"Reisen heißt mehr als Dinge auf der Bucket List abhaken"

"Reisen heißt mehr als Dinge auf der Bucket List abhaken"

Für Anika Landsteiner ist Reisen eine Herzensangelegenheit, die sie bereits rund um die Welt geführt hat. Nun hat sie mit Gehen um zu bleiben ihr erstes Buch veröffentlicht. Was sie dazu motiviert hat, welches ihre schönsten und schwierigsten Momente auf ihren Reisen waren und wie sie mit Fern- und Heimweh umgeht, erzählt die Bloggerin und Autorin im Interview.

Reiseinspiration

  • Mehr über das Buch

    Gehen um zu bleiben ist im Mai 2017 im Goldmann Verlag erschienen.

  • Ins Buch reinschnuppern

    Exklusive Leseprobe

Für die LeserInnen, die dein Buch noch nicht kennen: Der Titel Gehen, um zu bleiben – Klingt erst einmal widersprüchlich. Was meinst du damit?

Anika Landsteiner: Der Titel hat für mich eine Doppelbedeutung. Ganz pragmatisch betrachtet: Reisen (Gehen), um dann an einem Ort anzukommen (Bleiben), anstelle gleich weiterzuziehen, Punkte auf der Bucketlist abzuhaken und schnell zu reisen. Auf die innere Reise bezogen: Ich ziehe los, um vor allem bei mir selbst zu bleiben. Wenn ich an einem paradiesischen Strand sitze, werde ich ruhig, meine Gedanken ordnen sich, ich weiß wieder, was ich will und auch, wer ich bin. Reisen hilft mir, mich wieder auf mich selbst zu fokussieren und den reizüberfluteten Alltag mal auszublenden.

Du schreibst, dass Reisen nicht nur heißt, “einhundert Likes auf das Palmenfoto zu bekommen und sich gegenseitig mit exotischen Zielen zu übertrumpfen”. Was bedeutet für dich denn Reisen?

Landsteiner: Vor allem das, was ich gerade schon angedeutet habe. In fremden Kulturen und abseits der Komfortzone mich selbst kennenlernen. Es ist total spannend zu sehen, wie man im Ausland auf was reagiert und warum – das unterscheidet sich oftmals vom alltäglichen Leben zu Hause. Abgesehen davon macht Reisen natürlich unglaublich viel Spaß und ich finde, dass es einer automatischen Bildung gleichkommt – quasi eine Wundertüte voll mit Überraschungen!

Sobald man reist, baut man Vorurteile ab

Vielen fällt es schwer, ihre Komfortzone zu verlassen und sich ins Unbekannte zu wagen. Mit deinem Buch möchtest du Mut machen, genau das zu tun. Warum ist dir das wichtig?

Landsteiner: Weil ich selbst gemerkt habe, wie schnell ich vorurteilsbelastet bin. Sobald man reist, baut man jedoch Vorurteile oder Voreingenommenheit ab, man öffnet sich für Neues, man entwickelt sich weiter. Ich glaube, wenn jeder ein Stückchen offener wäre für all das, was er noch nicht kennt, dann wäre die Welt ein friedlicherer Ort.

Gab es auf deinen Reisen Momente, in denen du selbst jemanden gebraucht hättest, der dir Mut zuspricht? Wenn ja, welche Momente waren das?

Landsteiner: Oh, tolle Frage. Ja, die gab es auf jeden Fall. Ich kann mich noch gut an eine Notlandung erinnern, das war Dezember 2015 über Oman. Ich hatte wahnsinnige Angst, obwohl die Notlandung angekündigt wurde und relativ reibungslos ablief. Aber es war mein Freund, der mir die Angst genommen hat, er hat mir vieles über den Ablauf erzählen können, da er selbst Ingenieur ist, und er konnte mich beruhigen.

Welches waren für dich persönlich die schönsten Ziele oder Momente auf deinen Reisen, die dir in Erinnerung bleiben, und warum?

Landsteiner: Vieles in Indien. Das bunte (wortwörtlich) Treiben in den Großstädten und im Gegensatz dazu, die Ruhe und mystische Atmosphäre in den Backwaters von Kerala. Ganz toll war aber auch eine Safari in Malawi, wo ich zum ersten Mal aus nächster Nähe wilde Tiere erleben konnte. Nachts sind die Elefanten durchs Camp gelaufen, das war irre spannend und total schön.

Manchmal öffne ich einfach Google Maps und schaue, was mich anspricht

Du als Autorin und Bloggerin, woher nimmst du selbst deine Inspiration für neue Reisen?

Landsteiner: Ich lese natürlich selbst auch Blogs vieler Kolleginnen und Kollegen. Manchmal öffne ich auch einfach Google Maps und schaue, was mich anspricht. Da gehe ich ganz nach dem Bauchgefühl – das liegt ja immer richtig.

Was steht auf deiner Reiseliste für die nächste Zeit?

Landsteiner: Ich komme gerade aus Paris und bin den Sommer und Herbst über in Deutschland, weil ich auf Lesereise gehe mit meinem Buch. Zwischendurch wird es wohl immer mal wieder Norditalien und Südtirol sein, der Gardasee ist beispielsweise nur vier Stunden von München entfernt. Im November geht es dann nach Panama und Costa Rica.

Der Klassiker: Welche drei Dinge dürfen bei dir im Koffer nicht fehlen?

Landsteiner: Mein Handy, weil so vieles drin ist, was ich sonst einzeln packen müsste. Ansonsten ist fast immer mein dünner Baumwollschlafsack drin, weil ich damit sichergehen kann, immer eine saubere Unterlage zum Schlafen zu haben. Man weiß nie sicher, wie das Bett aussieht, das man gebucht hat. Und ein gutes Buch muss ebenfalls immer mit!

Fern- oder Heimweh: Was meldet sich bei dir derzeit öfter und wie gehst du damit um?

Landsteiner: Fernweh! Weil ich dieses Jahr mehr oder weniger den ganzen Sommer und Herbst in Deutschland verbringe. Fernweh macht mich hibbelig, aber zu Hause sein ist was Schönes. Ich versuche dann einfach, all das zu machen, was ich hier gerne mache, beispielsweise neue Seen zu entdecken, denn rund um München gibt es so viele. Und ich plane gerne die nächste Reise, das verkürzt die Wartezeit. Aber generell ist es das, worum es auch in meinem Buch geht: Das „Bleiben“ genießen zu lernen und nicht immer nach dem „Höher, schneller, weiter“-Prinzip zu leben und zu reisen.

Das Interview führten Franziska und Daniel

Leseprobe zum Buch

Anika Landsteiners Buch Gehen, um zu bleiben – Wie ich in die Welt zog, um bei mir anzukommen ist im Mai 2017 im Goldmann Verlag erschienen. Kleine Leseprobe gefällig? Dann hier entlang!

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