Blick in die Halong Bucht

Auf der Dschunke durch die Halong Bucht

Auf der Dschunke durch die Halong Bucht

Oh man, es tut mir so leid! Entschuldige bitte, liebe Halong Bucht, ich habe dich total falsch eingeschätzt. Du weißt doch, wie das manchmal ist. Da hat man einen schlechten Tag und dann ist alles irgendwie doof.

Aber ich erinnere mich noch genau an unser erstes Kennenlernen...

Reisebericht

Das Kennenlernen

Wir kamen gerade aus Sapa im hohen Norden, wo Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten. Wir schliefen Nächte lang in sämtlichen Klamotten, die wir dabei hatten. Es war kalt, nass und nebelig. Wir hielten unsere Füße so nah an die Brennstäbe der Elektroheizung (wann wurden die hierzulande abgeschafft?), dass die von Tantchen gestrickten Socken beinahe anbrannten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es jemals wieder mollig warm wird. Die Kälte lies unsere Nasenspitzen selbst im Hotelzimmer noch einfrieren und die Feuchtigkeit kroch in alle Gliedmaßen.

Als wir dann in Halong City ankamen, um an Bord der Dschunke zu gehen, die uns durch die Bucht schippern sollte, erlittenen wir zu nächst einen Kulturschock. Betonmonster von Bettenhochburgen ragten aus dem Boden der Stadt, überall blinkten Werbeschilder und grotesk grinsende, haushohe Plastikmäuschen wiesen uns den Weg zum Hafen. Also doch! Alles nur Show! Wir waren in Disney Land, mitten in der Kulisse für Piraten der Karibik.

Als wir ablegten, schipperten wir durch eine graue, nasse Nebelmasse. Es war nicht himmelhochjauchzend schön, jedoch wunderschön mystisch. Wir waren dir sogleich wohler gestimmt. Und als die ersten Karstberge hinter dem grauen Vorhang hervor traten, hattest du uns, liebe Halong Bucht.
Standing Ovation – Applaus!

Wir mummelten uns in unsere noch immer klammen Klamotten und lächelten unser Sonnenlächeln für ein Foto auf Deck, bevor wir uns eine weitere heiße Schokolade in der Kajüte gönnten. Mann, deine Kälte war wirklich hartnäckig.

Vielleicht sind wir beide erwachsener geworden, sanftmütiger oder vielleicht standen die Sterne bei unserer zweiten Begegnung einfach gut. Jedenfalls möchte ich mich entschuldigen, dass ich damals behauptet habe, dass du durchaus einen Besuch wert bist, wenn man durch Vietnam reist, aber nun auch nicht unbedingt als Highlight betitelt werden solltest. Das war falsch von mir, denn du bist atemberaubend schön. Es verschlägt einem die Sprache, wenn man von weit oben auf dein Antlitz schaut und soweit sehen kann, dass er schier unmöglich ist, alle Inseln zu zählen.

Ich hoffe, du nimmst meine Entschuldigung an. Ich werde vielen Leuten davon berichten, wie großartig du bist. Sie sollen dich grüßen, wenn sie dich besuchen.

Auf bald hoffentlich mal wieder.
Herzliche Grüße, deine Evelyn

Hanoi an Neujahr – eine Geisterstadt

„Wenn jetzt noch gleich Steppenroller über die Straße fegen, würde mich das nicht wundern“, sage ich kichernd zu Marcel. Hanoi in den Tagen um Tet, dem Neujahrsfest der Vietnamesen, sieht aus wie eine leer gefegte Geisterstadt. Man mag es kaum glauben, aber die Geschäfte, Restaurants und Garküchen sind geschlossen. Nur wenige wittern das große Geschäft mit überraschten Touristen und haben weiterhin geöffnet. Man kann ohne in Lebensgefahr zu geraten die Straße überqueren und das Hupen der Motorroller verstummt dieser Tage fast gänzlich.

Das neue Jahr verabschiedet und beginnt man in Vietnam im Kreise der Familie. Hinter verschlossenen Türen wird ausgelassen gefeiert. Außerdem ist der erste Tag des Jahres ausschlaggebend für den weiteren Verlauf. Wenn einem nichts böses an an eben diesem Tag widerfährt, wird man auch die nächsten 364 Tage verschont. Ein gutes Argument dafür, sich zu verkriechen.

Unser Jahr wird prächtig, denn wir beginnen es mit einer kleinen Kreuzfahrt in der Halong Bucht. Wenige Wochen zuvor wurde ein neuer Fährterminal abseits Halong City eröffnet, an dem wir nun in der Mittagssonne, fernab vom Trubel in der Stadt, auf unsere Dschunke warten.

Als die Annam Junk an den Stufen des Piers anlegt, fällt mir zum ersten Mal auf, dass sich sämtliche Dschunken von dem traditionellen dunklen Holz verabschiedet haben. Eine freundliche Dame erklärt, dass es ein Entschluss vom Staat gewesen sei, weil es weniger ranzig und oll aussähe. Einerseits. Die Folgende, deutlich leiser gesprochene Erklärung klingt plausibler und ehrlich gesagt, den Fahrkünsten der Vietnamesen entsprechend, realistischer: Es kam im Nebel häufiger zu Auffahrunfällen und durch den weißen Anstrich, sieht man sich gegenseitig schneller.

For Good Luck

An Bord werden wir zunächst von der freundlichen Crew willkommen geheißen. Happy New Year! Wir bekommen einen kleinen roten Umschlag zugesteckt. So macht man das an Neujahr.
„You get money for good look. Look at end of little registration number on money. It shows how lucky you this year!“
Ich habe eine Null. Die Dame lächelt verhalten und beteuert, es würde 10 bedeuten. Ich drücke mir die Daumen, dass ich nicht direkt heute über die Reling falle.

