Von Traumstränden und nicht-existenten Haien

Von Traumstränden und nicht-existenten Haien

Kroatien ist das Land der Traumstrände - nur leider hat sich das schon herumgesprochen und so kann man das Meer im Hochsommer hinter den dicht an dicht stehenden Liegestühlen und den nach Abkühlung suchenden Badenden manchmal nur noch erahnen. Gut, wenn man dann ein paar Insider-Tipps auf Lager hat! Lies hier, wo du abgeschiedene Buchten am kristallklaren Meer findest.

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Viel mehr als nur ein Kompromiss

Wohin soll man fahren mit zwei Schwestern, die der Idee, Europa zu verlassen („Da gibt es überall Haie und bestimmt wird man ausgeraubt!“), äußerst ablehnend gegenüberstehen, man selbst aber dennoch etwas weiter wegfahren will? Die Antwort lautet: Kroatien. Da kann man bequemerweise schon für gute 100 Euro, zum Beispiel mit Easyjet oder Eurowings, in unter zwei Stunden von Deutschland aus hinfliegen, es ist in der EU, meine Schwestern sind beruhigt.

Wir treffen uns alle ganz aufgedreht am Flughafen von Split, eine kurze Google Maps-Recherche im unbeständigen Airport-Wifi ergibt: Wir sind weit weg vom Zentrum der Stadt. Sehr weit. Also laufen wir zum Taxi und erfahren, dass dieses uns für 50 Euro fahren würde, was uns dann doch etwas teuer vorkommt. Wir schauen weiter und finden einen Shuttle-Bus, der uns für fünf Euro ins Zentrum fährt. Dort angekommen, sind wir dank der selbst am Abend noch drückenden Hitze schnell platt und entscheiden uns nun für ein Taxi zur Unterkunft. Obwohl Samstagabend ist, wollen wir nach der Fliegerei und Fahrerei nur noch eins: ins Bett.

Eigentlich wissen Taxifahrer in Sachen Traumstrand Bescheid. In Split anscheinend nicht.

Zum Glück habe ich daran gedacht, den Taxifahrer zu fragen, welches seiner Meinung nach der beste Strand in Split ist. Bacvice soll angeblich very nice sein und so machen wir uns ausgeschlafen gleich am nächsten Tag auf zu diesem Strand, der nur gute zweieinhalb Kilometer von unserem Hotel entfernt ist.

Wir starten gegen 11 und kommen somit voll rein in die Mittagshitze, die uns aber nach einem verregneten Sommer in Berlin und einem ebensolchen in Hamburg - auch wenn es dort normal ist - nicht stört. Als störend empfinden wir dann viel eher den Anblick, der sich uns bietet, als Google Maps uns ein fröhliches „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ verkündet: Liegestuhl an Liegestuhl, dazwischen kaum ein Durchkommen. Der Strand ist komplett überlaufen, wir finden mit Mühe und Not einen Platz und vermuten ein Komplott der Einwohner, dass sie die wirklich guten Strände für sich behalten und dumme Touristen wie uns an diesen Massenstrand schicken.

Aber egal, wir packen erstmal unsere Handtücher aus und während Schwester Eins Cocktails besorgt, gehe ich mit Schwester Zwei schwimmen. Das Wasser ist blau und kristallklar, der Sand fein und cremeweiß. Gut, wenn 1000 Menschen weniger hier wären, könnte er als Traumstrand durchgehen. Wir entdecken in einiger Entfernung eine Riesenhüpfburginsel oder dergleichen und schwimmen dort zunächst zielstrebig hin. Die Hüpfburg scheint auch im Gegensatz zum Strand nicht ganz so überlaufen zu sein, was wir gar nicht verstehen, denn mehrere Rutschen gehen von ihr ab ins kühle Nass. Aber kaum haben wir unsere unsportlichen Körper auf die Burg gewuchtet, kommt uns ein junger Mann entgegen und schreit: „It’s not for free!!“ Wir erfahren, dass wir die Burg für 40 Kuna, also fast sechs Euro, für sage und schreibe 30 Minuten nutzen dürfen und ziehen beleidigt ab. Unser Fazit: In Bacvice gibt es nicht viel zu tun außer durch Menschenmassen hindurchschwimmen, unterm Sonnenschirm liegen und die diversen Werbeleute, die einem Sonnenbrillen, Teilnahme an Pub-Crawls oder Hennatattoos aufdrängen wollen, abwimmeln.

Eigene Entdeckungen

Am Abend googeln wir nochmal auf eigene Faust und erfahren von einem Strand namens Znajn, der außerhalb des Zentrums liegt. Wir nehmen uns vor, gleich morgens zu starten und machen uns im Endeffekt auf den Weg, als die Mittagshitze gerade beginnt. Es geht an Baustellen und großen Einkaufshäusern vorbei und vor allem: in entgegengesetzter Richtung zum überfüllten Strand Bacvice. Wir gelangen in ein kleines Waldstück, an dessen Ende uns märchenhaft das tiefblaue Wasser entgegenglitzert. Wir sind verzückt, Schwester Eins und ich machen unter dem Gezeter von Schwester Zwei (“Geht nicht so nah an die Klippe, sonst sterbt ihr!”) Angeberfotos.

