Irland-Rundreise: Ganz verzaubert von der Grünen Insel

Irland-Rundreise: Ganz verzaubert von der Grünen Insel

...und sie ist wirklich so grün! Schon lange wollte ich dieses schöne Fleckchen Erde am Westrand Europas entdecken und nun hat sich dieser Traum endlich erfüllt. Was ich vorher schon aus zweiter Hand ahnte, hat sich bei meiner Reise endgültig bestätigt: Das Land of Saints and Scholars mit seiner Mischung aus Natur, Kultur und Gastfreundschaft ist völlig zu Recht in der ganzen Welt beliebt!

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Vom Traum zur Reiseplanung

Etwas vernachlässigt, aber nicht vergessen stand er da, mein Irland-Reiseführer, den ich mir vor so vielen Jahren stolz von meinem Taschengeld gekauft hatte. Einmal die Grüne Insel zu entdecken, war schon lange mein Traum. Ein Traum, der aber irgendwie ein bisschen verdrängt wurde von einer zwischenzeitlich aufflammenden Begeisterung für Kanada und Schottland. Doch im Herzen ist ja bekanntlich viel Platz und manchmal braucht Zuneigung eben Zeit. So bahnte sie sich denn auch bei mir ihren Weg und ließ mich irgendwann nicht mehr los: Die Reise nach Irland wollte und musste gebucht werden!

Fantasie und Wirklichkeit

Nun ist es ja bekanntlich so, dass Erwartungen gerne mal enttäuscht werden. Gerade Irland als Sehnsuchtsziel schlechthin erscheint da durch allerlei Erzählungen, eine sehr gelungene und dadurch überaus fernwehweckende Tourismusstrategie und zahlreiche Kulturexporte mannigfach vergrößert, die viel besungenen 40 Grünschattierungen noch leuchtender, die Menschen geradezu unwirklich freundlich, das Guinness als strahlender Zenit der Bierbraukunst. Doch siehe da, auch die kühnsten Erwartungen können sich einfach mal erfüllen! Es gibt sie also wirklich, diese wunderbar grüne Insel mit ihren windumtosten Klippen am Atlantik, den sanften Hügellandschaften, in denen Schafe als wollig-weiße Tupfer erscheinen, den sympathischen Menschen und den quirligen Städten mit ihren urigen Pubs.

Das schwere Erbe des Empires

Wie bei so vielen Irland-Touren begann auch meine Reise in Dublin, das mal als Dirty Dublin bezeichnet wird und mal als Schönheit, das immer noch das bedeutende Zentrum Irlands ist, dessen Einwohner aber auch gerne mal verächtlich als “West Brits” betitelt werden. Da ist sie auch gleich, die wechselvolle Geschichte Irlands, denn ohne Blick über die Irische See kommt man bei einer Reise durch Irland nicht weit. Viel hatten die Iren unter britischer Herrschaft zu erleiden und schwer wiegt bis heute die Hungersnot im kollektiven Gedächtnis. Das Erbe des Empires, das für Emigration und Risse quer durch Familien sorgte, begleitet einen auf Schritt und Tritt. So habe auch ich die georgianischen Häuser am berühmten Merrion Square mit gemischten Gefühlen betrachtet. Schön sind sie aber, gerade auch die bunten Türen könnte man als Sinnbild für den irischen Charakter interpretieren, der sich die Lebensfreude nicht nehmen lässt.

In diesen Häusern als Spuren der englischen Herrscherklasse geschah zudem auch für Irland Bedeutendes: So wohnten die Schriftsteller Oscar Wilde und William Butler Yeats am Merrion Square - ebenso wie der Freiheitskämpfer Daniel O’Connell, dem man auf der O’Connell Bridge ein Denkmal gesetzt hat. Dandy der er ist, räkelt sich Oscar Wilde heute auf einem Stein im Merrion Square Park und man möchte meinen, ihm liegen noch so einige scharfsinnige Bemerkungen auf der Zunge.

