr lehrreiche Tour mitgemacht habe. Aber nun ist Action angesagt!

Uuund... Action!

Ich gehe zu den Luftbooten hinüber, wo bereits andere Adrenalin-Junkies warten. Unter anderem eine Gruppe sechs junger Männer aus Deutschland. Da ich alleine unterwegs bin und sie nicht vermuten, dass ich ebenfalls aus Deutschland komme, kann ich zuhören, wie sie über mich reden. Ich verstehe nicht jedes Wort, was sich später als vorteilhaft herausstellen soll.

Die Jungs besetzen die vorderste Bank und fast die komlette zweite Bank. Ich setze mich neben einen jungen Herren mit Karohemd und Strohhut. Er blickt erfreut drein. Die anderen schmunzeln.

Gemächlich schippern wir von der Anlegestelle hinaus in die Everglades. Kaum um die Ecke gebogen, die endlosen Glades vor uns liegend, gibt der Fahrer Gas und wir flitzen über das Wasser. Wir fliegen nahezu. Was für ein unglaublicher Spaß! Besonders laut juchzen wir, wenn der Bootsmann auf Gestrüpp oder eine Wiese zusteuert und in letzter Sekunde bremst und dreht. Das Wasser spritzt in unsere Gesichter. Ein Mal nimmt der Kapitän die Kurve so eng, dass ich mich festhalten muss. Das wäre nicht nötig gewesen, denn der edle Retter zu meiner Linken hat sich ebenso erschrocken, wohl aber am meisten darüber, dass ich aus dem Boot hätte fliegen können. Beschützend hält er mich fest. Ich bedanke mich auf deutsch. Seine Kumpels brechen in schallendes Gelächter aus und mein Retter errötet leicht. Ich finde das unglaublich putzig und werde nun meinen lang gehegten Traum vom Luftboot fahren immer mit ihm in Verbindung bringen.

Tag 7 – 03.10.2016 – #

Karibik-Feeling auf Key West

Damit ich heute nicht hasten muss und die Autofahrt über die vielen Inseln bis nach Key West genießen kann, hatte ich mich letzte Nacht in einem Hotel in Homestead eingebucht. Für die Fahrt vom Festland über die Keys, bis ganz an die südliche Spitze nach Key West, sollte man sich Zeit nehmen. Auch ohne Zwischenstopps zieht sich die Fahrt bis zu drei Stunden.

Key Lime Pie, Segeltörn und 'ne wilde Partynacht

Eigentlich sollte ich in einem Resort wohnen, aber irgendwie fand ich das wenig charmant und auch ehrlich gesagt zu teuer. Von Freunden hatte ich gehört, dass Key West generell ziemlich teuer sein soll, aber ich habe Glück und finde ein günstiges Zimmer im Southernmost Inn, einem ganz schnuckeligen Holzhaus mit Veranda und vielen Palmen drum herum. Von hier aus kann ich sogar zu Fuß ins Zentrum gehen und spare die horrenden Parkgebühren. Ein wahrer Glücksgriff!

Direkt nach dem Einchecken mache ich mich auf den Weg zu Kermit’s Key Lime Shop am Hafen. Das grell grüne Haus erkenne ich sofort. Kermit selbst steht breit grinsend mit einem Key Lime Pie in den Händen vor der Tür und winkt Passanten in seinen Laden. Er liebt sein Geschäft, das sehe ich sofort.

Stolz führt er mich durch seine heiligen Hallen. „Niemand darf die Florida Keys verlassen, ohne Key Lime Pie gegessen zu haben“, mahnt Kermit mit erhobenem Zeigefinger. Key Lime Pie ist ein wahnsinnig leckerer Käsekuchen, der mit dem Saft der Limetten zubereitet ist, die nur hier auf den Keys wachsen. Kermit erzählt mir, dass er ganz klein mit einer winzigen Kuchenbäckerei angefangen hat. Mittlerweile bietet er in seinem Laden weitaus mehr als Kuchen an. Ich sehe sogar Hunde-Leckerli neben der Kasse stehen.

Ich kaufe mir ein Stück Kuchen und gehe raus in den Garten, wo ich mir einen Platz inmitten der großen Grünpflanzen, neben einem plätschernden Springbrunnen, suche. Hier merke ich erst, dass das Klima ganz anders ist als auf dem Festland. Es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und zum ersten Mal denke ich: ich bin in der Karibik angekommen!

Ich bummle ein bisschen durch das Hafenviertel in dem es Restaurants, Bars, Souvenir- und Klamottenläden gibt. In vielen Bars spielt schon jetzt am Nachmittag eine Live Band und die Gäste grölen bierselig mit.

Am frühen Abend schlendere ich zum Yachthafen. Heute freue ich mich besonders über den strahlenden Sonnenschein, denn in wenigen Minuten werde ich die Schooner Appledore betreten, ein altes Zwei-Mast-Segelboot, auf dem ich in den Sonnenuntergang segeln werde.

