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Nervenkitzel in Tirol

16.06.2017 – #

Nervenkitzel in Tirol

Über bunte Bergwiesen, entlang an plätschernden Flüssen und durch schattige Wälder wandern - so stellt man sich Sommerurlaub in Tirol vor. Adrenalin-Junkies reisen eher zum Ski- und Snowboard fahren im Winter hin. Im Sommer düsen sie die Pisten mit dem Mountainbike hinunter oder nehmen sich eine steile Felswand vor, um bis zum Gipfel hinauf zu kraxeln.


Solltet ihr keine Extremsportler sein und euch dennoch nach einer Extraportion Adrenalin (in Maßen) sehnen, kommen hier ein paar ganz fantastische Möglichkeiten für ein bißchen Gummibeine und Glücks-Schwindel.

Reiseinspiration

Highline 179

In der Naturregion Reutte, mitten in der Burgenwelt Ehrenberg, hängt die highline179.

Auf zwei gegenüberliegenden Hügeln liegen die Ruine Ehrenberg und das Fort Claudia. Bereits Ende der Neunziger Jahre begann der Architekt Armin Walch mit den Planungen zu einer Hängebrücke, welche die Burg mit der Ruine verbinden sollte.

Als die highline179 im Jahre 2014 schließlich eröffnet wurde, erhielt sie auch direkt einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde: als die längste Fußgängerbrücke der Welt im Tibet-Stil.

Als wir oben am Berg das Drehkreuz zum Stahlgerüst passieren, kommen uns fast nur euphorisch grinsende Gesichter entgegen. Nur wenige haben einen panischen Gesichtsausdruck und klammern sich am Geländer fest. Sie hatten sich ein paar Meter vorgewagt, dann runter gesehen und schließlich beschlossen, dass ihre Nerven es nicht mitmachen.

Es stimmt schon, an windigen Tagen kann die Brücke ein bisschen schaukeln. Außerdem hat sie keinen blickdichten Boden, so dass du in 114m Tiefe die Autos auf der Fernpassstraße B179 unter dir durch düsen sehen kannst. Ich muss zugeben, obwohl ich noch nie unter Höhenangst gelitten habe, sind meine Beine zunächst ein bisschen wackelig. Die Aussicht macht aber jeden Zweifel wett und ich versuche meine Unsicherheit einfach weg zu lächeln. Auf dem Rückweg sind meine Schritte gleich viel sicherer als auf dem Hinweg.

Fun Fact: keine Angst, eines der vier Tragseile mit je 60 mm Durchmesser ist so stark, dass es einen Jumbojet aufhalten könnte.

Paragliding am Hahnenkamm

Ich bin tatsächlich ein Morgenmensch und muss mich nicht grummelnd durch die ersten frühen Stunden eines Tages kämpfen. An diesem einen Morgen bin ich ein bisschen langsamer unterwegs und gönne mir hier noch eine Minute, da ein paar Sekündchen. Alles nur, weil ich mich immer noch über meine wackeligen Beine auf der highline179 ärgere. Alles nur, weil es heute noch viel höher hinaus geht: ein Tandemsprung am Paragleitschirm steht auf dem Programm.

Yvonne vom Fly Team wartet bereits an der Bergbahn auf uns. Ich bekomme einen riesengroßen, aber gar nicht so schweren, Rucksack aufgeschnürt. Darin befindet sich der Gleitschirm. Als wir ihn oben am Berg angekommen ausbreiten, wundere ich mich immer noch, wie leicht dieses Ding ist. Richtig! Mein nächster Gedanke ist: „Und das soll uns uns beide halten?“



Yvonne legt alles ganz gelassen und mit einer fast furchteinflössenden Routine zurecht. „Wird dir das Fliegen mit der Zeit nicht langweilig?“ Yvonnes „Nein, niemals!“ kommt wie aus der Pistole geschossen aus ihrem Mund und ihre Augen glitzern. Ich nehme ihr sofort ab, dass dieses Stückchen Stoff mit den paar Nylonstrippen ihre Leidenschaft sind.

Nach wenigen Minuten schnallt Yvonne mir meinen Sitz wie einen Rucksack auf. Sie befestigt den Gleitschirm und ihren Sitz direkt hinter mir. Wir sind bereit. Mit ein bisschen Panik im Blick winke ich meiner Freundin Tini zu (sie verzichtet auf den Aus-Flug).

„Du musst einfach nur laufen“, sagt Yvonne, „immer weiter laufen!“ Das hört sich recht einfach an. Wir stellen uns beide aneinander gekettet auf und laufen los. Kurz vor dem großen Abhang geben meine Beine nach. Ich habe es ihnen nicht befohlen und dennoch knicken sie ein und mein Körper plumpst einfach auf den Boden. Das Fliegengewicht Yvonne reiße ich natürlich mit. „Na, so nun nicht. Weiter laufen! Einfach weiterlaufen!“ „Weiterlaufen, einfach weiter laufen“, murmele ich mich mir wie ein Mantra vor. Und tatsächlich: beim zweiten Anlauf klappt alles. Während ich noch einen Fuß vor den anderen setze, merke ich, dass meine Füße den Boden nicht mehr berühren und dass der Sitz sich unter meinen Hintern schiebt. Wir schweben!

