Strand am Ballermann 6 - noch ist er leer

(M)Ein Tag am Ballermann

Schatzi hat mir immer noch kein Foto geschenkt! Leute, ich habe schlimme schlimme Ohrwürmer… und einiges gelernt auf dem Ballermann, den ich im Zuge einer Künstlerbetreuung etwas inniger in Augenschein nehmen durfte.


Ich fragte mich immer, wie definiert sich der all bekannte Ballermann per se?

Tagebuch

Eine Annäherung

Ballermann 6 ist ein Strandlokal an der Platja de Palma auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. Es liegt im Ortsteil Ses Cadenes des Stadtteils S’Arenal der Inselhauptstadt Palma. Der Name ist eine Verballhornung der Bezeichnung Balneario Nº6 (spanisch für Heilbad). Das Wort Ballermann ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Schusswaffe und Ballern ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für das Trinken größerer Mengen Alkohol.
– Wikipedia

Letzte Information geht in die Richtung, wie ich mir das dortige Lebensgefühl vorstelle, wenn auch ich die Umschreibung recht blumig finde. Ballermann, du bist fällig! Malle für einen Tag, los geht’s!

Taxifahren

Das Taxifahren ist wohl das authentischste, was man auf dem Ballermann erlebt und eine kleine Herausforderung. Oft sprechen die Fahrer nur spanisch (Verrückt! Und das im eigenen Land. Ich rede schon, wie der typische Ballermann Tourist.).

Mein erster Fahrer hört Kirche. Er singt und segnet mit. Ich fühle mich angekommen. Wie Urlaub. Auch beim nächsten Fahrer, als klar wurde, er möchte bitte eine feste Destination wissen. Ein stümperhaftes “!Carro, perserguir, por favor!”, der Bitte dem Auto da vorne zu folgen, mag er gar nicht. Er wird wahnsinnig und tobt nahezu. Ich vermute, dass er bereits vorher ein Ziel eingeben muss, um irgendwelche Kosten zu errechnen (extra Pauschale, weil besonders weit weg, etc.).

Bei der dritten Fahrt, einer Kolonne von zwei Wagen, auf dem Rückweg zum Flughafen, müssen wir einen kleinen Zwischenstopp einrichten. Ein paar wichtige Geschäftspartner möchten dringend noch ein schnelles Foto mit dem Künstler, den ich heute betreue. Während ich im Auto warte, kommt der andere Taxifahrer zu meinem und regt sich wild mit den Arme wedelnd auf. “Fotografia”, ist das Einzige, was ich verstehe.

Ja, ich find so was auch immer albern, bleibe aber lieber ruhig, der Blutdruck des Herren ist schon hoch genug. Und auch geteiltes Leid, scheint seines nicht mehr lindern zu können.

Bestellen im Restaurant

Dank des digitalen Zeitalters habe ich noch ein paar Minuten Zeit, die Begriffe, die ich dem Kellner gleich als Bestellung an den Kopf werfen möchte, im Online Sprachführer zu überprüfen.

Das ist gänzlich sinnlos und vollkommen übertrieben, denn neben mir bestellt gerade ein Mallorcadeutscher, wie ich ihn nennen möchte, im charmant ruhrpottschem Schnack “Hömma, ein Orangensaft noch, nä!” Si claro, kommt sofort.

Zur Vorbereitung: Entspannung

Solltest du nicht Ballermann geübt sein, beginne den Tag (früh) entspannt mit einem kleinen Frühstück am Strand und einem Cappuccino im Café. Bis jetzt wunderst du dich noch über Männer mit blauen Plastikperücken und die mit Neonmannschaftshängerchen gekleideten Mädchen, die ab und zu die Promenade entlang laufen.

Halte kurz deine Füße ins Wasser oder hüpfe ganz in das kühle Nass am menschenleeren Strand. Füllt sicher dieser am https://www.google.de/maps/place/Mega+Park/@39.5097516,2.7508335,15z/data=!4m2!3m1!1s0x1297965d2c200955:0x33eaeb0305850846?hl=en, der Hochburg der zünftig deutschen Party, fahre ein paar Minuten weiter und gönne dir noch ein Spaziergang an “der 15″ oder drum herum. Das ist Lokalschnack und bedeutet: Weiter weg vom größten Rabatz. Ich stelle mir die ganze Zeit vor, wie mein Gewissen ruft: “Frau Narciso an die 15, bitte. Frau Narciso.”

