Karneval in Tepoztlán: Ein Dorf steht Kopf

Karneval in Tepoztlán: Ein Dorf steht Kopf

Tepoztlán, idyllisches Bergdorf knapp eine Stunde südlich von Mexiko-Stadt gelegen, ist nicht nur bekannt als Wellness-Oase und Melting Pot so vieler Sinnsuchender aus aller Welt, sondern auch für seine Fiestas. Die wichtigste, längste und verrückteste aller Feste ist der Karneval.

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Da will ich auch hin!

Wer Tepoztlán im Ausnahmezustand erleben möchte, sollte im Februar zu Besuch kommen: Es ist die Zeit des "Carnavals" und der "Chinelos". Vier Tage vor Aschermittwoch beginnt das Spektakel. Tagelang laufen die Karnevalskapellen ab den frühen Morgenstunden durch die Gassen, spielen ihre rhythmische Blasmusik und unterbrechen den Schlaf der übrigen Bewohner. Jedes Viertel hat seine eigene Kapelle und die Gastgeber, die den Karnevalisten Speis und Trank spendieren, stehen früh fest. Das Repertoire an Liedern ist begrenzt, nach einigen Tagen der immer wiederkehrenden Karnevalsumzüge und –lieder scheint es, die Feierwütigen schlafen nie – und selbst hat man den immergleichen Ohrwurm im Kopf.

Die Kopfsteinplaster-Gassen des Dorfes füllen sich mit feierwütigen Touristen – vornehmlich aus dem nahen Mexiko-Stadt, aber auch aus allen Teilen des Landes. Ist der Karneval Tepoztláns doch einer der berühmt-berüchtigsten ganz Mexikos!

Beim Karneval laden die „Chinelos“ zum Tanz

Ab 16 Uhr nachmittags treffen sich die Kapellen der verschiedenen Viertel auf dem Marktplatz. Die Verkaufsstände des Marktes wurden vorher extra für die "Chinelos" abgebaut. Diese erkennt man an ihren Kostümen, bestehend aus Sombrero, Tunika, Maske und einem Umhang voller detailverliebter Verzierungen. Die früher obligatorischen Stiefel weichen immer öfter gemütlichen Sportschuhen. Die Masken mit ihren blauen oder grünen Augen und langen Bärten repräsentieren auf satirische Weise die spanischen Eroberer. Die Tuniken wiederum spiegeln den arabischen Einfluss wieder. Der Höhepunkt der Zeremonie ist der berühmte "Brinco del Chinelo" – Die "Chinelos" fangen an, im Rhythmus des Paukenschlags zu tanzen, dabei bewegen sich nur Füße und Hüften, immer wieder hüpfen sie wie Marionetten nach oben. Bald macht auch das schon lange gespannt wartende Publikum mit. Eine ekstatische Menge füllt Zócalo und Marktplatz, stundenlang wird der „Brinco del Chinelo“ getanzt. Bei der Zelebration des ewigen Auf-und-Abs des „Chinelos“ bleibt kein Auge trocken, getrunken und getanzt wird bis in die frühen Morgenstunden der warm-subtropischen Nacht.

Die Legende vom "Brinco del Chinelo"

Woher dieser Brauch kommt, darüber gibt es verschiedene Versionen. Eine besagt, dass die Tlahuicas – die damals vorherrschende Kultur in dieser Region – sich mit dieser Kostümierung über die Spanier lustig machten, die in ihren Haciendas Feste feierten, von denen die Tlahuicas ausgeschlossen waren. Kräftig Alkohol konsumierend erfanden sie der Legende nach den "Brinco del Chinelo", der seit des ersten Karnevals in Tepoztlán 1852 getanzt wird. Die lange indigen-katholische Tradition wird jedoch zusehends überlagert von einem Volksfest-Charakter, der Alkohol fließt in Strömen.

Schlemmen und trinken bis zum Umfallen

Auch zu essen gibt es reichlich beim Karneval. Die Straßen sind voller Stände unter Plastikplanen, die alles auffahren, was das Herz des „Tepoztecos“ – wie auch des „Tepoztisos“, wie die hier ansässigen Bewohner genannt werden – begehrt. Viele traditionelle mexikanische Gerichte wie Barbacoa, Quesadillas, Gorditas, Chalupas, Tlacoyos und Cecina, werden angeboten, dazu Spezialitäten aus „Tepoz“ wie die Itacates, dreieckige Maisfladen in Creme und Salsa mit geriebenem Käse. Immer wieder bestaunen die Besucher die blauen Maistortillas, die besonders im Süden von Mexiko beliebt sind, und ihre Farbe dem blauen Mais zu verdanken haben. Wer besonders experimentierfreudig ist, probiert die blauen Tortillas mit Huitlacoche, einem Pilz, der Maiskörner befällt. Auch wenn es sich nicht so anhört – es schmeckt garantiert lecker!

Tepoznieves, Michelada und Pulque

Auch für sein Eis ist Tepoztlán bis weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Die bunten "Tepoznieves-Läden" sind nicht zu übersehen. Ausgeschmückt mit mexikanischer Folklore in knallig-psychedelischen Farben bieten sie Eissorten wie Kokos mit Gin, Tequila mit Limone, Milchreis, Mezcal-Tequila, Chilli-Karotte oder Maiseis mit Cajeta – einer Süßigkeit aus Ziegenmilch – an. Vor allem aber wird beim "Carnaval" getrunken , und das nicht zu wenig. Neben nicht alkoholischen traditionellen Getränken, wie dem Kräftespender Atole (ein Mix aus Mais, Zucker und Milch), fließen massenhaft Bier, Mezcal, Pulque, Tequila und natürlich Michelada, das beliebteste Partygetränk hier, eine Mischung aus Bier, Zitronensaft, Chili, Maggi und Worcester Sauce. 

Nach vier Tagen ist der Spuk vorbei – die Touristen verlassen das Dorf, die Straßen werden frühmorgens vom tonnenweise liegengebliebenem Müll befreit, die Blaskapellen und die „Chinelos“ legen sich schlafen. Was bleibt ist der Kater und der immergleiche Blaskapellen-Ohrwurm. Ruhe kehrt ein, Tepoztlán schläft seinen Rausch aus und ist wieder das idyllische Bergdorf im Herzen Mexikos.

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