AfrikaBurn-Festival – eine Traumwelt in der Wüste

AfrikaBurn-Festival – eine Traumwelt in der Wüste

Du suchst nach einem berauschenden Fest, einem überragendem Erlebnis, einem Ort voller positiver Energie? Dann gehörst du definitiv nach Tankwa Town in die südafrikanische Karoo-Wüste. Entdecke einen Ort, an dem das Gefühl von Gemeinschaft und Zeitlosigkeit noch Gold wert ist und (er-)finde dich selbst.

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Durchgeruckelt von der Fahrt auf der schotterigen Piste, Hintern platt gesessen, eine zentimeterdicke Dreckschicht auf unserem Jeep. Wir wussten, dass wir unser Ziel in der Wüste erreicht hatten: Tankwa Town.

Dort fand auch dieses Jahr das Festival der etwas anderen Art statt: AfrikaBurn, auch bekannt als der kleine Bruder des aus den USA bekannten Burning Mans. Eine Mischung aus Kunstausstellung, Musikmarathon, Abenteuerurlaub und Spielplatz für Hedonisten. Gebuchte Bands oder DJs gibt es nicht, denn das Programm organisieren die Besucher selbst. Alle vier waren wir „AfrikaBurn-Ersties“ und auch sonst keine erfahrenen Festivalgänger. Worauf wir uns eigentlich einließen, war uns nicht ganz klar. Nach dem Motto „Wenn es wirklich sehr schlimm ist, fahren wir einfach wieder heim“ stürzten wir uns in unseren Südafrika-Urlaub der besonderen Art.

Rein in den Dreck

Gleich an der Einfahrt zum AfrikaBurn-Gelände stürmten zwei wild bemalte und verkleidete Burnerinnen – wie sich die Teilnehmer des Festivals nennen – auf uns zu und forderten uns zum Aussteigen auf. Auch wir sollten das Willkommensritual absolvieren. Nach einer herzlich staubigen Umarmung der Burnerinnen, sollten wir mit kräftigem Gongschlag unsere Ankunft in der südafrikanischen Karoo-Wüste verkünden. Anschließend bot man uns ein Bad im staubigen Wüstensand an. Verwundert schauten wir uns an: Im Sand wälzen? „Ihr werdet so oder so schmutzig, also keine falsche Scheu und rein in den Dreck mit euch“, entgegnete ein Burner belustigt von unseren skeptischen Blicken. Weil die Tradition es so will, warf sich mein Freund Sebastian auf den Boden, suhlte sich im Sand und war somit offiziell „getauft“. Wir zwei Mädels wollten lieber auf natürliche Weise einstauben und machten uns im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell aus dem Staub.

Das sollten wir auch, wenn wir noch vor Sonnenuntergang eine freie Stelle für unser Zeltlager finden wollten. Die letzten Sonnenstrahlen ließen nicht lange auf sich warten, schenkten uns zwar einen wunderschönen Sonnenuntergang, aber damit auch den Einbruch der Dunkelheit. Obwohl der Jeep sonst sehr gut ausgestattet war, ließ die Anzahl an Beleuchtungsmöglichkeiten etwas zu wünschen übrig. Mit einer einzigen Taschenlampe und dem Licht unserer Handys klappten wir langsam und umständlich die zwei Zelte auf dem Dach des Jeeps auf. Danach musste der prallgefüllte Kofferraum nach Gaskocher und Geschirr durchstöbert werden, damit wir uns unsere erste Wüstenmahlzeit zubereiten konnten. Von Kochkünsten konnte hier nicht die Rede sein, denn unser Abendessen bestand aus Pesto-Nudeln „al sehr dente“ – das Essen mit dem gewissen Biss eben. Ein wahrer Burner lässt sich von Lappalien wie Dunkelheit oder halbgekochten Nudeln allerdings nicht unterkriegen. Gestärkt und im Zwiebellook warm angezogen machten wir uns zu später Stunde auf in die pechschwarze Nacht.

