Nebelwald in Ecuador: Auf der Suche nach den Haribotüten-Vögeln

Nebelwald in Ecuador: Auf der Suche nach den Haribotüten-Vögeln

Der Nebelwald im Norden Ecuadors lockt mit seiner exotischen Vogelwelt Besucher aus aller Welt an. Tukane, Kolibris und Papageien tummeln sich hier inmitten dichter Nebelschwaden. Um eines der farbenprächtigen Exemplare zu Gesicht zu bekommen, bedarf es Zeit und Geduld. Ein Selbstversuch

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Laut Reiseführer ist ein Besuch des Nebelwaldes bei einem Ecuador-Urlaub unabdingbar. Die Gebirgslandschaft in der Nähe der Hauptstadt Quito zählt weltweit zu den wichtigsten Zielen für Vogelbeobachter. Ich kann nicht mal eine Amsel von einem Star unterscheiden, aber als ich den Vogel von der Haribotüte auf den Abbildungen im Reiseführer entdecke, steht fest: Ich mache jetzt mal eine Vogelbeobachtungstour! Dafür müssen meine Freundin und ich erstmal nach Mindo kommen, denn diese Kleinstadt liegt direkt am Nebelwald.

Zeitvertreib im Dörfchen Mindo

Nachdem wir uns hier durch einige Touristenbüros gearbeitet haben, sind wir jedoch etwas enttäuscht: Eine Führung zu den bunten Vögeln kostet mindestens 60 US-Dollar. Das ist mir eindeutig zu viel, also frage ich hartnäckig weiter. So lerne ich Canelo kennen, der in einem der Touristenbüros als Freelancer arbeitet und hauptsächlich Seilbahnfahrten organisiert. Dies mache er auch in einem Fünf-Sterne-Resort in Mindo, für das er bald auch Vogeltouren anbieten soll. Und da er noch üben muss, kann er uns umsonst mitnehmen. Perfekt! Er hat allerdings erst am Donnerstag Zeit für uns.

In den kommenden zwei Tagen schauen wir, was Mindo sonst noch so zu bieten hat. Langweilig wird es einem in dem süßen Dorf nämlich nicht so schnell. Wir machen einen Rundgang über eine Schokoladenfarm und probieren dabei so viel Schoki, dass wir den Rest des Tages mit Bauchweh im Bett liegen. Am nächsten Tag besuchen wir ein Schmetterlingshaus und bestaunen die vielen verschiedenen Arten, die sich teilweise sogar bereit erklären, für Fotos auf unsere Hände zu klettern. Mittwochabend sind wir dann zeitig im Bett, denn zum Vogelbeobachten geht es am besten frühmorgens, in unserem Fall um sechs Uhr.

Unser Hobby-Touristenführer lässt uns sitzen

Brav quälen wir uns aus den Betten und sind pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, den Hängematten unseres Hotels. Mit uns wartet ein junges Schweizer Pärchen, auch ihm waren 60 Dollar für eine geführte Tour zu teuer. Wir gähnen. Und warten. Um 20 nach sechs sind wir uns sicher, dass unser Hobbyführer von ecuadorianischer Zeit sprach und spätestens um halb sieben hier auftauchen wird. Um viertel vor sieben sind wir uns nicht mehr so sicher. Nochmal 15 Minuten später eröffnet uns das Schweizer Paar, dass es ohnehin bereits ein wenig im Vogelbeobachten bewandert ist und nun auf eigene Faust losziehen will.

Von Vögeln keine Spur

Auch wenn wir gerne wieder ins Bett huschen würden, entschließen wir uns dazu, es ihnen gleich zu tun. Müde diskutieren wir mit einem Taxifahrer, der uns hoch in den Wald fahren soll. Als wir vom Jeep springen, ist es schon lange nach sieben und ich frage mich, ob die Haribotüten-Vögel überhaupt noch da sind. Wir streifen lustlos durch den Wald, da wir bis auf einen Kolibri keine Vögel sehen, unterhalten wir uns über unsere Reise und schimpfen auf den Touristenführer, der wahrscheinlich noch immer in seinem warmen Bett liegt. Mittlerweile ist es fast neun, es wird langsam drückend warm und wir betrachten unseren Ausflug eher als eine spontane Waldwanderung denn als Vogelbeobachtungstour. Auf die Lockrufe des Schweizers scheinen die filigranen Tiere jedenfalls nicht reagieren zu wollen.

Der Haribo-Tüten-Vogel in echt!

Als meine Freundin und ich gerade überlegen, umzukehren und in Ruhe zu packen, geschieht es: Über uns fliegt irgendetwas Großes, Gelbes hinweg. Schnell laufen wir in die Richtung, in die der Vogel davongeflogen ist. Und tatsächlich, es war ein Tukan und er scheint seine Tukan-Freunde uns zu Ehren heute mitgebracht zu haben! Mindestens drei Minuten lauschen wir dem Konzert der großen Spechte mit dem auffälligen gelben Schnabel, ehe sie davonfliegen. Nach dieser schönen Überraschung scheint alle Energie zurück – wir wollen mehr! Und auch die Vögel scheinen genug vom Versteckspielen zu haben, neben weiteren Tukanen sehen wir diverse bunte Kolibris, Quetzale, farbenfrohe Papageien und zwischendrin auch ein paar wildwachsende Orchideen. Einmal sitzt ein Tukan sogar so schön auf einer Baumkrone einer Lichtung, dass wir ihn mehrere Minuten mit dem Fernglas beim Singen und Tanzen beobachten können – unvergesslich!

Nach gut vier Stunden im Nebelwald laufen wir zurück zum Hostel. Wenn wir heute nicht weitermüssten, würden wir wahrscheinlich noch einmal freiwillig mitten in der Nacht aufstehen und auf Tukan-Suche gehen. Jetzt wissen wir ja, wie es geht.

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