Sonne genießen

Die Sonne scheint auf mein Hamburger Schietwetter geplagtes Haupt. Meine Füße sind sandig. Ich genieße die wunderschöne Aussicht auf das türkisfarbene Meer und fühle mich gestärkt, für das was kommen wird.

Der Megapark

Der Megapark bildet mit dem Bierkönig zusammen das Party Herzstück des Ballermanns. Ich sehe mir heute ersteren an. Um ganz ehrlich zu sein: Ich finde keine passenden Worte. Ich bin nüchtern. Das ist schon der erste Fauxpas, den man sich hier als Gast leistet. Mehrmals sagt der Tourmanager lachend, ich solle zumindest versuchen, den Mund beim Starren zu schließen.

Das Geschäft

Der Laden wird mit einer Perfektion übertreffenden Professionalität geführt. Hier kann nichts schief gehen. Die Security ist aufmerksam wie ein Luchs, dem intravenös RedBull verabreicht wurde. Benimmt sich ein Gast zu sehr daneben (Diese Grenze, möchte ich jedoch gerne mal definiert wissen), wird er sogleich hinaus komplimentiert.

Die Tänzerinnen, die vereinzelt die Bartische zieren, bewegen sich geschmeidig wie ein Kätzchen im wummernden Takt. Selbst ich kann nicht weg gucken und frage mich, ob die eine mit ihrem Sixpack bei Sit Up Übungen wohl Nüsse knacken kann?

Auswahl nach Aussehen

Die Bedienungen sind nicht viel mehr bekleidet und auch keineswegs weniger ein Hingucker. Ganz klar, die Damen werden sehr genau ausgewählt. Aber ich vermute, dass bei dem Pool in der Ecke, in den romantisch ein kleiner Wasserfall plätschert, auch ein paar ausgewählte Männer planschen. Diese gestählten Adonis Körper setzen sich schon sehr vom vermehrt auftretenden sonnenverbrannten und bierverwöhnten Rotbauch ab.

Sollte sich der Blick eines Gastes träumerisch gen Himmel bewegen, liegt es meist nicht daran, dass die Person ins Sinnieren gerät. Sie guckt wahrscheinlich eher auf die exorbitant große LED Wand, auf der sehr zielgruppenorientiert ein Sportsender läuft.

Das Publikum

Kommen wir zur Zielgruppe, für die die Zapfhähne so formschön veredelt wurden.

Ich möchte denken, dass es sich größtenteils um die unverheiratete oder ungebundene Gruppe Mensch handelt. Zugleich ist mir bewusst, dass das wohl mit Betreten des Clubs auf 90% der Gäste zutrifft, zumindest für den Zeitraum des Besuchs.

Gruppenzugehörigkeit

Ganz klar ist: Man kommt im Rudel, gerne als Mannschaft gekennzeichnet. Stark dominierend sind bei den Jüngeren die Neonshirts mit passenden Sonnenbrillen. Bei den Älteren, die mehr Haut bedecken möchten, sind es lustige Tierbildchen oder kecke Sprüche wie etwa “Gestern habe ich aufgehört zu trinken, heute feiere ich mein Comeback“, die die Garderobe zieren. Und dann gibt es noch diejenigen, die Oberteile jeglicher Art zu Hause lassen. Diese Menschen sieht man übrigens auch in Cafés und Restaurants sitzen – Adieu, Manieren!

Doch lieber ins Hinterland

Es mag Zufall sein, aber größtenteils verstehe ich die Menschen nicht, obwohl sie deutsch sprechen. In den wenigen Momenten, in denen sie doch die gleiche Sprache zu sprechen scheinen, greife ich kreative Ergüsse bunt gespickt mit Worten wie „Titten, Fotze, flach legen…“ auf.

Es gibt aber durchaus auch Paare, die zusammen den Ballermann besuchen. Die meisten, die ich treffe, sind Rentner. Eine Gruppe Damen und Herren, mit denen ich ins Gespräch komme, reist bereits seit 18 Jahren jährlich nach Partyhausen. Mit vielen Freuden. Mal so richtig wieder Feiern. Da gönnt man sich auch gerne im Café um 11:00 morgens den ersten Sangria(eimer).

Ich denke, in dem Alter werde ich das wieder probieren. Bis dahin genieße ich lieber das Hinterland.

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