Es fühlt sich fantastisch an. Hier oben ist alles so ruhig und friedlich. Die Aussicht auf den knapp 2.000 Meter hohen Hahnenkamm und das Tal darunter sind atemberaubend schön.

In 10 Minuten zum Gipfel der Zugspitze

Wenn dir das alles zu abenteuerlich ist, du aber dennoch gerne hoch hinaus möchtest, steig’ in die Tiroler Zugspitzbahn. Die führt nämlich nach ganz oben auf die Zugspitze hinauf, wo sich Deutschland und Österreich am Gipfel treffen.

In eine Gondel der Zugspitzbahn passen bis zu einhundert Menschen. In nur zehn Minuten fährt man 1.725 Meter hinauf. Während unserer Fahrt ist es windstill und es wackelt kaum. Dennoch befinden sich ein paar bleiche Gesichter, die streng auf den Kabinenboden starren und teilweise schmerzverzerrt die Augen schließen, unter den Passagieren. Kurz bevor wir die Bergstation erreichen, passieren wir einen weiteren Seilbahn-Mast. Als seien die Drahtkabel dahinter zu locker eingestellt, sinken wir wie im Freiflug ein paar Meter in die Tiefe. Die Augen der Menschen weiten sich und einige lassen sich zu einem leisen „Hui!“ hinreißen. Mich erinnert das an die Szene aus Zoomania, in dem Fuchs Nick das Faultier zum Lachen bringt.

Vom Adrenalin gekitzelt verlassen wir die Gondel und steigen die Treppen zur Aussichtsplattform hinauf. Nach wenigen Stufen bin ich irgendwie aus der Puste und mir wird wieder mal bewusst, wie dünn die Luft auf knapp 3.000 Meter Höhe ist.

Hier oben, auf dem höchsten Berg Deutschlands (2.962 Meter) gibt es dann auch die höchste Bratwurst des Landes. Das Highlight ist aber die Aussicht. Unzählige schneebedeckte Gipfel liegen uns zu Füßen und das goldene Gipfelkreuz glänzt in der Sonne.

Der nicht gruselige Nicht-Friedhof

Wem dieses ganze höher, schneller, weiter zu viel ist, der kann sich auch eine Portion Nervenkitzel der anderen Art in Kramsach holen. Hier gibt es einen ganze besonderen Nicht-Friedhof. Um ehrlich zu sein, ist hier nichts mystisch oder gar gruselig und es werden eher die Lachmuskeln gekitzelt.

Der Museumsfriedhof zeigt Grabschilder, die seinerzeit die Gräber der Verstorbenen geschmückt haben. Mit unverhohlener Ehrlichkeit stellen sie dar, wie der dort begrabene Mensch sein ab und zu jähes Ende gefunden hat.

„Hier liegt mein Weib, Gott sei’s gedankt, oft hat sie mit mir gezankt. O lieber Wanderer, geh’ gleich fort von hier - sonst steht sie auf und zankt mit dir.“

Zugegeben, das ist ein bisschen makaber, aber hauptsächlich zum Piepen komisch.

Tipps für deinen Nervenkitzel in Tirol

highline179

  • Adresse: Festung Klause, Klause 2, 6600 Reutte
  • Öffnungszeiten: Täglich 8:00-22:00 Uhr
  • Eintrittspreise: Erwachsene ab 15 Jahre: 8,00 EUR, Kinder 4-14 Jahre: 5,00 EUR, Familienkarte für 2 Erwachsene und Kinder: 24,00 EUR, Gruppen ab 20 Personen: 7,00 EUR pro Person

Paragliding am Hahnenkamm

  • Länge des Fluges: 15-35 Minuten
  • Preis: ab 129,00 EUR (Preise variieren je nach Fotoservice und Länge)
  • Buchung: auf der Webseite vom FlyTeam

Tiroler Zugspitzbahn

  • Adresse: Tiroler Zugspitzbahn, Obermoos 1, 6632 Ehrwald
  • Preise: Berg- und Talfahrt für Erwachsene 43,50 EUR, Jugendliche 16-18 Jahre 35,00 EUR, Kinder6-15 Jahre 26.00 EUR. Kinder unter 6 Jahren fahren in Begleitung der Eltern frei. Informationen zu Gruppentarifen gibt es auf der Webseite der Bahn
  • Öffnungszeiten: im Sommer täglich 8:30-16:30 Uhr, im Winter 8:30-17.00 Uhr

Museumsfriedhof Kramsach

  • Adresse: Museumsfriedhof Tirol, Hagau 82, A-6233 Kramsach
  • Preise: der Eintritt ist frei
  • Öffnungszeiten: Im Sommer Montag bis Sonntag 9:00-18.00 Uhr, im Winter 9:00-17:00 Uhr

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