Von Tel Aviv nach Tiberias: Mit dem Mietwagen auf Israel-Rundreise

Von Tel Aviv nach Tiberias: Mit dem Mietwagen auf Israel-Rundreise

Viel wusste ich von Israel nicht. Auf meiner dreiwöchigen Rundreise mit dem Mietwagen habe ich dann ein Land kennengelernt, das an Vielseitigkeit nicht zu übertreffen ist. Grüne Hügel, tiefe Seen, Wüste und mittendrin spektakuläre historische Sehenswürdigkeiten. Bloß eine Sache machte uns fertig. Mein Erlebnisbericht aus Israel

Reisebericht

In Tel Aviv tobt das Strandleben

Ich muss mit einem Geständnis beginnen. Israel stand nicht unbedingt ganz oben auf meiner Reiseliste. Dass es sich dann aber trotzdem ergeben hat, ist ein großer Glücksfall, wie sie oft beim Reisen passieren. Ein vielseitigeres Reiseziel hinsichtlich Kultur und Geschichte, aber auch an landschaftlicher Vielfalt und Einmaligkeit kann man sich gar nicht wünschen. Doch der Reihe nach.

Ostern soll die perfekte Reisezeit sein für Israel, liest man in vielen Reiseratgebern. Zwar herrscht in den Wochen rund um das Passah Fest vielerorts Hochsaison, dafür ist das Klima in Israel im Frühjahr jedoch sehr angenehm. Drei Wochen wollen Max und ich im Mietwagen quer durchs Land reisen. Auf unser Must-See-Liste stehen auch Gegenden, die nicht zu den Top-Touristenzielen gehören, wie der Norden oder die Golan Höhen und planen einen Besuch bei diversen Minderheiten, wie etwa den Drusen ein. Los geht's in Tel Aviv! Zum Ankommen entspannen wir die ersten paar Tage bei sommerlichen Temperaturen am Meer und Strand. Die Sonne ist auch im Frühjahr nicht zu unterschätzen und prompt habe ich natürlich einen ordentlichen Sonnenbrand. Aber andererseits, hey: Wo kann man um diese Jahreszeit denn schon im Meer baden?!

Abends bekommt Tel Aviv mit den wunderbar kitschigen Sonnenuntergängen und ausgezeichnetem Essen in kleinen Restaurants entlang der Strandpromenade ein bezauberndes Flair. Party-Stimmung liegt in der Luft. Mit den allerorts anzumietenden Leihrädern radeln wir anderntags nach Jaffa, der antiken Hafenstadt, die heute ein Teil von Tel Aviv ist, hier kann man gemütlich Café trinken und herumschlendern. Wir wagen den Blick in eine christliche Kirche und finden uns inmitten einer Schar von Indern wieder, scheinbar wird hier schon irgendetwas für Ostern vorbereitet. Wir lesen einen Infozettel. Ich hätte ja echt mit allem möglichen gerechnet, aber das in Israel am Ostersonntag der christliche Gottesdienst unter vielen anderen unerwarteten Sprachen auch in Hindi abgehalten wird…?! Aber das sollte nicht die einzige Überraschung bleiben, die uns dieses vielseitige Land bescheren wird.

Fastenkur wider Willen

Am Abend flattert Post in unser Hotelzimmer. Wir werden gebeten, keinerlei Brot oder Fleisch mit in das Hotel zu nehmen, da man durch solch eine Tat den Koscher-Status des Hotels gefährden würde. Aha, denken wir mal und machen uns keine weiteren Gedanken. Beim Frühstück am nächsten Morgen die bittere Erkenntnis: Ab jetzt gibt es nur noch Mazze – ein sehr dünnes Knäckebrot – wird auch als „Brot des Leidens bezeichnet“. Immer noch hungrig versuchen wir unser Glück im Supermarkt. Aber gähnende Leere und verhängte Kühlregale von Fleisch erwarten uns. Es wird Zeit die Hauptstadt zu verlassen, wer weiß vielleicht sind sie in kleineren Dörfern nicht so streng mit den Fastenregeln für das Passah-Fest, denken wir uns, also brechen wir auf Richtung Norden.

