Insiderziel Azoren: Wild romantisch, dem Massentourismus so fern

Insiderziel Azoren: Wild romantisch, dem Massentourismus so fern

Mitten im Atlantik, rund 1.400 Kilometer vor dem portugiesischen Festland, liegen die Azoren. Christina hat sie mit Rucksack und Mietwagen umrundet – und sich dabei in die wild-romantischen Inseln mit ihren Vulkanen und blauen Blumen verliebt.

Reisebericht

Ein Blick auf die Weltkarte und das nächste Ziel meiner Reise steht fest – die Azoren! Mitten im Atlantik gelegen, fernab großer Touristenströme und doch ein Teil Portugals und somit Europas, das muss ich mir doch genauer anschauen! Rucksack gepackt und schon geht es los!

Das einsame Inselatoll mitten im Atlantik mit seinen wild romantischen Vulkanen und den blau blühenden meterhohen Hortensienhecken allerorts vermittelt einem wirklich das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein. Hier ist man mitten im Atlantik und das fast vollkommen alleine. Wenn man in Flores ins Meer fallen würde, wäre das nächste Festland in 3.600 Kilometer Entfernung die Ostküste der USA! Auf São Miguel fühlt man sich nicht ganz so verloren, die Insel ist ein bisschen größer, doch auch von hier ist das nächste Festland – Portugal – rund 1.400 Kilometer entfernt.

Am Ende der Welt

Mit dem Flugzeug von Wien geht es via Madrid nach Ponta Delgada, der größten Stadt auf der Hauptinsel São Miguel. Für mich und meinen Reisekollegen Max ist diese bezaubernde Stadt mit seinem gelassenen Flair der Ausgangspunkt für eine dreiwöchige Rundreise durch das Inselatoll. Nach einem Tag der Akklimatisation geht es mit dem Flugzeug zunächst auf die Blumeninsel Flores. Schon der Flug von Ponta Delgada nach Santa Cruz de Flores lehrt uns Gemütlichkeit! Die kleine Maschine ist halb besetzt und außer uns finden sich nur ein paar Einheimische in den Reihen. Diese sind alle schwer bepackt. Von Küchenmaschinen über Hühner und WC Brillen bis hin zu Ladungen gewöhnlicher Lebensmittel, wie Gemüse und Nudeln findet sich allerhand und wird, bis auf die Hühner, sorgsam verstaut im Stauraum über den Köpfen. Nach etwa einer Stunde Flugzeit landen wir abenteuerlich auf einem kleinen Rollfeld, dass inmitten in einer Stadt zu liegen scheint! Die Ankunft des Flugzeuges ist das Ereignis des Tages! Denn auf dieser abgeschiedenen Insel der Azoren mit dem westlichsten Punkt Europas folgt das Leben einem ganz eigenen Rhythmus der einmal täglich durch die Landung des Flugzeuges unterbrochen wird.

Das Inselleben hat seinen Preis

Fischduft in der Luft und ausgerüstet mit einem kleinen Mietauto kaufen wir in einem winzigen Laden noch Lebensmittel ein. Jetzt verstehen wir, warum die Menschen Lebensmittel auf São Miguel eingekauft haben! Überrascht stellen wir fest, es gibt hier nur recht wenig Lebensmittel zu kaufen. Fast kein Gemüse oder Obst findet sich im Supermarkt und das Bisschen, was es gibt, ist doch sehr teuer. Auf Flores versorgen sich die Einwohner Großteils aus dem eigenen Garten, denn alles was hierher transportiert werden muss, hat seinen stolzen Preis!

Aber wir lassen uns nicht abschrecken und decken uns so gut es geht ein, denn die folgende Nacht wollen wir irgendwo in den Bergen campen. Gesagt getan, doch im steinigen Boden der Vulkanhänge hält kaum ein Hering, und von irgendwo her kommt plötzlich ein kalter, nasser Nebel. Noch bevor es ganz dunkel ist, verkriechen wir uns ohne zu kochen in unsere Schlafsäcke und hoffen auf freundlicheres Wetter anderntags.