Northside, Southside und in der Mitte der River Liffey

Dublin ist nicht Irland, heißt es immer, aber was für eine Pforte in dieses schöne Land die irische Hauptstadt doch ist! Geprägt ist sie vom Fluss Liffey, der sie von Osten nach Westen in die elegante Southside und die historisch ärmere Northside teilt. Ob schick oder hip, zu entdecken gibt es überall viel: Parks wie die Iveagh Gardens, den weitläufigen Phoenix Park oder St Stephen’s Green, in dem schon James Joyce gerne mal einen Spaziergang unternahm, sorgen für Ruhepausen in der quirligen Stadt. Die Verbindung von Irland-Liebhabern zu Leseratten ist meist ebenfalls nicht weit - zumindest konnte ich mir das Dublin Writers Museum nicht entgehen lassen. Persönliche Gegenstände bekannter Autoren und Erstausgaben werden hier mit einem umfassenden Überblick über Irlands Literaturgeschichte kombiniert und zum krönenden Abschluss geht es noch in die Schriftstellergalerie in opulentem Ambiente.

Trinity College und Temple Bar

Mein persönliches Highlight in Dublin war der Long Room der Bibliothek des Trinity College Dublin, ein Vorgeschmack auf all die Ich-kann-nicht-glauben-dass-ich-wirklich-hier-bin-Momente, die ich während dieser Reise erleben würde. Zwischen Büsten von legendären Autoren und Denkern und schwindelerregend hohen Bücherregalen genoss ich die Atmosphäre, ganz umfangen vom verheißungsvollen Sog der gedruckten Geschichten. Noch ganz verträumt besuchte ich die inhaltlich wie architektonisch interessante Nationalgalerie, bummelte durch die Grafton Street und überquerte die berühmte Ha’penny Bridge, bis ich im Szeneviertel Temple Bar von der ausgelassenen Stimmung wieder ins Hier und Jetzt befördert wurde.

Diese Lichtspiele, diese Landschaft!

Eine Irland-Rundreise, bei der man Dublin nur als notwendige Durchgangsstation zum wahren Irland sieht, wäre wie ein Buch ohne Deckel, ein Kuchen ohne Schokostückchen - irgendetwas würde fehlen. Aber natürlich wäre es ein Sakrileg, die atemberaubenden Landschaften zu ignorieren und wenn ich ehrlich bin, reizte mich von Anfang an besonders die Natur an der Westküste Irlands. Schon im Killarney-Nationalpark mit seinen spiegelglatten Seen, seinen von nahezu sekündlich wechselnden Lichtstimmungen umspielten Hügeln und dem klangvoll über Felsen rauschenden Torc-Wasserfall bin ich ganz aus dem Alltag abgetaucht, hinein in eine Welt fernab des Zeitgefühls, was auch die gemächlich am Straßenrand entlangtrottenden Schafe perfekt verkörpern.

Das Tor zur Westküste

Und mitten in dieser Idylle trifft man plötzlich auf die Universitätsstadt Galway, eine junge Stadt, das kulturelle Zentrum Westirlands - und Heimat zahlreicher Pubs. Irgendwo gibt es immer Livemusik und neue Freunde trifft man eh, egal wo man sich gerade ein Pint Guinness genehmigt. Das Flair der mit Kopfstein gepflasterten und mit bunten Wimpelketten behangenen Gassen, in denen Straßenmusiker bei Wind und Wetter für Stimmung sorgen, wärmt noch lange durch. Wahrscheinlich kann man eine Stadt, die für den symbolträchtigen Claddagh-Ring bekannt ist und in der man so nette Pub-Begegnungen bei irischer Livemusik hatte, auch nur wärmstens in Erinnerung behalten. Zumal sie mit ihrer Lage direkt am Atlantik und in nächster Nähe zum Burren, zum Connemara-Nationalpark und zu den Cliffs of Moher auch noch die landschaftlichen Reize auf ihrer Seite hat.

