Amore mio! Warum so viele Menschen Venedig lieben

Amore mio! Warum so viele Menschen Venedig lieben

Die Menschen lieben Venedig – fast zu Tode. Jedes Jahr schieben sich bis zu 30 Millionen Besucher über den Markusplatz. Promis wie Salma Hayek, George Clooney und Bastian Schweinsteiger feiern Glamour-Hochzeiten. Warum boomt diese Stadt so? Astrid hat die Koffer gepackt, um das Phänomen Venedig zu ergründen.

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Ankunft in einer sterbenden Stadt

Bereits die Anreise über den Flughafen Marco Polo beschert uns erste romantische Gefühle: Wir landen in einem magischen Sonnenaufgang, der die Wolken in Pastelltönen einfärbt und der Küste sowie Venedig eine magische Atmosphäre verleiht. Mit einem Wassertaxi lassen wir uns zum Hotel bringen und nutzen die Fahrt vom Festland zur Insel, um uns vom Kapitän schon einmal die wichtigsten Eckdaten zur Stadt geben zu lassen. Die romantische Stimmung vergeht uns allerdings auf der Fahrt, denn je näher wir kommen, desto schlimmer wird der Gestank. Jahrhundertelange Ignoranz jeglichen Umweltschutzes und verfaulende Stützpfosten unter Wasser erzeugen einen zunächst kaum erträglichen Geruch nach Verfall – zum Glück gewöhnen sich unsere Nasen schnell daran.

Basilica di San Marco, Dogenpalast und Campanile

Nachdem wir im Hotel, einem alten Palazzo, eingecheckt haben, machen wir uns auf zu einer ersten Erkundungstour durch Venedig. Über schmale Gassen gelangen wir nach San Marco, dem kulturellen Zentrum Venedigs. Der Platz ist von Säulengängen umgeben, die prominentesten Cafés der Stadt laden dazu ein, bei einem Caffè und Tramezzini sehen und gesehen zu werden. Der Platz selbst ist ein buntes Treiben aus Touristen, Tauben und Taschendieben. Wir kämpfen uns erfolgreich hindurch zum Markusdom, der venezianisch-byzantinisch-gotischen Kathedrale mit ihren fünf Kuppeln, und lassen uns von ihrem prunkvollen Inneren beeindrucken. Direkt neben der Basilika befindet sich der Palazzo Ducale, lange Zeit Sitz der mächtigen venezianischen Dogen und bis heute mit seiner charakteristischen Säulenoptik als Meisterstück venezianischer Baukunst gefeiert. Direkt gegenüber befindet sich das Wahrzeichen Venedigs, der Campanile di San Marco, der Glockenturm der Basilika. Vor 100 Jahren sorgte ein kompletter Zusammenbruch des Turms für Bestürzung in der ganzen Welt und auch heute werden ständig verschiedene Teile abgestützt, da Wind, Wetter und ein uraltes Fundament ständig zu neuen Schäden führen.

Gondeln, Schnee und der Beginn einer großen Liebe

Um den Menschenmassen auf der Piazza di San Marco zu entkommen, gönnen wir uns eine Fahrt mit einer der hier liegenden Gondeln inklusive traditionell bekleidetem Gondoliere. Singen kann er zwar nicht, spricht aber ein wenig Deutsch und Englisch und fährt auf unsere Bitte nicht die übliche Route, sondern steuert uns durch kleine Kanäle und unter romantischen Brücken hindurch abseits der touristisch erschlossenen Gebiete. Zum Abschluss unserer Fahrt zückt er auf einmal eine Postkarte, auf der ein schneebedecktes Panorama der Alpen zu sehen ist. Er sagt, dass er noch nie außerhalb Venedigs war und sein größter Traum ist, einmal so viel Schnee zu sehen. Vielleicht spürt er, dass wir seiner Heimatstadt bereits verfallen sind und sie nicht nur als eine x-beliebige Städtereise betrachten.

Canale Grande, Rialtobrücke und Murano

Am nächsten Tag schlüpfen wir wieder in unsere gemütlichsten Schuhe und machen uns auf, um Venedig zu Fuß zu erkunden. Entlang des Canale Grande, der wichtigsten Verkehrsstraße Venedigs schlendern wir Richtung Rialtobrücke und bewundern die filigranen Werke des dort ansässigen Schmieds. Mit einer winzigen Silber-Gondel im Gepäck geht es weiter zur Kirche di Santa Maria dei Miracoli (nein, sie hat nichts mit Nudeln und Tomatensauce zu tun). Auf dem Platz vor der kleinen, mit Marmor verkleideten Kirche suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und lassen die ebenso prunkvolle wie Ruhe verströmende Atmosphäre auf uns wirken. Nach einem ausgezeichneten, aber leider vollkommen überteuerten Essen in einem klassischen venezianischen Restaurant verlassen wir die Hauptinsel und lassen uns von einem Vaporetto, einem Wasserbus, nach Murano bringen. Die im Norden Venedigs liegende Insel ist weltweit bekannt für ihre Glasbläserkunst, doch vielmehr beeindrucken uns die in zahlreichen kleinen Geschäften verkauften Karnevalsmasken. Jede einzelne ist ein Unikat und ein Schmuckstück, dem man die Detailverliebtheit der Erschaffer ansieht.

