Insiderziel in Mexiko: Die verlorene Stadt Xochicalco

Insiderziel in Mexiko: Die verlorene Stadt Xochicalco

Chichén Itzá, Palenque, Teotihuacán – das sind die "Must Sees" in jedem Mexiko-Reiseführer. Dabei bietet Mexiko viele andere beeindruckende Zeugnisse der Aztekten und Maya, wo du nicht Schlange stehen musst. Etwa das Unesco-Weltkulturerbe Xochicalco im Süden von Mexiko-Stadt.

Reiseinspiration

Die ehemalige Festungsstadt Xochicalco war in der Spätklassik das wichtigste kulturelle Zentrum im zentralmexikanischen Hochland. Trotzdem führt sie im Vergleich zu anderen archäologischen Stätten in Mexiko ein Schattendasein. Zu Unrecht! Die Anlage ist riesig und imposante Zeugin einer untergegangenen Hochkultur. Entdecke Neues neben den bekannten touristischen Pfaden in Mexiko. Xochicalco ist perfekt dafür!

Chichén Itzá, Palenque, Teotihuacán – jeder kennt diese archäologischen Fundstätten, sie sind ein „Must See“ bei jeder Rundreise in Mexiko. Jedoch hat das mittelamerikanische Land mehr zu bieten. Versteckte und unbekannte Schätze abseits der touristischen Trampelpfade warten darauf, von dir entdeckt zu werden. Ein Besuch im 38 Kilometer von Cuernavaca und 122 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt gelegenen Xochicalco zeugt von seiner einstigen Pracht und der hohen kulturellen Entwicklung seiner Bewohner.

Einst belebteste Stadt Mesoamerikas

Vom Bus aus erhascht man bereits einen ersten Blick auf die Ruinenstätte. Erhaben und stolz liegt sie auf einem Hügel, 130 Meter über der Hochebene. Zeremonielle Bauten wie Pyramiden, Paläste, Tempel sowie Ballspielplätze und Wohnkomplexe der Oberschicht wurden vor über 1.000 Jahren auf mehreren natürlichen Hügeln errichtet – frühe Besiedelungsspuren gehen auf das Jahr 200 v. Chr. zurück. Die wichtigsten Bauten entstanden zwischen 700 und 900 n. Chr., kurz nach dem Untergang Teotihuacáns, damals einflussreichste Stadt Mesoamerikas. Zur Blütezeit Xochicalcos, dem „Ort des Blumenhauses“, lebten hier bis zu 20.000 Menschen. Auf einer Fläche von vier Quadratkilometern war die Stadt die am dichtesten besiedelte und bebaute Mesoamerikas. Nach einer internen Revolte verschwanden die Bewohner, ein Brand zerstörte den Ort. Xochicalco wurde zur Geisterstadt.

Unbekanntes Unesco-Weltkulturerbe

Die Ruinen wurden von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert entdeckt und erstmals erwähnt. Viele Gelehrte aus aller Welt erforschten daraufhin die Stätte. Groß angelegte archäologische Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten erfolgten aber erst von 1984 bis 1994. Xochicalco wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, 1996 eröffnete das Museum. Drei Jahre danach wurde die Fundstelle zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Aufgrund seiner relativ jungen Geschichte als Touristenort ist Xochicalco weitaus weniger bekannt und überlaufen als andere archäologische Fundstätten in Mexiko - und deshalb ein Geheimtipp.

Das Museum befindet sich etwa 15 Gehminuten entfernt von der Ruinenstätte auf einem anderen Hügel. Surreal, zwischen Kakteen und Palmen eingebettet, steht das moderne energieeffiziente Gebäude über der ausgetrockneten Hochebene. Die Sonne brennt gnadenlos herunter. Sieben Säle präsentieren die Ausgrabungen der Stätte¸ größtenteils Keramikarbeiten und Skulpturen. Informative Tafeln erzählen vom Alltag der Bewohner, ihren Tätigkeiten und Handelsbeziehungen, ihren Gottheiten sowie von Flora und Fauna. Ein architektonisches Highlight ist die Glaswand des größten Ausstellungssaales, von der man einen tollen Blick auf die gesamte Ausgrabungsstätte hat.