Orangenbäume und Zitronen hängen reif an den Bäumen, überall blüht und grünt es – das ist der Norden von Israel. In sanften grünen Hügellandschaften gelegen am Meer erinnern antike Städte wie Caesarea an die antike Vergangenheit des Landes. In Haifa befindet sich der größte Tempel der Bahai, eine neuere Religion, die aus dem Islam entstanden ist. Die Tempelanlage ist vor allem ein wunderschön angelegter Park, der von über 100 Gärtnern gepflegt wird und bis auf den kleinsten Ast in perfekter Symmetrie angeordnet ist. Ein echt schöner, friedvoller Ort!

Kulturell ein Hochgenuss, kulinarisch eher bescheiden

Wir orientieren uns mehr ins Landesinnere zum See Genezareth, heute Lake Tiberias genannt. Ich bin echt erstaunt, wie tief dieser See liegt: mehr als 212 Meter unter dem Meeresspiegel! Bei der Anfahrt spürt man schon, wenn es recht plötzlich ziemlich rasant bergab ab. Man hat das Gefühl in einen großen Schlund der Erde zu verschwinden. Aber alles eine Sache der Gewöhnung, denn als wir eine knappe Woche später zaghaft an der Wasseroberfläche liegend im Toten Meer versuchen zu schwimmen, machen wir uns keine Gedanken mehr darum, dass wir jetzt inzwischen mehr als 420 Meter unter dem Meeresspiegel herumplantschen.

Immer noch gewöhnungsbedürftig ist für uns hingegen das spärliche Essen weit und breit. Nach fast vier Tagen auf Kohlenhydrat-Entzug versuchen wir am Abend unser Glück erneut in einem Restaurant. Der Keller raubt uns jedoch schon bald unsere Hoffnung auf Pizza, Lasagne und Co. Kaum ein Gericht auf der Speisekarte ist derzeit vorrätig, nicht einmal Pommes. Wir trollen uns und gehen hungrig zu Bett.

Die sicherste Nacht unseres Lebens

Am darauffolgenden Tag ziehen wir weiter nach Arbel, einem Dorf in der Nähe. Arbel ist ein Moschaw, hier gibt es neben dem Gemeinschaftseigentum auch Privateigentum, den es in einem Kibbuz nicht gibt. Die Vermieter unserer Unterkunft in Arbel sind sehr nett. Als sie die Tür zu unserem "Zimmer" aufsperren, trauen wir jedoch unseren Augen kaum: Wir stehen mitten in einem Bunker! Ohne Scherz. Die Vermieter erklären uns, dass hier eigentlich kleine Gartenhäuschen vermietet werden und das letzte Ausweichquartier sei eben ein zum Apartmenthäuschen umgebauter Bunker. Er wurde einst gebaut, weil er vom Staat staatlich subventioniert wurde. Scherzhaft warnen sie uns vor: Wenn plötzlich mitten in der Nacht die halbe Nachbarschaft in unseren Bunker strömt, dann sollen wir uns nicht wundern. Glücklicherweise ist dem nicht so, im Gegenteil. So ruhig habe ich noch nie in einem Hotel geschlafen! Keinerlei Geräusche von draußen dringen herein, und das obwohl die schwere Bunker-Türe zur Wohnküche gar nicht geschlossen war. Herrlich!

Quer durchs verminte Kriegsgebiet

Ein Tagesausflug bringt uns zu den Jordan-Quellen im Norden und der Nimrod Burg – in die ich mich aus mir immer noch unerklärlichen Gründen prompt unheilbar verliebt habe. Keine Ahnung warum, aber sie ist einfach so spannend und gigantisch und mysteriös! Ein Geheimgang soll angeblich von der Burg bis ins Tal hinabgeführt haben und den ersten Teil kann man auch wirklich langlaufen! Bei der Anfahrt zur Burg fährt man ewig lange eine Straße entlang wo kilometerweit alles rechts und links vermint ist, hier wird einem noch mal erschreckend deutlich, dass dieses so schöne, kulturell und landschaftlich so vielseitige Land auch Narben alter und neuer Konflikte zeigt.