Taxis in der Wüste

Beeindruckt von den selbstgebauten Kunstwerken aus Holz und Metall liefen wir durch die kleinen Gassen zwischen den Camps, hielten mal hier, mal dort. Überall blinkten kunterbunte Lichter und erhellten die Nacht. Menschen mit allerlei verrückten Kostümen tanzten und feierten. Wir mittendrin, euphorisiert von den außergewöhnlichen Eindrücken. Da wir großzügig mit anderen Burnern geteilt hatten, ging uns schon nach kurzer Zeit das Bier aus. Unser Durst führte uns zurück zu unserem Zelt, wo uns ein wiederholtes Hupen aufhorchen ließ. Kurz darauf polterte ein ulkig aussehendes Gefährt mit Taxi-Aufschrift um die Ecke. Das Traummobil bestand aus einem alten Roller mit seitlichem Anhänger, aufgepeppt durch eine gemütlich gepolsterte Sitzbank aus zuckersüßem Herzchenstoff und einem Einhornkopf aus Plüsch am Lenker. Die beiden Insassen gehörten zu einem Camp, das mit einer fahrenden Disko namens „Range Rover“ und eben diesem „Taxi“ unterwegs war.

Ehe wir uns versahen, saßen wir zu sechst und mit viel zu viel Übergewicht im Traummobil. Es ächzte und rauchte unter unserem Gewicht, doch nach zahlreichen Verschnaufpausen und einigen Umwegen (sieht ja alles gleich aus im Dunkeln) kamen wir am Range Rover an. Die Disko auf Rädern fuhr im sogenannten Binnekring, dem innersten Kreis in der Mitte des AfrikaBurn-Geländes, ihre Bahnen und hielt wie alles andere mal hier, mal dort, gabelte feierwütige Burner auf und ließ müde Burner in die dunkle Nacht davonziehen. Wir tanzten, sangen, tranken und kehrten irgendwann müde, aber glücklich zu unserem Lager zurück. Das Fazit des ersten Abends: AfrikaBurn könnte in der Tat noch lustig werden...

„Sharing is caring“

Nachdem die ganze Nacht aus diversen Richtungen Musik zu uns herüberschallte, wachten wir im Morgengrauen verschlafen auf. Mats – dem Holländer unter uns – wären bereits in der ersten Nacht beinahe die Füße abgefroren, weil sie trotz Minusgraden aus dem Zelt gebaumelt hatten. Ihm war der Weg ins Zelt scheinbar zu schwer gefallen. Zum Auftauen setzten wir ihn in die morgentliche Wüsensonne. Dank des Gaskochers und der guten Ausrüstung gab es sogar ein leckeres Katerfrühstück aus Rührei, Speck und einer Dose Bier zum Herunterspülen. Der perfekte Start in den Tag.

Kostümiert und mit flüssigem Proviant ausgestattet, spazierten wir in Richtung des Binnekrings, um uns auch bei Tageslicht einen Überblick zu verschaffen. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon an der nächsten Gabelung wurden wir auf ein kleines Päuschen mit Schnäpschen eingeladen. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul, also kehrten wir ein. Denn auch das gehört zur AfrikaBurn-Tradition: Geben und im Gegenzug nichts dafür erwarten, ein Modell, das in unserer Gesellschaft leider kaum mehr zu finden, in Tankwa Town allerdings oberstes Gebot ist. Selbst wenn man wollte, gäbe es nichts zu kaufen. Jeder bringt mit, was er braucht und teilt mit der Gemeinschaft. Da sich die meisten an dieses Prinzip halten, kommt es automatisch zu einer Art Austausch, einem gegenseitigen Beschenken. Egal wo wir vorbeiliefen, hörten oder sahen wir den Satz „Sharing is caring“. An einer Ecke stand eine Frau mit einem riesigem Topf voller köstlicher Suppe, an einer anderen hatten Burner eine Cocktail-Bar aufgebaut, andere boten eine entspannende Rückenmassage an, wer Lust auf einen Film hatte, ging ins „Kino“... Mitten in der Wüste gab es einfach alles, was das verrückte Burner-Herz begehrt.

