Ans Meer oder in die Berge? In Santa Marta geht beides!

Ans Meer oder in die Berge? In Santa Marta geht beides!

Der Ort Santa Marta im Norden Kolumbiens ist idealer Ausgangspunkt für einen Urlaub in Kolumbien. Von hier gelangt man zu atemberaubenden Stränden und zugleich auf faszinierende Dschungelpfade in die Berge. Das stürmische Wetter der Karibik verwandelt die Ausflüge dort zuweilen in kleine Abenteuer.

Reisebericht

Für Menschen, die sich nicht zwischen Badeurlaub und Wanderurlaub entscheiden können, ist der Küstenort Santa Marta im Norden Kolumbiens ideal: Auf der einen Seite glitzert der blaue Atlantik, auf der anderen Seite ragen gigantische Berge in die Höhe. Meine Priorität ist jedoch schon lange klar und so schenke ich den Bergen neben mir auf dem Weg zur Unterkunft keine Beachtung und unterziehe stattdessen den Taxifahrer einer Befragung nach schönen Stränden. Er empfiehlt mir den Strand im Nachbarort Taganga.

Am ersten Tag bin ich jedoch für weite Reisen zu faul und unternehme einen Ausflug an den Stadtstrand. Ein schöner, ruhiger Strand, ideal zum Schwimmen, jedoch wegen des angrenzenden Hafens nicht besonders sauber, sondern ölig-glitzernd. Schlafen gestaltet sich ebenso schwierig, kommen doch gefühlt alle zwei Sekunden Leute vorbei und wollen von einer Massage über Sonnenbrillen bis hin zu quietschgrünen, dreidimensionalen Krabbenmagneten so ziemlich alles verkaufen. Aber für Tag Eins reicht es vollkommen.

Hört man sich um, kommt heraus, dass der Strand im Örtchen Palomino wohl sehr schön ist. Mit zwei weiteren Reisenden mache ich mich auf, allerdings heißt es mittlerweile, dass Los Angeles noch schöner sei, sodass wir bereits auf halber Strecke aus dem Bus springen. Nach einem fünfminütigen Spaziergang einen wunderschönen palmengesäumten Weg entlang gelangen wir ans Meer, wobei uns gleich die große rote Fahne ins Auge fällt. Prohibido nagar, Schwimmen ist heute wegen des starken Wellengangs verboten.

Meterhohe Wellen und fliegende Kokosnüsse

Wir sprechen mit den Leuten am Eingang, die uns mahnen, dass wir selbst, wenn wir nur mit den Füßen ins Wasser gehen, vorsichtig sein sollen. Und dass wir aufpassen sollen, dass uns keine von der Palme fallende Kokusnuss verletzt. Dass man nicht ins Meer darf, ist etwas, das man nach einer Anfahrt in einem nichtklimatisierten Bus und bei 30 Grad äußerst ungern hört. Als wir runter zum Strand gehen, wird aber klar, dass das Verbot sinnvoll ist: Meterhohe Wellen peitschen ans Ufer, wenn ankommende und zurückgehende Wellen sich treffen, knallt es wie Kanonenkugeln. Ratlos sehen wir aufs Meer und entscheiden dann, einfach ein wenig am Ufer entlangzuschlendern. Nach 15 Minuten finden wir einen komplett verlassenen Strand mit einer schattenspendenden Hütte. Da wir nicht schwimmen dürfen, entscheiden wir uns nach einer kurzen Siesta, mit Stöcken, die wir gegen die Palme schlagen, und alten Kokosnussschalen, die wir sehr zielunsicher hoch zu den Früchten werfen, eine Kokusnuss vom Baum zu holen.

Die Dinger sind superfest und erst nach einer halben Stunde gibt die erste Tropenfrucht unter unserem lauten Gejubel nach – und wir sind völlig aus der Puste. Leider müssen wir feststellen, dass die Kokusnuss sich mit meiner mitgebrachten Nagelschere nicht öffnen lässt. Die ungeöffnete Kokusnuss unterm Arm machen wir uns auf den Rückweg gen Hauptstrand und sehen, dass dort nun Einheimische mit ihren Kindern baden. Wir fühlen uns daher etwas mutiger und wagen ebenfalls einen Versuch. Sobald ich bis zu den Knien im Wasser bin, haut mich eine Welle um, ich schlucke Salzwasser, werde hin- und hergeschleudert und schaffe es mit Mühe, nicht ins Meer gezogen zu werden. Ich halte mich nun an die Kolumbianer: bei jeder Welle untertauchen und jede Sekunde ohne Strömung nutzen, um zurück zum Ufer zu kommen. Eine sehr anstrengende, aber auch witzige Tätigkeit. Wegen dieses Schwimmversuches und auch wegen unserer Kokosnuss-Aktion haben wir alle am nächsten Tag äußerst komischen Muskelkater im Brustbereich, der sich mehrere Tage lang hält.

Zum Playa Grande gelangt man nur mit dem Boot

Tags drauf fahren wir mit dem Bus etwas raus aus der Stadt an den Playa El Rodadero. Der Strand hat auf jeden Fall mehr Charme als der im Stadtkern Santa Martas, aber es ist so windig, dass uns ständig Sand in die Augen weht. Nach kurzer Zeit entscheiden wir uns, wiederaufzubrechen und gehen stattdessen essen und ein paar Souvenirs in den zahlreichen Läden an der Strandpromenade kaufen.

Zuletzt nehme ich mir noch den Taxifahrer-Tipp zu Herzen: Den Playa Grande im Nachbarort Taganga. Nach einer kurzen Busfahrt muss man mit dem Boot rübersetzen - ich finde, dass man den Playa Grande nur mit dem Boot erreichen kann, spricht schon mal für ihn. Ebenso wie die Tatsache, dass wir auf dem Weg zum Strand mehreren Schnorchelgrüppchen ausweichen müssen. Ich werde dann auch nicht enttäuscht: Das Wasser in einer Bergbucht schimmert in verschiedenen Blau- und Grüntönen und endlich kann man ohne jedwede Störung baden gehen. Selbst ohne Schnorchel lohnt es schon, sich durchs Wasser gleiten zu lassen. Ungewöhnliche Fische sieht man bereits beim ganz normalen Tauchen. Zwar ist der Strand nicht groß und vollkommen überfüllt, aber das mag daran liegen, dass ich an einem Sonntag da bin. Dafür bin ich weit und breit die einzige Touristin, mehrere kolumbianische Großfamilien planschen im Wasser, singen fröhliche spanische Lieder und es dauert nicht lange und ich werde von ihnen zu einer Cerveza eingeladen. Um sechs Uhr – leider bevor die Sonne untergeht – fährt das letzte Boot. Ich könnte noch weitere Tage damit verbringen, irgendwelche Strände in Santa Martas Umgebung zu erkunden, jedoch muss ich meinen Flieger zur Karibikinsel San Andres bekommen. Da gibt es wohl die allerschönsten Strände Kolumbiens. Außerdem nerven mich die Moskitos – ein klarer Nachteil des nahen Dschungelgebiets in den Bergen. Für mich heißt es eben doch: nur Strand!

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