Heiraten im Ausland: Traumhochzeit mit Hürden

Heiraten im Ausland: Traumhochzeit mit Hürden

Polterabend mit Omas Geschirr ist out. Wenn heute geheiratet wird, soll es unvergesslich und romantisch sein, eben eine richtige Traumhochzeit! Am besten vor bachelor-mäßiger Palmenkulisse. Eine Hochzeit im Ausland will jedoch gut geplant sein. Hier findest du alle wichtigen Infos

Ratgeber

Ein schönes, aber aufwändiges Projekt

Wenn wir uns denn dafür erwärmt haben, unser herausragendes Lebensereignis ins Ausland zu tragen, stellt sich sofort eine Reihe wenig romantischer Fragen. Um die Trauung im Ausland überhaupt durchführen zu können und danach auch anerkannt zu bekommen, wirst du dich auf einigen Extra-Papierkram einstellen müssen. Die eigentliche Zeremonie ist das kleinste Problem und wird sich frei gestalten lassen, sofern Priester oder dortige Standesbeamte mitzuspielen bereit sind. Wie du deine Hochzeitsgäste aus der Heimat mit ins Ausland verfrachtest, sofern du sie dabeihaben möchtest, ist auch eher von deren Bereitschaft und den beteiligten Geldbeuteln abhängig, als von bürokratischen Hürden.

Konzentrieren wir uns also auf die echten Hindernisse und den Legalisierungsgesichtspunkt, um konfliktfrei im Ausland heiraten und das freudige Ereignis vollumfänglich mit nach Hause bringen zu können. Die Ausland-Hochzeit ist theoretisch überall auf dem Globus möglich, jedoch fangen die Unterschiede im Aufwand bei der Wahl des Ziellandes an. Exotik gut und schön; vor allem darf’s keinen Stress geben. Du willst ja nicht an deine frisch geschlossene Ehe gleich wieder eine Blitzscheidung anhängen, weil ihr euch über dem bürokratischen Aufwand schon wieder zerstritten habt. Sehen wir also zu, dass die Stolpersteinchen frühzeitig ausgemacht werden und elegant umtanzt werden können.

Gute Planung ist die halbe Miete bei der Auslandshochzeit

Der erste Gang geht wie bei einer Inlandsheirat erst mal zum örtlichen Standesamt, denn das ist die Behörde, die nach Vollzug der Trauung im Ausland und der Rückkehr die Anerkennung erteilt oder versagt. Wenn das Standesamt eure Bemühungen im Nachhinein wegen begangener Formfehler nicht akzeptiert, hast du das Nachsehen. Für das gewählte Ausland wäre die dortige deutsche Botschaft oder ein Konsulat ausfindig zu machen als Ansprechpartner und verlängerter Arm der deutschen Bürokratie. Macht euch zum Grundsatz beim Heiraten im Ausland, dass zuerst mal die örtlichen Gesetze einzuhalten sind, ehe die dort geschlossene Ehe auch in Deutschland anerkannt wird.

Kontakt wird auch gesucht mit dem Standesamt am Zielort, da dieses auch seine Vorstellungen haben wird, was an Dokumenten benötigt wird. Wird die Hochzeit über eine Eventagentur organisiert, sollte diese sich natürlich auch mit den Regularien dort auskennen und unterstützend eingreifen. Und nun wird es Zeit, in den Dokumentenordner zu greifen und die Papiere zu sichten, zu ordnen und eine Checkliste zu machen, was gebraucht wird und noch nicht vorliegt.

Dokumente, Dokumente, Dokumente!

Sind beide Partner deutsche Bundesbürger, so werden für beide die gleichen Papiere gebraucht. Komplizierter wird es, wenn einer von euch Ausländer ist, vielleicht weniger für das Standesamt des Ziellandes, aber ganz sicher für das heimische Standesamt nach der Rückkehr. Doch sprechen wir zunächst über eine Eheschließung von Inländern im Ausland. Beide brauchen natürlich eine Geburtsurkunde. Manchmal wird das vom ausländischen Standesamt in der Ausfertigung eines internationalen Vordrucks für Geburtsurkunden verlangt. Die Urkunde darf nicht älter als ein halbes Jahr sein. Nun kommen wir auch schon auf das inländische Standesamt zurück, von dem braucht ihr nämlich ein Ehefähigkeitszeugnis. Das gibt bekannt, dass aus Sicht des Standesamt keine Hindernisse bekannt seien, im Ausland heiraten oder überhaupt ehelichen zu gehen.

Die Reisepässe werden sowieso schon wegen der Einreise in das Zielland der Hochzeitszeremonie bereitgelegt sein. In EU Ländern und manchen anderen wird es auch der Personalausweis tun, wo das Einreisen damit gestattet ist. Hat einer von euch schon eine Scheidung hinter sich, braucht es das Scheidungsurteil. Ist jemand verwitwet, dann wird die Sterbeurkunde des Verstorbenen zum Dokumentenstapel hinzugelegt.