Gepaart mit Marcels Nummer haben wir offenbar doch außerordentliches Glück, denn wenige Minuten später bekommen wir den Schlüssel zu unserer VIP-Suite überreicht. Sie liegt im oberen Stockwerk des Bugs. Zwei Seiten unseres Zimmers sind komplett verglast, so dass wir entweder vom Bett oder von unserer Terrasse aus das Panorama bewundern können.

Soviel Glück muss begossen werden. Mit Weißwein bewaffnet, geht es auf das Sonnendeck. Schon von Weitem sehen wir, wie die Karstberge aus dem Wasser empor wachsen. Als wir näher kommen, klickt meine Kamera unaufhörlich, sehen doch alle auf ihre Weise wieder anders aus.
Ab und zu schippern wir an einer Fisch-Farm vorbei, auf der es geschäftig wuselt. Viele Dschunken halten hier, damit die Gäste sich ihr Abendessen aussuchen können.

Die unendliche Weite der Halong Bucht

Während wir im Liegestuhl liegen und die Sonne genießen, steuern wir auf unseren ersten Halt zu: Die Insel Ti Top. Der Name gibt nicht viel Raum zur Interpretation und richtig: Wir kraxeln unsere drei Gläser Weißwein beim Aufstieg auf den Berg direkt wieder ab. 400 Stufen später, sehe ich atem- und sprachlos in die Ferne. So ein Anblick wäre bei meinem letzten Besuch inmitten der Nebelsuppe niemals möglich gewesen.
Unzählige Inselchen ragen auf einer schier unendlichen blauen Wasserwiese aus dem südchinesischem Meer empor. Leise schippern die weißen Dschunken zwischen ihnen umher und glitzern wie Konfetti in der Sonne. Während die Hügel in den vordersten Reihen noch deutlich als grau weiße Felsen mit grünen Büschel-Locken erkennbar sind, verschwimmt ihre Silhouette mit jedem Kilometer Fernsicht im Zusammenspiel von Wasser und dem Dunst der Weite von dunkelblau zu hellblau.
Erst hier und jetzt wird mir bewusst, was für ein magischer Ort die Halong Bucht ist. Nicht nur mir scheint es so zu gehen: Die Menschen um mich herum bewundern ebenfalls ganz still das Panorama. Niemand hüpft, kreischt oder verfällt dem Selfie-Wahn. Wir alle stehen, starren und versuchen diese Glücksgefühle zu konservieren. Das klappt definitiv schon mal insofern, als dass uns die vorhandenen Endorphine den Abstieg mit unseren Gummibeinen erleichtern.

Eben noch Riese, jetzt ein Zwerg

Weil man stets den ganzen Körper trainieren soll, steigen Marcel und ich direkt im Anschluss in Kanus (Ja, ja, ich gebe zu: Ohnehin eine große Leidenschaft von mir.). Der Blickwinkel von der Wasseroberfläche hoch auf die Felsen, ist ein ganz anderer, als kurz zuvor vom Ti Top aus. Plötzlich sind die Inseln keine Leberflecke auf der Wasserhaut mehr. Sie sind gigantische Berge mit nahezu unerreichbaren Gipfeln und die Dschunken scheinen mehrere hundert Stundenkilometer zu fahren, wenn man ihnen ausweichen muss. Mein Herz schlägt wie wild, jedoch noch viel mehr vor Glück!

Zurück auf der Dschunke bekommen wir ein fürstliches Mahl kredenzt. Ich bin schlecht in Mathe und gebe irgendwann auf, die Gänge und Zwischengänge zu zählen.
Mittlerweile liegen wir zwischen mehreren kleinen Inseln vor Anker. Vom Deck aus beobachten wir den Sonnenuntergang. Leise plätschern die Wellen an das Boot. Als die rote Sonne hinterm Horizont verschwunden ist, treiben wir noch ein bisschen Schabernack mit Lichtmalerei (die Kunstwerke „Primäre Geschlechtsteile“ und „Obszönes“ erspare ich euch), bevor wir selig grinsend in unserer VIP-Suite einschlafen.

Die Sung Sot Höhle

Für den nächsten Tag steht bereits die Rückreise ans Festland an. Zuvor halten wir noch bei der Sung Sot Höhle, die auch Surprise Cave genannt wird. Sie ist wirklich gigantisch. Ein Wunder, dass der Berg noch steht, ist er doch von innen nahezu komplett ausgehöhlt. Die Stalaktiten sind ganz nach vietnamesischer Manier in den buntesten Farben angeleuchtet.

Warum die Höhle nun Surprise Cave heißt, müsst ihr schon selbst herausfinden! Seid gewarnt: Man muss den Humor eines pubertierenden Teenagers mitbringen.

Ist dir das auch schon mal passiert? Du warst an einem Ort und irgendwie war nicht der richtige Zeitpunkt, Schietwetter oder was auch immer und du fandest es total blöd dort. Aber als du eines Tages nochmal dorthin bist, war es plötzlich einer der schönsten Orte, die du je besucht hast? Erzähl’ mir von deinem „Entschuldige bitte, ich habe dich falsch eingeschätzt“-Ort!

Vielen Dank an Erlebe Fernreisen, die uns aus der Geisterstadt gerettet und uns dieses unglaublich schöne Neujahrs-Erlebnis beschert haben. Es war traumhaft. Unseren Ausflug zum Nachmachen und weitere schöne Vietnam Erlebnisse gibt es: hier.

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