Portugiesische "Festa" in Fajã Grande

Planänderung am nächsten Morgen, wir fahren nach Fajã Grande auf der Westseite der Insel und lassen unsere Sachen in der Sonne auf einem offiziellen Campingplatz trocknen. Max beginnt zu nießen – Heuschnupfen – na genau das Richtige für einen Campingurlaub… tja das kann ja noch lustig werden denke ich mir, aber er hält tapfer durch! Fajã Grande, ein kleines Dorf am Rande Europas ist der ideale Ausgangspunkt für eine Tageswanderung auf die andere Inselseite (dort wo auch Santa Cruz de Flores liegt). Wo man geht und steht begegnet man den farbenprächtigsten Blumen und die blau blühenden Hortensien finden sich allerorts in der saftig grünen Hügellandschaft. Hier ist man wirklich am Ende der Welt! Abends haben wir das Glück, bei einem Dorffest dabei sein zu können. Wir sind scheinbar die einzigen Touristen hier, aber das stört niemanden. Bunt geschmückte Fahnen und Partymusik verzaubern Fajã Grande zu einem lebendigen Gewusel wo vom Kleinkind bis zum zahnlosen Greis jeder mitfeiert!

Man trifft sich wieder

Die geplante Woche auf Flores verfliegt viel zu schnell. Nach einem Tagesausflug nach Corvo, der kleinen Nachbarinsel und einer tollen Wanderung auf dem dortigen Vulkan buchen wir in einem kleinen Büro in Santa Cruz de Flores die Fahrkarte für eine Fähre. Die Dame im Büro der Fährgesellschaft spricht kein Englisch, hartnäckig erklärt sie uns alles auf Portugiesisch und mit Hilfe eines Kalenders und den immer und immer wiederholten Namen der angesteuerten Inseln und Städte gelingt es uns schlussendlich, die perfekte Route zu buchen.

Am Tag der Abfahrt von Flores haben wir noch einmal das Glück bei einem Dorffest dabei zu sein, und welch ein Wunder, man trifft auf schon bekannte Gesichter! Die Inselgemeinschaft ist wirklich überschaubar und so verwundert es uns nach einer Woche nicht mehr allerorts den `Mann mit dem wunderbar geschwungenen Schnurrbart´ zu begegnen, wir taufen ihn insgeheim, den feschsten Mann von Flores! Gut gelaunt besteigen wir eine ausrangierte griechische Fähre und suchen uns ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen in einer der Sitzreihen, das Reisegepäck wird hier eingecheckt.

Ein Paradies für Segler

Nach einem Tag Fahrtzeit erreichen wir Horta auf der Insel Faial. Hier haben wir drei Tage Aufenthalt und genießen ein bisschen die Badefreuden und den wunderbaren Blick auf den Pico, den Vulkan auf der Nebeninsel mit gleichnamigen Namen. Horte ist ein Anlaufpunkt für viele Segler, die den Atlantik überqueren, eine quirlige, interkulturelle Abenteurerstimmung verzaubert diese schöne Stadt!

Der letzte Zwischenstopp ist Praia de Vitória auf der Insel Terceira. Einen Tag erkunden wir vom Markt bis zum kleinen Hafen das Städtchen bevor es schon wieder weiter geht zurück nach Ponta Delgada auf São Miguel.

Campen in freier Natur

Als Abschluss der Reise verbringen wir noch eine ganze Woche auf dieser bezaubernden Insel und kurven erneut mit einem Mietauto alle Straßen und Dörfer der Insel ab. Wir zelten auf verschiedenen kleinen Campingplätzen, aber auch wild. Das ist im Prinzip nicht erlaubt, stört aber auch niemanden. Jeden Tag entdecken wir tolle Wanderungen, die vielfältiger nicht sein könnten. Rund um Kraterseen, auf Vulkane, oder entlang von Steilküsten durch verschlafene Städtchen mit einem abschließenden Bad in heißen Quellen!

Mein persönliches Fazit: Die Azoren sind großartig. So großartig, dass Max seinen Heuschnupfen vergisst und man am liebsten gar nicht mehr weg will aus dem kleinen Paradies mitten im Atlantik. Noch sind die Azoren ein absoluter Geheimtipp – darum nichts wie hin!

Hast du Lust bekommen, selbst einmal die Azoren zu erkunden? Tipps für eine Tour mit Rucksack und Mietwagen findest du in Christinas Ratgeber "Tipps für Backpacking auf den Azoren"!

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