Dann geht es weiter in Richtung Znajn, jedoch ist die Hitze kaum noch auszuhalten und wir finden schon in einer Bucht gut einen Kilometer vor unserem eigentlichen Ziel einen schönen Strand, der uns zusagt: Mistral Beach. Der kleine Felsstrand liegt direkt vorm Radisson-Hotel, sodass wir uns um die Verpflegung keine Sorgen machen müssen. Es ist ruhig und vor allem nicht zu voll hier. Wir gehen schwimmen, werden nicht von Haien gefressen und kommen abends zufrieden und mit Fast-Sonnenstich zurück ins Hotel. Wir überlegen uns, dass Kroatien vielleicht noch mehr zu bieten hat als nur Strände und entscheiden uns für den nächsten Tag für einen Inselausflug nach Vis – wenn auch, weil es da die schönsten Strände Europas geben soll. Immerhin sind wir mitten in einer Hitzewelle hier und kämpfen jeden Tag mit 40 Grad ohne Wind: Kurz vor unserer Reise gab es verheerende Waldbrände, sodass es jetzt an sauerstoffproduzierenden Bäumen mangelt, was sich in stehender, drückender Hitze bemerkbar macht.

Die Fähre nach Vis fährt täglich – außer heute

Mir obliegt die Aufgabe, eine Fähre rauszusuchen und da die Fahrt nach Vis fast drei Stunden dauert, scheuche ich den Clan um acht Uhr morgens aus dem Hotel in Richtung Hafen. Schade nur, dass wir nicht wussten, dass man für Fährentickets nochmal rund 20 Minuten in der prallen Sonne anstehen muss. Ebenso wie ich bei meiner Recherche übersehen haben muss, dass die Fähre nach Vis jeden Tag um neun Uhr morgens fährt, außer dienstags, also außer am heutigen Tag. Was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag, den bereits eingecremten Körpern und geschmierten Stullen? Wir entscheiden uns, nochmal zu dem Mistral Beach zu fahren. Am nächsten Tag dann schaffen wir es tatsächlich, die Fähre in Richtung Vis zu nehmen. Die Tickets hatten wir in weiser Voraussicht schon am Tag zuvor für umgerechnet je sieben Euro gekauft. Wir sitzen die gesamte Fahrt über oben an Deck und genießen die Brise.

Angekommen in Vis sind wir erstmal enttäuscht, dass es hier genauso von Menschen wimmelt wie in Split. Da fährt man schon auf eine Insel und dann so was! Es stellt sich aber schnell heraus, dass die kleine Hafengegend, in der wir ankommen, einfach überfordert ist mit der Vielzahl von Menschen, die das Schiff verlassen. Während wir lechzend gen Strand wandern, wird die Hafenpromenade bereits leerer. Der Strand – wieder wärmstens empfohlen von Einheimischen - ist dann jedoch weit entfernt von dem, was wir uns unter dem schönsten Europas vorstellen, wenn auch kein schlechter. Aber es gibt keinen Schatten und es ist steinig und zu touristisch.

Wir loggen uns ins WLAN der ansässigen Hotelbar ein und googeln nochmal explizit nach atemberaubenden Stränden auf Vis. Die Bilder eines Strandes namens Zaglav überzeugen uns mit türkisblauer Meerfarbe und zur Abwechslung mal Sandstrand. Wir nähern uns aufgeregt schnatternd einem Taxifahrer, der uns für 150 Kuna dorthin bringen kann – also ungefähr sieben Euro für jeden. Es kann also losgehen. Die Taxifahrt führt durch Serpentinen – weg vom Hafen und auch weg von Menschen. Aus dem Gefährt heraus erkennen wir schon klares, türkises Wasser und Strände, die leer sind – ich glaube, wir kommen unserem Traum von einem Strand immer näher! Was mir noch viel besser gefällt, ist, dass der Taxifahrer irgendwo im Nirgendwo hält, auf einen kaum erkennbaren Pfad deutet und sagt, wir müssten noch zirka 15 Minuten laufen, um zu dem Zaglav-Strand zu gelangen. Solche Strände, die versteckt sonstwo liegen, sind die vielversprechendsten!

Wir laufen also in drückender Hitze den Trampelpfad entlang und Schwester Zwei schaut schon mal vorsorglich nach Haien – die Tiere würde man dank des klaren Wassers und geringen Wellengangs nämlich sogar von den Felsen oben, an denen wir uns entlangquälen, erkennen. Aber wie erwartet sind keine Haie in Sicht. Wir kommen an und sind mehr als zufrieden: Der Zaglav-Strand erfüllt all unsere Erwartungen und ist kaum touribevölkert. Wir sind am Ziel! Zaglav ist eine kleine Bucht, man kann mehrere Meter ins Wasser hineingehen und noch immer stehen. Selbst Schwester Zwei ist überzeugt, dass sich an einen so schönen, friedlichen Strand kein blutrünstiger Hai verirren wird und setzt zum ersten Mal seit Jahren einen Fuß in ein offenes Gewässer. Schade, dass wir nur eine Woche Kroatien gebucht haben – hier in Zaglav würden wir sicher noch länger bleiben.

1 Kommentar

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  • A
    Anslika
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    Super und witzig geschrieben,da bekommt man Lust auch mal Urlaub in Kroatien zu machen.


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