An der Anlegestelle schaukelt das grün weiße Holzboot vor sich hin. Ich klettere an Board. Kurz nachdem wir den Hafen verlassen haben, knallen die Korken. Auf dem Sunset Cruise sind Snacks und Wein inklusive. Wir schaukeln auf den Wellen vom Golf von Mexiko sanft auf und ab, während die Sonne untergeht. Ich lerne Nicholas und Steffi aus Duisburg kennen. Wie schön, so muss ich nicht alleine trinken. Wir haben außerdem so viel Spaß am Anstoßen, dass wir nach unserem Segeltörn noch einen Absacker trinken wollen. Wir gehen ins Sloppy Joe’s. Die Live-Band spielt auf und ist so gut, dass aus einem kurzen Absacker noch ein wilder Tanzabend wird.

Tag 8 – 04.10.2016 – #

Mit dem Kayak durch die Mangroven

Ich bin recht froh, dass ich, trotz unserer Tanz- und Trinkwut gestern Abend, ohne Kater aufwache. Ausschlafen ist nämlich nicht drin heute, denn es geht auf Backcountry Kayak Tour.


Um 8:00 in der Frühe werde ich vor meinem Hotel abgeholt und nach Geiger Key kutschiert. Hier wartet das Team der Key West Eco Tours auf uns ambitionierte Paddler.


Nach einer kleinen Einweisung werden wir in unseren quietsche-gelben Kayaks zu Wasser gelassen. Das Wasser ist einfach nur traumhaft. Es ist so glasklar, dass wir die Seesterne und Pflanzen auf dem Grund sehen können.


Wir paddeln zunächst quer über’s Wasser und halten schließlich in einer kleinen Bucht inmitten von Mangroven. Unsere Tourleiterin fischt einen Seestern aus dem Wasser, den wir uns alle aus der Nähe ansehen dürfen. Es ist faszinierend, was sich alles unmittelbar unter unseren Kayaks befindet.


Das Highlight unserer Kayak Tour kommt zum Schluss. Wir paddeln mitten durch die Mangroven. Eine Art Flussarm führt durch das hölzerne Dickicht. Es ist wunderbar schattig und ganz still hier. Ich grinse, weil ich bis eben noch das klatschen der Paddel auf dem Wasser gehört habe und es jetzt immer mal wieder klappert, weil wir uns alle an den Stämmen der Mangroven abstoßen. Hinter dem Holztunnel wartet noch mal das endlos scheinende, türkisfarbene Wasser auf uns und wir starten zum Endspurt Richtung Anlegestelle.


Zurück in Key West, springe ich ins Auto und düse gen Norden. Es gibt so viele traumhafte Inseln hier unten, da muss ich noch eine weitere besuchen. Nach der südlichsten Insel, Key West, ist mein heutiges Ziel Key Largo, die erste Insel nach dem Festland.



Hier erreiche ich am späten Nachmittag das Azul del Mar und ahne sogleich, dass ich hier wahrscheinlich nicht mehr weg möchte. Als ich zum kleinen Check In Häuschen gehe, huscht ein großer Leguan an mir vorbei. Ich wandere durch den Schatten hoher Palmen, zwischen denen Hängematten baumeln.


Im Azul del Mar gibt es sechs sehr geräumige Apartments. Der Garten ist riesengroß. Im Schatten eines kleinen Strohdachs stehen Liegestühle. Am Zaun hängen Kanus, die sich die Gäste leihen können.


Am Ufer weicht das Gras einem schneeweißen Sandstrand auf dem weitere Liegestühle und Sonnenschirme stehen. Ein Holzsteg, natürlich mit weiteren Liegestühlen, geht auf’s Meer hinaus. Hier lässt es sich aushalten. Ich hol’ mir ein Buch und lege mich in die Sonne, bis mein Magen knurrt.


Ich fahre ein wenig den Highway 1 entlang und entscheide mich für ein Dinner im Lazy Lobster, wo ich mir ein ordentliches Seafood Plate gönne.

Tag 9 – 05.10.2016 – #

Schnorcheln und Entspannung pur auf Key Largo

Mir schlottern die Knie. Würde ich Nägel beißen, so wären sie gleich kürzer als kurz. Es geht heute wieder auf’s Meer hinaus. Ich liebe es, auf dem Meer zu sein. Auf! Dem! Meer!


Heute ist aber der Tag, an dem ich zum ersten Mal unter die Oberfläche schaue. Um nicht das Wort Angst zu benutzen, behaupte ich, dass ich großen Respekt vor allem, was unter mir herum schwimmt, habe. Trotzdem möchte ich heute Schnorcheln gehen, zum ersten Mal in meinem Leben.