Goldene Zeit

Gerade dieses außergewöhnliche Gemeinschaftsgefühl und die positive Energie, die von der AfrikaBurn-Welt ausgeht, sind so beflügelnd und berauschend, dass Drogen gar nicht notwendig sind, um sich high zu fühlen. Kurz nach unserer Ankunft in Tankwa Town fragte meine Freundin noch etwas skeptisch, was wir so lang in der Wüste machen würden und dass man doch etwas machen müsse, denn man könne ja nicht den ganzen Tag nichts tun. Aber genau das ist es. Man macht eigentlich nichts und erlebt doch so unglaublich viel. Man konzentriert sich auf sich selbst, befreit sich von äußeren Einflüssen und fühlt sich endlich wieder lebendig. Im Vordergrund stehen die Gemeinschaft, die Menschen, simple Kommunikation durch Reden, Spaß am Leben und Freisein. Wenn das nicht belebend ist, was dann? Da kann kein Urlaub mithalten, bei dem das Handy auf dem Strandtuch liegt und man pünktlich um 12 Uhr zurück zum Hotel will, um als erster am Buffet zu stehen.

Durch AfrikaBurn ist mir erneut bewusst geworden, wie abhängig wir uns selbst von so Vielem machen und wie befreiend es sein kann, nicht zu wissen, wie viel Uhr es ist. Einfach loszulaufen und den Instinkten zu folgen. Back to the roots! Nur der Sonnenuntergang war bedeutsam, denn keiner wollte im Dunkeln essen, im Schein einer einzigen Taschenlampe. Zwar wird immer behauptet, dass Zeit goldwert ist, aber wahrscheinlich ist das nur so, weil wir uns ständig vor Augen führen, wie uns die Zeit davon rennt. Wer dagegen gar nicht weiß, was die Uhr sagt, vergoldet sich seine Zeit ganz von selbst.

Immer diese Hippies

Verständlich, wenn der Eindruck entsteht, das AfrikaBurn ein einziges Hippie-Festival ist. Irgendwie stimmt das auch, aber nicht auf diese revolutionäre „Uschi Obermaier Kommune 1“-Art. AfrikaBurn-Teilnehmer schätzen es, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein und zu ihrem Wohl beizutragen. Dies zeigt sich allen voran durch das Mitbringen und Verteilen von Geschenken. Was den Rest angeht, ist „Moop“ das Stichwort. Nein, kein neues Modewort, sondern die Abkürzung für „Matter out of place“ und bedeutet, dass keine Spuren hinterlassen werden sollen. Alles, was in die Wüste mitgebracht wird, muss auch seinen Weg hinaus finden. Ebenfalls ein oberstes AfrikaBurn-Prinzip. Dieses gilt für jede noch so kleine Erdnuss, jede Bierflasche, eben alles, was von Natur aus nicht in die Wüste gehört. Ob das funktioniert? Diese Frage stellte ich mir anfangs auch. Jeder, der bereits an Massenveranstaltungen wie Karneval, Konzerten oder Stadtfesten teilgenommen hat, weiß genau, welche fürchterlichen Zustände nach solchen Events herrschen. Es sieht meist so aus, als hätte die Mühlabfuhr ihren kompletten Inhalt verloren. Beinahe hätte ich sogar gewettet... und haushoch verloren!

Am Ende der Woche sah es tatsächlich so aus, als hätte nie eine Party stattgefunden. Als hätten niemals fast 10.000 Menschen dort gezeltet. Selbstverständlich rochen die Plumpsklos, wie nach einer Woche Festival mit 10.000 Mann zu erwarten ist, aber der Rest konnte sich wirklich sehen lassen. Wenn der Hippie von heute umweltbewusst, freiheitsliebend und gemeinschaftlich ist, dann bin ich gerne einer. Denn er hat verstanden, dass jeder Schritt und jedes Handeln Spuren hinterlassen. AfrikaBurn ist in der Tat ein Festival der etwas anderen Art. Eine eigene Welt, die sich die Burner Jahr für Jahr erschaffen und während der einen Woche Ende April genießen. Es ist eine Wunderwelt auf Zeit und der lebende Beweis dafür, dass Individualismus und Kollektiv nicht immer ein Gegensatz sind. Abenteuer und Selbst(er)findung, gepaart mit starkem Gemeinschafts- und Freiheitsgefühl... AfrikaBurn 2017, wir kommen.

Tankwa Town, Südafrika
Festivaldaten: 24 bis 30 April 2017
Tickets gibt es noch über die AfrikaBurn-Website (Registrierung erforderlich)

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