Auf Astrid Lindgrens Spuren: Bullerbü-Feeling in Östergötland

Auf Astrid Lindgrens Spuren: Bullerbü-Feeling in Östergötland

Wiesen, Wälder und Felder, die felsigen Inseln der Schären und dazwischen rote Holzhäuser: Das ist die unberührte Landschaft der schwedischen Provinz Östergötland. Dort habe ich nicht nur kulinarische Highlights, moderne Hofläden und spannende Menschen getroffen, sondern auch Astrid Lindgrens Bullerbü entdeckt. Komm mit!

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Ich liebe den Norden. Das Meer, den Wind, weite Felder, Seen und Wälder – das ist genau mein Ding. Und ich liebe Astrid Lindgrens Geschichten „Die Kinder aus Bullerbü“. Kein anderes Buch hat meine Kindheit so geprägt wie dieses. Bullerbü ist für mich immer Traumland und Sehnsuchtsort geblieben. Darum, beschließe ich, soll es nicht länger beim Traum bleiben. Ich mache mich auf nach Schweden, genauer gesagt ins flache Land der Provinz Östergötland an der schwedischen Ostküste.

Wer bei einer Schwedenreise an tagelange Autofahrten und hohe Gebühren für die Fähre denkt, kann beruhigt sein: Gerade einmal zwei Stunden dauert es, dann bin ich im hohen Bogen von Oberbayern in die schwedischen Schären nach Norrköping geflogen. Aus dem familiären Flughafen ist man flugs wieder draußen – so klein und übersichtlich ist er – dass direkt hinter der Tür das Urlaubsgefühl beginnt!

Mit dem Auto Östergötland entdecken

Bus, Bahn oder ein Mietwagen bringt Besucher in Windeseile in die unberührte Natur Östergötlands. Ich empfehle das Auto. Es bietet nicht nur die größte Flexibilität, es erlaubt einem auch anzuhalten. Und versprochen: Man will hier oft anhalten. Weil die raue Natur so schön ist, dass man einfach ein Foto machen muss oder den Blick in Ruhe schweifen lassen will, weil ein Wäldchen zum Pilze sammeln einlädt oder man einen der unzähligen Hofläden entdeckt hat, wo es richtig gute Produkte zum Probieren und Kaufen gibt.

Im beschaulichen Rimforsa

Meine erste Fahrt führt Richtung Süden in das beschauliche Rimforsa. Direkt am Kinda Kanal, der sich dort zu einem See ausbreitet und kurz dahinter wieder verengt, liegt das Hotel Rimforsa Strand. Der schönste Platz der Anlage befindet sich am Ufer: Hier kann man in der Saunahütte den Sonnenuntergang beobachten, sich am Wasser das Ja-Wort geben, zu einer Fahrt über den sich durch Östergötland schlängelnden Kinda-Kanal aufbrechen (ob als geführte Bootsfahrt, mit dem Kanu oder auch dem Ruderboot) und angeln. Schweden at its best heißt es auch im erstklassigen Restaurant des Hauses, das vor allem mit regionalen und saisonalen Speisen aufwartet. Die Fischsuppe – sonst nicht meine erste Wahl – ist unschlagbar und vor allem auch ein echter Augenschmaus!

Glaubst du an Geister?

Doch Vorsicht: Wenn die Uhr Mitternacht schlägt, braucht es gute Nerven! Angeblich spukt es in dem alten Gemäuer, das 1910 bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Und zwar just in dem Moment, als der ehemalige Kellermeister, der sich durch Raubmord berühmt-berüchtigt gemacht hatte, seinen Tod unter der Guillotine fand. Manch ein Gast, das versichert mir der Besitzer des Hotels Leif Eriksson mit ernster Miene, hat den Geist des bösen Buben des Nachts auf seiner Bettkante sitzen spüren und seine Sitzkuhle auf der Matratze gesehen. Angst braucht man nicht zu haben, wiegelt Leif lachend ab, die Geister des Hotels seien alle freundlich.