Es geschieht ein modernes Wunder

Rund um den Lake Tiberias gibt es viel zu sehen, man kann nach Nazareth fahren, oder nach Kapernaum am Nordufer des Sees, hier soll Jesus gewirkt haben. An dem Tag als wir dort waren, gab es immer noch weit und breit kein Brot zu kaufen und demensprechend irrten wir hungrig durch die Ruinen der Stadt. Auf dem Weg zum Parkplatz passierte dann ein kleines modernen Wunder. Wir begegneten einer Gruppe junger – vermutlich muslimischer – Männer, die einen Sack Brot bei sich trugen! Wir haben scheinbar so sehr verwundert dreingeblickt, dass sie uns zunickten. Da fassten wir Mut und fragten staunend auf das Brot deutend woher sie den das Brot hätten. Sie lachten und sagten, das hätten sie selbst gebacken. Dann haben sie uns zwei Leibe davon geschenkt. Wir sind sofort zurück zum Auto, haben den Humus ausgepackt und nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit an dem duftenden frischen Fladenbrot gerochen haben, haben wir hineingebissen. Ein Festschmaus nach einer Woche ohne Kohlenhydrate! Danach haben wir festgestellt, dass der Ort an dem Jesus angeblich das Brot vermehrt hat, Tabgha, keine zwei Kilometer entfernt von der Stelle liegt. Tja ein modernes Wunder, oder?

Weitere Stationen unserer Reise

In den drei Wochen haben wir so viel erlebt, dass ich gar nicht alles im Detail erwähnen kann. Drum hier ein paar Stichworte von Orten die echt schön und spannend waren und die ich jedem als Tipp für seine Israel-Rundreise empfehlen kann.

Die Golanhöhen

Die Golanhöhen sind berühmt für den Weinbau und ideales Terrain zum Wandern.

Das Karmel Gebirge

Hier lebt eine Minderheit Israels, die Drusen. Sie arbeiten vor allem in der Landwirtschaft. Wir haben dort ein paar schöne Glaskugeln gekauft.

Der Taufbereich am Jordan

Leider bin ich um fünf Minuten zu spät gekommen, denn irgendwie hätte es mich gejuckt mich spontan taufen zu lassen, frei nach dem Motto „wenn schon, denn schon im Jordan“ sich taufen zu lassen. Ich wurde nämlich nie getauft und gehöre keiner Religion an. Es ist echt spannend zuzusehen wie sich die Leute alle in weißen Kleidern der Reihe nach anstellen um dann in den Fluten des Jordans abgetaucht zu werden. Tja um 17:00 Uhr ist Schluss mit der Tauferei und so kommt es, dass ich immer noch als „Heidin“ zu bezeichnen bin.

Die Festung Massada

Wir sind dort in der ärgsten Mittagshitze rauf gelaufen, leider mit ein bisschen zu wenig Wasser, aber es zahlt sich auf alle Fälle aus! Dieser schwer zugängliche Tafelberg hat in seiner Geschichte so manches erlebt. Er wurde hart umkämpft und eine römische Legion hat die in der Burg festsitzenden Juden lange Zeit belagert. Heute ist Massada das Monument des jüdischen Widerstandes. Jede/r jüdische Soldat/in wird Massada einmal besteigen, so ist es vorgesehen. In Israel besteht ja sowohl für Frauen, als auch für Männer Wehrpflicht. Für das Verständnis des Landes ist ein Besuch Massadas lohnenswert. Es gibt auch eine Seilbahn.

Bet Guvrin und Maresha

Bitte schaut euch die Glockenhöhlen an! Eine unbekannte Kultur, die unterirdische Städte erbaut hat – und was für welche. Ich habe so etwas noch nirgends gesehen, es ist bemerkenswert. So gut erhalten und ewig groß und tief! Scheinbar wurde bislang nur einen Teil ausgegraben, aber der ist schon gewaltig. Und in einem Land, wo es selbst im Frühling sehr sommerlich heiß sein kann, freut man sich, wenn man in eine dunkle kühle Höhle kriechen kann.

Jerusalem

Last but not least ist auch Jerusalem natürlich ein Must-See auf jeder Israel-Rundreise. Alleine hier lohnt es sich, mehrere Tage einzuplanen, um die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten in Ruhe kennenlernen zu können.

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