Saimaa in Finnland: Seen, Sauna und der Russe am anderen Ufer

Saimaa in Finnland: Seen, Sauna und der Russe am anderen Ufer

Keine Scheu vor kaltem Wasser und nackten Finnenhintern: Die Saimaa-Region im Südosten Finnlands ist etwas für Naturliebhaber und Abenteurer gleichermaßen. Warum die Gegend rund um den Saimaa-See unbedingt auf deiner Reiseliste stehen sollte, berichtet Anna Karolina aus erster Hand.

Reisebericht

Der größte See in Finnland

Auf der Suche nach unberührter Natur, glasklarem Wasser und reiner Luft fiel die Wahl recht schnell auf Finnland. Als Skandinavien-Neuling hatte ich keine Ahnung, für welche Region ich mich entscheiden sollte und zeigte daher blind auf die Landkarte. So landete ich erstmals im Saimaa-See, dem größten in Finnland und dem viertgrößten in Europa. 2014 wurde das Archipel mit seinen 13.000 Inseln sogar zum fünftschönsten Seengebiet der Welt gekürt. Das Los hat entschieden, es hätte mich schlimmer treffen können.

Direkt am See liegt das idyllische Städtchen Lappeenranta. Mit finnischer Lässigkeit ruhen typisch skandinavische Holzhäuschen inmitten von weiten Grünflächen. Die älteste orthodoxe Kirche Finnlands steht nicht weit vom hölzernen Rathaus und der Festung im Norden der Stadt. Im sogenannten „Kissing Park“ haben bereits finnische Soldaten den ein oder anderen Kopf verdreht. Zu Beginn jeden Sommers entsteht im Hafen noch eine ganz besonderes Gebäude und zwar die größte Sandburg Finnlands. In diesem Jahr feiert Finnland seine 100-jährige Unabhängigkeit, passend dazu werden futuristische Kreationen aus Sand gestaltet, um dem nächsten Jahrhundert Rechnung zu tragen.

Saunieren geht über Studieren

Finnen sind schlichtweg Saunaweltmeister. Für sie hat Saunieren nicht nur einen reinigenden, beruhigenden Aspekt, sondern auch ein soziales Element – wo und wie sonst würde man mit seinen Freunden ganz in Ruhe ein Bierchen trinken und hinterher nackt in den See springen können? Ihr Heiligtum von Sauna halten die Finnen daher schon seit über 1.500 Jahren aufrecht. Mittlerweile zählt man landesweit über drei Millionen Saunen. Bei zirka 5,5 Millionen Finnen macht das mehr als eine Sauna für jeden zweiten Finnen. Dass es einen gibt, der noch nie den Schwitztempel betreten hat, ist fast unvorstellbar. Selbst finnischen Kindern wird von Kindesbeinen an das Schwitzen gelehrt. Die Saunatraditionen zu erhalten ist den Finnen sehr wichtig. Dazu gehört unter anderem auch das sanfte Auspeitschen der durch die Hitze aufgeweichten Haut mit einem gebundenen Büschel aus Birkenzweigen (in Finnland „Vihta“ oder „Vasta“ genannt). Sinn und Zweck dieser Beautybehandlung ist, dass die oberen Hautschichten entfernt und die gereinigte Haut massiert wird.

Fühl dich wie ein schwimmendes Teletubby

Die finnische Saunaliebe geht sogar so weit, dass dafür auf den ein oder anderen Luxus verzichtet wird: anstatt einer Speisekammer oder einem begehbaren Kleiderschrank will der Finne lieber eine Ein-Personen-Sauna in der neuen Wohnung, egal wie klein sie auch ist. Langweilig wird es ihnen scheinbar nicht. Um dennoch etwas Abwechslung in die schweißtreibende Lieblingsbeschäftigung zu bringen, haben die Finnen verschiedene Saunavarianten etabliert. Man hat also die Qual der Wahl zwischen der klassischen Blocksauna, der elektrischen Infrarot-Sauna, der ursprünglichen Rauchsauna oder einer schwimmenden Floßsauna. Letzteres bietet sich bei 188.000 Seen auch an. Finnland wird nicht einfach so Land der tausend Seen genannt. Bei Jussi Honka, Floßsaunabetreiber und Rocker aus Leidenschaft in der finnischen Band Osmo’s Cosmos, habe ich nicht nur mein Saunaglück mit anschließendem Sprung ins kalte Wasser gefunden, sondern durfte mich im Drysuit im Fluss Vuoksi treiben lassen und dabei wie ein schwimmendes Teletubby fühlen.