Kaffeepause auf Schwedisch

Ich glaube nicht an Geister. Wirklich nicht. Aber wie er das so erzählt, und nach ihm viele andere, die mir auf der Reise begegnen – und das, ohne das Gesicht zu verziehen – komme ich doch ins Grübeln und ein wenig auch ins Zittern. Aber meine Nacht bleibt ruhig, erholsam und geisterlos.

Erste Tat des frischen Tages: Fika! Die Lieblingsbeschäftigung der Schweden. Ein Schlingel, wer jetzt Böses (oder Schmutziges) dabei denkt. So nennt sich die allseits beliebte Kaffeepause, die man über den Tag verteilt mehrere Male einlegt. Und auch abends sind sie einer Fika nicht abgeneigt. Aber nun genug der Doppeldeutigkeiten…die Ziegen warten auf mich!

Zeitlos unter Ziegen

In der Löt Gårdsmejeri – nicht weit entfernt von Linköping – betreiben Erik Garberg und Björn Kvist ihre kleine, feine Farm. Mit 43 gab Erik seinen gut bezahlten Job als Direktor einer norwegischen Molkerei auf, beschloss seiner Leidenschaft zu folgen und begab sich in das Abenteuer Ziegenzucht. Aus der Milch seiner 82 Tiere stellt er himmlischen Käse und Butter her, die ihresgleichen suchen. Die phänomenale Qualität sprach sich schnell herum. Heute beliefern sie die besten Häuser Schwedens, zum Beispiel die Stockholmer Restaurants des Sternekochs Matthias Dahlgren, aber auch das Nobelpreisdinner und das Königshaus. Die Butter ist leicht gesalzen, ungeheuer cremig und schmilzt fast auf der Zunge. Dass Butter so gut schmecken kann! Ihr Geheimnis liegt übrigens in der Langsamkeit der Herstellung und im Mischverhältnis von Ziegen- und Kuhmilch. Mehr will mir Erik leider nicht verraten.

Das Geheimnis von "Queen Omma"

Auch sein Ziegen-Pecorino hat es in sich. Noch Stunden später spürt man seinen Geschmack im Mund. Immerhin braucht er auch 3,5 Jahre, um zu reifen. Erik nennt ihn „Queen Omma“ – Mutter Erde – und man darf für das Kilogramm umgerechnet etwa 70 Euro zahlen.

Dass seine Produkte so gut ankommen und schmecken, liegt – da ist sich Erik sicher – zum Großteil an der Art, wie seine Ziegen leben. Nämlich als Individuen. Jede hat ihren eigenen Namen und wird mit viel Liebe und Respekt behandelt. Das merkt man. Ich bin eher scheu mit Tieren, aber selten ist mir jemand Netteres begegnet als diese Ziegen. Spätestens jetzt bin ich mittendrin im Lindgrenschen Landidyll, wo Uhren keine Rolle spielen.

Backen wie auf Bullerbü

Der Hektik und dem Trubel des Stadtlebens hat auch Karin Lorin, die ich in ihrer Bäckerei Boställets Vedugnsbageri auf ihrer eigenen Farm in Vreta Kloster kennenlerne, Ade gesagt. Die studierte Ökonomin arbeitete lange Jahre für das schwedische Landwirtschaftsministerium. Irgendwann, erzählt sie mir, hatte sie einfach genug von den immergleichen Meetings ohne Ergebnis, der Büroarbeit und den Tabellen. Deshalb kauften sie und ihr Mann mit Mitte 30 einen Bauernhof auf dem Land und begannen ein neues Leben. Etwas mit ihren Händen zu tun und am Abend das Ergebnis der Arbeit sehen zu können, das sei für sie das Beste am Backen.

Genug vom Nine-to-Five-Job-Leben

Begonnen hat alles mit Sauerteig vor 12 Jahren. Mit dem experimentiert sie bis heute. Im Sommer versetzt sie ihr Brot mit Dillgrün und reicht dazu fangfrischen Lachs. Oder sie gibt geröstete Nüsse ins Brot, das passt dann zu ihrer leckeren Karottensuppe. Wer will, kann sein Essen auf der Terrasse der Farm genießen. Inmitten der rot gestrichenen Holzhäuser auf bunten Klappstühlen sitzen, über die angrenzenden Felder blicken und in der Nase der Duft nach frisch gebackenen Zimtschnecken und Sauerteigbrot – so muss sich Bullerbü anfühlen!