Wo Schwule und Lesben heiraten können

Ist nun einer von euch selbst Ausländer, macht das die Sache komplizierter, denn er muss dann sowohl die eheschließende Behörde des Ziellandes (Drittlandes?) aus Sicht ihres Verhältnisses zum Herkunftsland des nicht-deutschen Heiratskandidaten zufriedenstellen und anschließend das deutsche Standesamt. Du kannst dir vorstellen, was das besonders in der Frage von beglaubigten Übersetzungen für einen Aufwand bedeutet, wenn eine zweite Nationalität hinzukommt. Aber ihr wollt da durch und ihr werdet es schaffen. Unsere Nachbarländer Niederlande und Dänemark beispielsweise gehen bei Partnern mit zwei Nationalitäten sehr liberal um. Dort ist auch möglich, was in sehr vielen Ländern noch nicht erlaubt ist: die Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Partnern. In insgesamt 13 europäischen Länder ist die gleichgeschlechtliche Ehe mittlerweile erlaubt, darunter Irland, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Belgien. Eine solche Ehe wird dann in Deutschland jedoch wiederum nicht als "Ehe" sondern als "eingetragene Lebenspartnerschaft behandelt.

Nett und beharrlich sein im Umgang mit lokalen Behörden

Es bleibt euch zu wünschen, dass ihr die Verhandlungen mit dem Standesamt am Zielort schon im Voraus durchführen könnt und die Feilscherei nicht erst nach eurem Eintreffen losgeht. Eure Position ist dann wesentlich schwächer und kann zum Abbruch des Vorhabens führen, zum Aufschub oder unerfreulichen Kosten, wenn nur wegen eines fehlenden Dokuments zurückgekehrt werden muss, um dieses zu besorgen. Für das Heiraten im Ausland ist anzunehmen, dass die Amtssprache dort eine andere ist als die zuhause. Folglich müssen besagte Dokumente auch noch übersetzt werden. Was ihr über die deutschen Bedürfnisse hinaus noch an Dokumenten für das Amt vor Ort braucht, wird euch das deutsche Konsulat und das dortige Standesamt verklickern.

Das Procedere ist also Folgendes: Zunächst werden die Dokumente vom Deutschen in die Sprache des Ortes übersetzt, den ihr für eure Traumhochzeit fern ab der Heimat auserkoren habt. Der Standesbeamte vor Ort muss schließlich verstehen, was er da prüft und unterzeichnet. In der Regel sollten das amtlich beglaubigte Übersetzungen aus der Hand eines akkreditierten Übersetzungsbüros oder Notariats zu sein. Soll die Trauung kirchlich vorgenommen werden, wäre die Frage der kompatiblen Konfessionszugehörigkeit/ des Glaubens zu klären. Möglicherweise muss einer von euch bei rigorosen religiösen Vorschriften erst zum Glauben des Partners konvertieren, um den Segen eines Priesters zu erhalten. Das kirchliche Heiraten darf keinesfalls als Ersatz für eine behördlich abgesegnete Eheschließung angesehen werden. Für alle Dokumente macht es sich gut, wenn sie neben der Übersetzung auch im Original vom deutschen Konsulat oder der Botschaft beglaubigt wurden. Alles verstanden? Perfekt. Dann sollte einer reibungslosen Hochzeit im Ausland nichts mehr im Wege stehen!

Wie es mit der Eheschließung nach eurer Rückkehr weitergeht

Okay, fast nichts. Denn nach der Hochzeit ist vor der Rückkehr nach Deutschland. Hierzulande läuft's eben nicht wie in Las Vegas, wo nur Reisepässe, eine mündliche Zusicherung, unverheiratet zu sein für die Lizenz zum Heiraten nötig sind. Die Frage ist, ob das heimische Standesamt den Liebesbeweis aus Nevada später teilen wird und sein ‚Placet‘ unter den Eheschluss setzen wird.

Keinem von euch kann also der Gang zum heimischen Standesamt erspart bleiben. Nachdem das Heiraten im Ausland erfolgreich abgelaufen ist und ihr zurückgekehrt seid, legt ihr fein säuberlich eure zusammengetragenen Dokumente vor und hofft, dass die Eheschließung jetzt auch den deutschen Gütestempel erhält. Sicher, dazu sind schon wieder amtlich beglaubigte Übersetzungen fällig, diesmal vom ausländischen Hochzeitsakt – beurkundet für das heimische Standesamt. Jetzt muss dieses sein finales Dokument dazu rausrücken. Und damit haben wir alle rundum glücklich gemacht, in ihren Rollen bestätigt und uns auch mit Gebührenzahlungen nicht lumpen lassen. Aber gut: Was tut man nicht alles für die perfekte Traumhochzeit! Und Heiraten wollen wir ja (eigentlich) schließlich nur einmal, oder?

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