Hier lebt die seltenste Robbe der Welt

Körperlich Aktivere wählen vielleicht lieber ein Kajak und erkunden so die erfrischende Kühle des Saimaa-Sees. Nicht nur dass man ordentlich rudern muss, hinzu kommt der Nervenkitzel, wem das Handy zuerst ins Wasser fällt – gesegnet seien all diejenigen, die bei akrobatischen Fotoaktionen bereits im See versenkt wurden. Wenn man Glück hat, überlebt man die Tour trocken und ohne Verluste. Mit einem Lottogewinn zu vergleichen, wäre eine Begegnung mit der seltensten Robbe der Welt, der Saimaa Ringelrobbe. Sie ist mit einer Gesamtpopulation von etwa 300 Tieren eine der wenigen lebenden Süßwasserrobben der Welt und nennt das Saimaa-Archipel ihr zu Hause. Gesichtet wird sie jedoch sehr selten und diejenigen, die wissen, wo sie sich aufhält, verraten es nicht. Tierschutz geht vor.

Big Brother is watching you

Die Reise zum Saimaa-Archipel hat mir erneut gezeigt, wie wichtig Reisen für die Allgemeinbildung ist – zumindest für meine. Denn für mich war Finnland bisher eins der Länder "da oben" auf der Landkarte, in denen nichts Wichtiges passiert und es das ganz Jahr kalt und dunkel ist. Letzteres stimmt vielleicht sogar, doch abgesehen davon hat Finnland deutlich mehr zu bieten. So habe ich durch meine Reise überhaupt erst von der Existenz Südkareliens erfahren. So nennt sich die Grenzprovinz mit den Städten Lappeenranta und Imatra im südöstlichen Teil Finnlands. Zudem musste ich erstaunt feststellen, dass „der Russe“ quasi hinter dem nächsten Hügel oder besser gesagt, der nächsten Flussbiegung lauert. Von Lappeenranta ist man mit dem Auto in 30 Minuten am Grenzübergang zwischen Finnland und Russland. Wer also schon immer davon geträumt hat, seinen Fuß auf russischen Boden zu setzen, kann das von hieraus problemlos und sogar visumfrei tun.

Die schönste Variante ist – wer hätte es gedacht – über den Wasserweg: Mit der Fähre schippert man zunächst den historischen Saimaa-Kanal entlang. Bis Wiborg (ehemals finnisches, jetzt russisches Territorium) kann man die Reise auf dem Wasser genießen, danach geht es auf dem Landweg weiter bis nach Sankt Petersburg. Der Zeitaufwand ist für einen Tagesausflug wahrscheinlich zu groß, doch für ein Wochenende in der Stadt von Peter dem Großen durchaus eine Überlegung wert. Aufgrund seiner geografischen Lage gab es in der Vergangenheit immer wieder Anstrengungen, Südkarelien zu erobern. Einige davon waren erfolgreich, denn die Region gehörte bereits zu Schweden und zu Russland. Diese Einflüsse sind noch heute zu spüren, denn ihre Bewohner sind eine bunte Mischung aus Finnen, Schweden und Russen.

Beerenpower wohin das Auge blickt

Der kulinarische Einfluss Russlands war glücklicherweise nicht so groß, denn anstatt Borschtsch und Piroschki, kommen frischer Fisch und Beeren in allen Formen auf den Tisch. Über 20 verschiedene essbare Beerenarten wachsen wild in den finnischen Wäldern – die etwa 70 Prozent des Landes ausmachen. Neben Erdbeeren, Himbeeren, Preisel-, Brombeeren, Kran- und Moltebeeren und Sanddorn sind vor allem Heidelbeeren zu finden. Dank des Jedermannsrechts (Jokamiehen Oikeus), welches besagt, dass man sich überall in der Natur frei bewegen, aufhalten und auch ihre Früchte sammeln darf, können Pilze, Beeren und Co quasi überall gepflückt werden – sogar auf Privatgrundstücken und in Naturschutzgebieten (Ausnahmen bestätigen hier die Regel!).