Am kleinen Hafen im John Pennenkamp State Park legt unser Boot ab. Wir sollen unsere Schwimmwesten anlegen. Kaum dass wir die Mangroven verlassen habe, verstehe ich den Grund: wir fliegen über’s Wasser; so schnell sind wir.


Als wir das Korallenriff erreichen, wird es ernst. Beim Ablegen hatten wir schon gehört, dass die See heute rauher ist, weil ein Hurrikan naht. Tatsächlich sind die Wellen recht hoch, aber noch bin ich guter Dinge. Ich steige als letztes ins Wasser. Ich bin eine gute Schwimmerin, was mir auch der Tauchlehrer bestätigt, aber ich habe Angst. Ich habe einfach blanke Angst, vor dem, was unter mir vorgeht. Ich möchte es nicht sehen (schon irre, wenn man bei einer Schnorchel-Tour mitmacht, ich weiß!).


Das Meer ist sehr aufgewühlt. Wasserhügel schlagen uns entgegen. Es ist kein glatter Wasserspiegel, durch den wir bis auf den Grund sehen können. Ich schwimme noch ein paar Runden und kapituliere dann. Natürlich bin ich ein bisschen traurig, aber ich habe es wenigstens versucht. Und ich werde es auch nochmal versuchen, wenn das Meer ruhiger ist. 

Als die anderen Schnorchler zurück an Board kommen, berichten sie mir von ihren Erlebnissen. Ein Mädel hat sogar eine große Schildkröte vorbei schwimmen sehen. Ich freue mich mit ihr und schwöre mir, dass ich dem Meer irgendwann noch mal eine Chance geben werde. Jetzt freue ich mich erstmal über eine weitere Spritztour über’s Meer.


Als sei das noch nicht genug Aufregung gewesen, bekomme ich nach unserer Ankunft mit, dass alle weiteren Schnorchel-Fahrten bis auf weiteres abgesagt sind. Es besteht mittlerweile akute Hurrikan-Warnung.


Ich fahre ins Azul del Mar zurück, wo ich meine Nachbarn Melissa und Jordan im Garten treffe. Sie sind verzweifelt. Ihr Flug nach Hause wurde soeben, wegen des nahenden Hurrikans, abgesagt. Sie sind gerade aus ihren Flitterwochen zurück und freuen sich, ihren kleinen Sohn bald wiedersehen zu können. Gerade scheint die Situation jedoch aussichtslos. Der Flughafen in Fort Lauderdale ist komplett geschlossen. Ich merke, dass die Lage ernster ist, als ich dachte.


Morgen soll eigentlich meine Zugfahrt durch ganz Amerika starten, aber auf der Webseite der Zuggesellschaft steht bereits, dass die Züge bis auf weiteres nicht starten werden.


Spontan buche ich mir ebenfalls einen Flug von Miami nach New York und bin zunächst ein bisschen traurig, dass ich fast auf die komplette Ostküste bei meinem Zug-Abenteuer verzichten muss. Noch weiß ich nicht, dass ich später froh über diese Entscheidung sein werde, denn tatsächlich fielen die Züge fast zwei Wochen lang aus, was meinen kompletten Zeitplan zerschossen hätte.


Noch ist der Hurrikan aber nicht da und nachdem wir alle unsere Abreise organisiert haben, gönnen wir uns einen letzten, unvergesslich schönen Sonnenuntergang in unserem kleinen Südsee Paradies auf Key Largo.

Informationen

  • Sämtliche Informationen zu Miami gibt es auf der offiziellen Webseite der Stadt
  • Meine Lieblingsviertel im Miami: South Beach (klar, Strand-Feeling pur), Wynwood District (Street Art und coole Läden), Coconut Grove (entspanntes Viertel zum Bummeln)
  • Einen schönen Holzpier unter dem Delfine herumspringen gibt es in Naples
  • Ein Muss in den Everglades: eine Fahrt mit dem Air Boat
  • Von Key West aus in den Sonnenuntergang segeln kannst du mir der Schooner Appledore
  • Eine günstige und hübsche Unterkunft in Key West ist das Southernmost Inn
  • Im kristallklaren Wasser und durch die Mangrove kajaken kannst du mit Key West Eco Tours
  • Mein Lieblingsort auf den Keys ist auf Key Largo: das Azul del Mar (übrigens auch super, wenn du keine Zeit hast, um bis ganz nach Key West zu fahren. Das Hotel liegt auf der ersten Insel vom Festland aus gesehen.)
  • Von hier aus kannst du auch im John Pennenkamp Coral Reef State Park schnorcheln gehen
  • Informationen zu den Florida Keys findest du auf der offiziellen Webseite der Inseln

*Vielen Dank an Visit Florida für die Unterstützung dieser wundervollen Reise. Ganz ehrlich: ich dachte, Florida und Miami seien nicht ganz mein Geschmack. Aber: weit gefehlt! Ich muss unbedingt noch mal für längere Zeit dorthin.

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