Atemberaubender Ausblick

Randvoll gespickt mit Informationen geht´s rüber zur Ausgrabungsstätte. Die Gebäude auf dem natürlichen Hügel wurden auf künstlich angelegten Plateaus und Terrassen erbaut – der Hügel selbst gleicht einer Pyramide. Die Anlage umgibt eine Befestigungsmauer mit komplexen Toreingängen. Der Panoramablick auf die zentralmexikansiche Hochebene ist atemberaubend, schon die „Xochicalcos“ müssen sich daran ergötzt haben.

Schutzwalle und –mauern, architektonische Glanzleistungen und Kunstwerke zeugen von der Fortschrittlichkeit der untergegangenen Kultur der „Xochicalcos“, eine Ethnie, von der niemand so recht weiß, woher sie kam und wohin sie ging. Es wurde Wert gelegt auf die Trennung der sozialen Klassen – ganz oben befinden sich die prächtigsten Wohnviertel und Gebäude, die einfacheren auf den unteren Terrassen.

Die große Pyramide von Tlaloc

Das größte Bauwerk, die große Pyramide, ist dem Kult des Regengottes Tlaloc gewidmet. Erklimme die Pyramide und genieße den atemberaubenden Panoramablick über die gesamte Anlage und das Bergland Morelos´. Die Pyramide der Gefiederten Schlange ist das bekannteste Bauwerk Xochicalcos. Alle Seiten sind mit insgesamt acht gewundenen gefiederten Schlangen in einem erhabenen Steinrelief geschmückt, die denen in Chichén Itzá gleichen. Die Gefiederte Schlange, Quetzalcóatl, symbolisiert die zweite Gottheit, die die „Xochicalcos“ verehrten.

Von oben kannst du in die bei Ausgrabungen freigelegten Schichten der beiden früheren Bauphasen blicken. Die Akropolis liegt auf dem höchsten Punkt des Hügels und ist ein komplexes Gebäude, in dem vermutlich die lokalen Herrscher gewohnt haben. Am südlichen, östlichen und nördlichen Rand der ehemaligen Festungsstadt liegt jeweils ein Ballspielplatz mit großen Ballspielringen. Das „Juego de Pelota“ hatte rituellen Charakter, wahrscheinlich kam es zu Opferhandlungen. Es ist nicht ganz sicher, ob die Verlierer des Ballspiels oder die Sieger den Opfertod erleiden „durften“.

Meister der Astronomie

Ein weiteres Highlight ist das Observatorium: Dieses befindet sich in einer Höhle, die von Menschenhand geschaffen wurde – zum Bau der Stadt wurde Gestein abgetragen. Ein Guide führt den Weg durch die dunkle, enge Höhle, bis in einen Raum, auf dessen Boden ein Lichtstrahl einen hellen Kreis auf den Boden wirft. Hoch oben in der Höhlendecke befindet sich ein „Guckloch“ – es wurde von den „Xochicalcos“ zu astrologischen Forschungen benutzt, auch die Erntezeit wurde so bestimmt. Besuche das Observatorium zwischen dem 30. April und 13. August, in diesem Zeitraum treffen die Sonnenstrahlen fast senkrecht in die Höhle. Im Zenit steht die Sonne am 14. und 15. Mai. Das Observatorium dient auch als willkommene Abkühlung, denn beim Rundgang wirst du ganz schön ins Schwitzen kommen. Die Anlage bietet kaum Schatten – unbedingt Sonnenhut, -creme und -brille mitbringen!

Weitere kleinere Gebäude sind zu besichtigen, z.B. auch eine riesige Zisterne, in der Wasser gesammmelt wurde, und ein Temazcal. Die Siedlung ist außergewöhnlich gut erhalten. Renovierungsarbeiten heben sich durch Markierungslinien vom Original-Gemäuer ab. Informationstafeln beantworten offene Fragen und runden die Zeitreise in das Leben der „Xochicalcos“ ab.

Tipps für deinen Besuch in Xochicalco

Eintritt

Einzuplanende Zeit: Öffnungszeiten sind täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr. Mindestens vier Stunden sollten eingeplant werden. Am Wochenende werden Führungen angeboten.

Eintritt: 70 Pesos (3,50 Euro)

Anreise

Mit dem Auto: Auf der Landstraße 95 oder der Autobahn Mexiko-Stadt - Acapulco bis Alpuyeca. Weiter in Richtung Miacatlán, bei km 8 abbiegen, noch 4 km bis Xochicalco.

Mit dem Bus: Von Cuernavaca und Mexiko-Stadt fahren stündlich Busse direkt zur Ausgrabungsstätte. Der letzte Bus zurück von Xochicalco nach Cuernavaca fährt um 19 Uhr.

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