Tiefe in der Weite

Wie soll man dieses erfüllte Fernweh, dieses Land in Worte fassen? Wer denkt, dass man nur in den unendlichen Weiten Nordamerikas Freiheit und Seelenruhe wirklich fühlen kann, hat noch nie mit windzerzausten Haaren aus rund 200 Metern Höhe von den Cliffs of Moher auf den Atlantik geblickt oder die Heide- und Moorlandschaften Connemaras durchquert, ohne eine Menschenseele in Sicht weit und breit. Irland berührt. Hier überkommt einen eine ganz besondere Stimmung, vielleicht, weil die Landschaft so im Einklang mit der Seele Irlands ist - oder ist es andersherum? Dieses Land zwischen Unterdrückung und Befreiungskampf, Melancholie und Ausgelassenheit, Rezession und Aufschwung, Emigration und Heimatverbundenheit bewegt etwas tief in uns. Nicht ohne Grund schwärmte Oscar Wilde vom wildromantischen Connemara und brachte der geistig stark in seiner Heimat Sligo verwurzelte Nationaldichter W. B. Yeats in seinen Gedichten so tiefe Gefühle zum Ausdruck.

"I will arise and go now, for always night and day / I hear lake water lapping with low sounds by the shore; / While I stand on the roadway, or on the pavements grey, / I hear it in the deep heart’s core."

Aus W. B. Yeats' Gedicht "The Lake Isle of Innisfree"

Es gibt noch so viel zu entdecken!

Ich hätte noch stundenlang an den Cliffs of Moher stehen und auf die aus solch luftiger Höhe überraschend harmlos rauschenden Wellen schauen, mich am satten Grün rund um die Hügelgräber Newgrange und Knowth nicht sattsehen und durch die vielen hübschen kleinen Ortschaften schlendern können, die in die mal raue, mal sanfte Landschaft eingebettet sind. Ich würde auch jetzt gerne noch viel mehr schreiben, über die Selbstverständlichkeit, mit der man hier herzlich aufgenommen wird. Über die zahlreichen literarischen Spuren, die das Herz eines jeden Bücherfreundes höher schlagen lassen. Über die faszinierende irische Sprache, die einen mit ihren Zungenverdrehungen zur Verzweiflung bringen kann, die sich aber auch perfekt in die Poesie dieses Landes einbindet, die einem von jedem Straßenschild entgegenblickt und einen rätseln lässt, was sich hinter den klangvollen Namen verbirgt (und in erster Linie, wie diese überhaupt ausgesprochen werden). Über den Irish lilt, den berühmten singenden Tonfall der Iren. Über eindrucksvolle Burgen, Herrenhäuser und Schlösser, die hier als nicht schützenswerter betrachtet werden als Feenkreise.

Und leider auch über die teils immer noch schweren Lebensbedingungen in diesem so idealisierten Land, über das andere Irland, in dem Schnelllebigkeit und Konsum regieren, in dem ganze Viertel immer noch von Armut geprägt sind, in dem Umwelt- und Tierschutz oft bitter vernachlässigt werden. Irland ist und bleibt ein widersprüchliches Land, das sich in Zeiten des Keltischen Tigers, vom Aufschwung getrieben, vielleicht zu schnell von alten Werten lösen sollte und wollte.

Über beide Seiten wurde schon viel geschrieben, ganze Buchseiten, die sich dem mitunter rätselhaften Irland widmen und die Schönheit und Rauheit zu vereinen suchen. Irland bewegt - auch dazu, sich genauer mit ihm zu befassen. Wenn ich auch keine Kennerin bin, so würde auch ich gerne noch mehr schreiben über dieses Land, das einen nicht so schnell loslässt, wo sich die typischen Klischeevorstellungen von grünen Hügeln und Schafen durchaus bewahrheiten, wo aber noch so viel mehr dahintersteckt.

Man ahnt, dass da ein großes Aber kommt: Aber es ist ein freundliches Aber, das sich einfach nur seufzend eingesteht, dass selbst eine kleine Rundreise eine Unmenge an Eindrücken und Erlebnissen hervorbringt und so ein kleiner Artikel nur einen Bruchteil dessen widerspiegeln kann, was ein Land ausmacht. Und wie die Iren selbst für ihre ausschweifende Erzählfreude bekannt sind, könnte auch jeder Bericht über ihr Land gleich ein ganzes Buch füllen. Und außerdem soll dieses Aber zu eigenen Entdeckungen anregen… Auch für mich war diese Reise nur ein kleiner Einstieg, die erste in einer hoffentlich langen Folge von Touren über die Grüne Insel.

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