Cozido das Furnas: Ein Schmortopf aus dem Vulkan

Cozido das Furnas: Ein Schmortopf aus dem Vulkan

Die Azoren sind nicht nur wegen ihrer wunderschönen Landschaft ein Geheimtipp als Reiseziel. Auch kulinarisch haben die portugiesischen Inseln im Atlantik einige Kuriositäten zu bieten. Etwa Cozido, ein Eintopf, der in Vulkanlöchern im Boden schmort. Ob das schmeckt?

Food

Eine kulinarische Kuriosität

Im Ort Furnas auf São Miguel, der Hauptinsel der Azoren, findet sich eine echte kulinarische Kuriosität. Essen, dass über mehrere Stunden im heißen vulkanischen Boden langsam gegart wird und dabei einen ganz eigenen charakteristischen Geschmack bekommt. In großen Töpfen wird Fleisch, Fisch und Gemüse in ausgegrabene Erdlöcher mit Seilen vorsichtig hinabgelassen. Der Topf wird danach von oben sorgfältig mit einer großen Holzplatte verschlossen, um die dann ein Erdhaufen aufgetürmt wird.

Nichts für Fast-Food-Fans

Bis zu sieben Stunden lässt man das Essen in den Töpfen langsam durchgaren damit sich der mineralisch würzige Geschmack, des vulkanisch aktiven Gesteins, auf das Cozido das Furnas – das Schmorgericht überträgt. Natürlich haben Max, meine Reisebegleitung, und ich das auch probiert. Unser Resümee dazu: Man sollte es zumindest einmal probieren, wobei nicht jede Fleischsorte den Geschmack der heißen vulkanischen Dämpfe gleich stark annimmt. Mir hat das Hühnchen am besten geschmeckt, hier hat man auch den typischen leicht schwefeligen und würzigen Geschmack am deutlichsten spüren können. Ursprünglich war das Cozido übrigens eine Kochmethode, die schlichtweg praktisch war, weil man keine extra Energie zum Kochen benötigte und man das Essen ohne Aufsicht einfach sich selbst überlassen konnte um in der Zwischenzeit etwa der Feldarbeit nachzugehen.

Einfache ländliche Kost, die schmeckt

Im Prinzip ist das Cozido ein Gericht, dass einem viel mehr als nur einen kulinarischen Genuss bereitet. Es zeigt wie kein anderes Essen der Azoren, dass die Bewohner der Inseln über viele Jahrhunderte vor allem von Viehzucht und Feldanbau lebten. Auf den Volksfesten gibt es heute noch sehr oft einfache ländliche Gerichte wie Maiskolben mit Butter und Salz zu kaufen. Darüber hinaus prägen natürlich der Fischfang – und in früheren Zeiten auch der Walfang – die Kulinarik der Inseln.

Kulinarische Highlights ohne Schnickschnack

Auch die Restaurants auf den Azoren sind oft sehr unscheinbar, ohne Beschriftung und daher nicht immer leicht zu erkennen. Meist sind es kleine versteckte Gaststuben, in denen man nur eine Hand voll Tische findet. Die Speisekarte ist meist kurz, dafür ist das Essen richtig frisch und eben erst zubereitet. Ob Fisch oder Meeresfrüchte, das Essen ist so zart, dass es einem beinahe auf der Zunge zergeht. Die Beilagen sind meist einfach Kartoffel oder Reis und ein bisschen Salat. Auch hier merkt man, dass Gemüse auf so abgelegenen Inseln teuer ist und die Einwohner sich damit großteils selbst versorgen, weshalb man in kleinen Supermärkten auf entlegenen Inseln oft vergebens danach sucht.

Übrigens: Nicht nur die Restaurants sind auf den Azoren oft schwer zu finden, auch die Supermärkte sind teilweise erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Auf Flores waren wir, glaube ich, die einzigen Touristen die im Centro Comercial ein und aus gingen (siehe Fotos).

Geheimtipp für Weinfreunde

Was ich als nebenberufliche Sommeliére ganz besonders spannend fand ist, dass auf den Azoren Weinbau betrieben wird. Die Trauben werden in kleinen Parzellen, die mit Lavagestein vom Wind und Salz geschützt werden, angebaut. Ich fand die Weine sehr spannend und mit nichts zu vergleichen, was wir hierzulande so zu trinken bekommen. Also einfach mal probieren!

Ein besonderer Genuss ist auch das bolo de vivo (Brot des Lebens), ein süß schmeckende Brot, vermutlich aus Germteig, welches wir auf unserer dreiwöchigen Reise stets vorrätig hatten. Es ist in jeder Bäckerei und in jeden Supermarkt auf den Azoren erhältlich und wird meist in Tüten mit mehreren runden, fladenbrotartigen Leiben angeboten. Der ideale Happen für zwischendurch und eine super Stärkung auf Wanderungen!

Und wenn wir schon bei Wanderungen sind, ich kann als Tipp die Wanderung um den Lagoa das Furnas mit einem abschließenden Besuch im „Restaurante Tonys“ in Furnas sehr empfehlen! Am Ende der gemütlichen Wanderung, die an einer malerischen kleinen Kirche und einem sehr interessanten ökologischen Besucherzentrum vorbeiführt, kommt man nämlich direkt an dem Platz vorbei, wo das traditionelle Conzido in heißen Erdlöchern zubereitet wird. Also ein perfektes Tagesprogramm! Ich wünsch' dir viel Spaß und Genuss auf deiner Reise!

Tipps für deinen Urlaub auf den Azoren

Hast du Lust bekommen, selbst einmal die Azoren zu erkunden? Hier kannst du Christinas kompletten Reisebericht von den Azoren nachlesen. Tipps für eine Tour mit Rucksack und Mietwagen findest du im Ratgeber Tipps für Backpacking auf den Azoren!

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