„Venedig – Legende und Falle für die Fremden“

Etwas erschlagen von so viel Kultur und neuen Sehenswürdigkeiten hinter jeder Ecke kehren wir während eines ebenso herrlichen Sonnenuntergangs wie dem Sonnenaufgang bei unserer Anreise zurück auf die Hauptinsel. Während meine Reisepartner sich ausruhen, mache ich mich noch einmal allein auf den Weg und wandere ziellos durch Venedig – nur weg von San Marco, wo sich bis zum Abend eine Touristentruppe nach der nächsten auf der Suche nach dem besten Fotomotiv über den Platz schiebt. In einem kleinen Café an der Kreuzung zweier winziger Kanäle bestelle ich ein Glas Wasser und lasse mich von der Wirtin zu einem köstlichen Kaffeeparfait überreden.

Nirgends ist Verfall so schön wie hier

Da ich der einzige Gast bin, setzt sie sich mit einem Glas Wein zu mir und während wir gemeinsam zusehen, wie Venedig schlafen geht, gesellt sich ihr Mann mit einer Geige zu uns und stimmt traurige und sehnsüchtige Lieder an, die der perfekte Soundtrack für die sterbende Stadt sind. In keiner anderen Stadt der Welt begehen mehr Touristen Selbstmord und während die Schönheit und Melancholie Venedigs in diesem Moment die Luft zum Vibrieren bringt, spüre auch ich, was schon Thomas Mann als „Legende und Falle für die Fremden“ bezeichnete und was Venedig so anders als alle anderen Städte macht. Nirgendwo auf dieser Welt kann Verfall und Endlichkeit so romantisch und erstrebenswert sein wie hier, in der Stadt, deren Fundament aus Holzpfählen im Schlamm trotz aller Versuche immer weiter nachgibt.

Am letzten Tag unseres Italien-Urlaubs ist es bewölkt, es nieselt und ist kalt. Es scheint fast, als missbillige die Stadt unsere Abreise, statt Romantik und Melancholie erwarten uns in den schmalen Gassen nur missmutige Blicke im Alltagsstress vorbeihetzender Menschen. So verlassen wir die Stadt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Während des Abflugs erbarmt sich das Wetter doch noch unserer und taucht Venedig mit durch die Wolkendecke brechender Sonne noch einmal in ein unwirklich scheinendes Licht.

Tipps für dein perfektes Venedig-Erlebnis

Unterkunft

Venedig ist teuer. Sehr teuer. Wenn du genug Kleingeld hast, solltest du es dir dennoch nicht nehmen lassen, für das ultimative Venedig-Feeling in einem Hotel in einem der zahlreichen Palazzi zu übernachten. Günstiger sind Unterkünfte auf dem benachbarten Festland in Mestre.

Verkehrsmittel

Gondel: Eine Gondelfahrt kostet zwischen 40 und 80€, gehört aber zum absoluten Pflichtprogramm.

Wassertaxi: Etwas günstiger als eine Gondel sind die kleinen Motorboote, aber immer noch exklusiv genug, um sich ebenso prominent wie George Clooney zu fühlen.

Vaporetto: Das Vaporetto-Boot ist der Bus Venedigs und das Verkehrsmittel der Wahl der Venezianer. Mit der Linie 1 bekommst Du für wenig Geld eine 45-minütige Tour von der Rialtobrücke bis Sant'Elena vorbei an den schönsten Palazzi Venedigs.

Zu Fuß: Die Innenstadt Venedigs kannst Du bequem zu Fuß durchqueren. Bequeme Schuhe sind Pflicht, denn nur zu schnell verirrt man sich in den schmalen Gässchen, sodass auch kurze Wege schnell zu langen Spaziergängen werden können.

Essen und Trinken

Venedigs Küche ist ausgezeichnet. Zum Frühstück isst man typischerweise höchstens ein Häppchen, viel wichtiger ist der Kaffee. Mittags und abends öffnen Restaurants der unterschiedlichsten Preisklassen. Je weiter du dich von der Piazza San Marco entfernst, desto ursprünglicher werden auch die Restaurants. Ob Spaghetti und Cassata für 10€ inklusive Getränk oder Vorspeise für 30€ und Kellner hinter jedem Platz – schmecken tut es immer. An der Piazza San Marco befindet sich das Café Florian, mit seiner fast 300-jährigen Geschichte selbst eine Sehenswürdigkeit. Die Aussicht auf den Markusplatz ist jeden teuren Euro wert. Am nordöstlichen Rand des Markusplatzes findest Du einen kleinen Eisstand – hier haben wir mit Abstand das beste Eis unseres Lebens gegessen.

Souvenirs

Du hast es gern bunt? Dann solltest du dich auf Murano umsehen und entweder etwas aus Muranoglas oder eine venezianische Maske erstehen. Etwas schlichter ist ein Mitbringsel von einem der zahlreichen Juweliere der Stadt.

Sonstiges

Venedig ist bekannt für seine gewitzten Taschendiebe. Am besten nimmst du immer nur so viel Geld mit, wie du für einen Tag benötigst. Hotspot für Diebstähle ist San Marco. Du brauchst kein Italienisch zu können, um dich in Venedig verständigen zu können – aber bereits mit ein paar Worten (auch wenn diese nicht ganz korrekt sind) sicherst du dir die Sympathie der Italiener, die jeden Versuch, ihre schöne Sprache zu sprechen, zu würdigen wissen.

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