Insgesamt wachsen in finnischen Wäldern jedes Jahr rund 500.000 Tonnen Beeren. So viel kann man gar nicht pflücken, geschweige denn verarbeiten. Und dennoch geben sich die Finnen große Mühe. Während die Deutschen beim morgendlichen Müsli auf Trockenfrüchten herumkauen, genießen die Finnen ihre Haferflocken gerne mit frischen Vitaminbomben. Darüber hinaus gibt es aus Beeren gemachte Säfte, Marmeladen und Kuchen. Bei Niina Sydänmaanlakka-Wallis im Haus der tausend Märchen kam ich sogar in den Genuss eines selbstgemachten Heidelbeerparfaits. Beerenstark.

Ein Hausschwein als Bio-Abfalleimer

Auf Niinas Hof gibt es nicht nur gute finnische Hausmannskost, sondern auch einen Streichelzoo. Als mir auf der Weide ein blökendes Schaf namens Eleganssi vorgestellt wurde, dachte ich für einen kurzen Moment: "Die spinnen doch, die Finnen". Wer würde auf die Idee kommen, ein Schaf so zu nennen? Wahrscheinlich der gleiche Finne, der sein Pony Aladdin tauft und ein Mini-Hausschwein hat, das schon lange nicht mehr "mini" ist, weil es als Bio-Abfalleimer fungiert.

Zwischen dem tierischen Chaos gibt es aber auch eine ganz traditionelle Rauchsauna. Hierzulande fast unbekannt, ist die mit Holzfeuer betriebene Rauchsauna eine finnische Spezialität. Sie aufzuheizen, ist eine Kunst für sich. Manchmal dauert es mehrere Stunden, bis die richtige Temperatur erreicht ist und es ausreichend qualmt. Bevor man eintreten kann, muss durchgelüftet werden, damit der Rauch abziehen kann. Zurück bleibt dann ein Geruch von Räucherschinken und pechschwarze Innenwände. Handtücher können getrost draußen bleiben, denn der Ruß würde sie im Handumdrehen schwärzen. Aber wenn man auf die finnisch Art sauniert, zieht man sowieso blank. Bei über 1.500 Jahren Saunaerfahrung werden die Finnen schon wissen, was sie machen und nicht grundlos behaupten, dass Frauen am schönsten nach der Sauna sind. Wer das nicht glaubt, sollte es einfach mal ausprobieren.

Tipps für deinen Urlaub in Südkarelien

Anreise

Hier findest du günstige Flüge nach Helsinki. Vom Flughafen geht es weiter mit Zug Richtung Nordosten. Die Zugfahrt dauert ungefähr 2,5 Stunden. VR-Zugtickets können am Ticketautomat oder im Internet unter www.vr.fi gekauft werden.
Beispiel: Vom Flughafen Helsinki nach Lappeenranta zahlt man 33€ und muss einmal in Tikkuril umsteigen. Das lohnt sich aber, denn danach gibt es WLAN im Zug. Weitere Infos zu deiner Anreise findest du hier.

Unterkunft & Essen

Lappeenranta Spa Hotel (direkt am See), www.kylpyla.info
Holiday Club Saimaa, www.holidayclub.fi
Tuhannen Tarinan Talo (Haus der tausend Märchen), http://www.tuhannentarinantalo.com/de
Rantalinna Castle Hotel, www.rantalinna.eu
Wanha Makasiini Restaurant, www.ravintolawanhamakasiini.fi

Aktivitäten

Schwimmende Sauna, www.saunalauttaimatra.fi
SUP und Quad, www.saimaa-adventures.fi
Parasailing, www.waterskizoo.com
Wanderung zum Kummakivi Stein, www.kulttuuripalvelukaiku.fi
Schifffahrt, www.karealialines.fi

Weitere Infos für deinen Südkarelien-Urlaub findest auf www.gosaimaa.com

Die Reise erfolgte auf Einladung des regionalen Tourismusbüros GoSaimaa und wurde durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung 2014-2020 unterstützt. Die in diesem Rahmen veröffentlichten Fotos entstanden mit einer Canon EOS 6D, unterstützt von Canon Deutschland

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