Je länger ich durch Schweden fahre, umso mehr Menschen begegnen mir, die irgendwann genug hatten von ihrem Nine-to-Five-Job, vom Leben in der Stadt und dem gut bezahlten, geregelten Leben. Anpacken, dem Herzen folgen, etwas wagen – das haben sie gemacht und es hat sich gelohnt. Von diesem Mut, von dieser Mir-doch-egal-was-die-anderen-sagen-Attitüde können wir Deutschen uns ein saftiges Stück abschneiden. Ich ziehe gleich doppelt den Hut und düse nach Norrköping. Kontrastprogramm ist angesagt!

Stadtluft schnuppern

Ja, Östergötland kann mehr als Ruhe und Rustikales. Wer hin und wieder Stadtluft schnuppern will oder Sehnsucht nach Kunst und Kultur hat, der findet all das nach nur wenigen Minuten Fahrtzeit in Norrköping. Ich schlafe im stylishen Hotel The Lamp. In seinem Restaurant steht nicht nur Europas größte Lampe, dort gibt es auch – man kann es nicht anders sagen – saugeiles Essen. Gegrillter grüner Spargel mit karamellisierten Zwiebeln und Parmesan, Lachs mit brauner Butter-Champagner-Sauce und ein Parfait mit geeisten Apfelraspeln: Mmmmmmh!

Norrköping, das Manchester Schwedens

Nicht nur das Essen lockt nach Norrköping, auch die Stadt hat einiges zu bieten. Im 19. Jahrhundert war die Stadt das Manchester Schwedens, Zentrum der Papier- und Textilindustrie. Nach deren Zusammenbruch standen die riesigen Fabrikgebäude lange Zeit leer. Jetzt herrscht hier aber wieder buntes Treiben. Wohnungen, Büros, ein riesiges Konzerthaus, ein modernes Kino und viele kleine Läden und Cafés sind mittlerweile hier eingezogen. Immer wieder muss ich beim Gang durch die Industrielandschaft an die Hamburger Speicherstadt denken. Es ist irgendwie dasselbe in Gelb – alle Gebäude leuchten in der strahlenden Farbe. Und daneben sorgt das brausende Wasser der Kanalschleuse für Musik und Leben.

Design made in Sweden

Wer shoppen will, muss in die Drottninggatan. Und was shoppt man in Schweden am besten? Ich finde Interior Design, z.B. bei Lagerhaus. So groß kann mein Koffer gar nicht sein, um alles, was mir gefällt, mitzunehmen. Zum Glück gibt es ja das Internet!

Und wer es noch lauter und lebendiger mag, der springt auf den Zug Richtung Stockholm auf. In zwei Stunden ist man schon in der schwedischen Hauptstadt.

Wer Wasser, Wälder und wilde Natur liebt, muss hierher kommen. Hier sind nicht nur die Menschen nett, sogar die Geister und Gespenster (deren Existenz hier unumstritten ist) meinen es gut mit uns. Und die Ziegen allemal. Dein Leibgericht ist auch noch Käse? Oder du bist auch auf der Suche nach dem Bullerbü Deiner Kindheit? Auf nach Östergötland! Und zwar schnell!

Tipps für deinen Schweden-Urlaub

Anreise

Hier findest du günstige Flüge nach Schweden, etwa mit bmi Regional von München.

Unterkunft

Hotel Rimforsa Strand, www.rimforsastrand.se
The Lamp Hotel, www.thelamphotel.se

Kulinarik & Höfe

Boställets Vedugnsbageri, www.bostallets.se
Hejtorp Gårdsmejeri, www.hejtorp.se
Löt Gårdsmejeri, www.lot-gardsmejeri.se
Vikbolands Struts och Kött, www.vikbolandsstruts.se

Weitere Infos für deinen Schweden-Urlaub findest du auf unserer Themenseite und auf
www.visitsweden.de
www.visitostergotland.se

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