Street Food Bangkok: Werden die berühmten Garküchen verboten?

Street Food Bangkok: Werden die berühmten Garküchen verboten?

Bangkoks Straßen ohne ihr berühmtes Street Food? Für viele Backpacker und Thailand-Liebhaber undenkbar! Pad Thai, gebratener Reis, Saté-Spieße: An jeder Ecke duftet es nach thailändischen Köstlichkeiten. Doch wenn es nach dem Willen der Regierung geht, sollen viele Garküchen von den Straßen verbannt werden. Ein Skandal, finden nicht nur Touristen.

Food

Bei Thailand-Fans geht die Liebe durch den Magen. In den Garküchen Bangkoks wird die ganze kulinarische Vielfalt des Landes aufgefahren: Chinatown, die Khaosan Road und die Rambuttri Road sind nur einige der vielen Schlemmerparadiese Bangkoks. Doch Thailands Regierung unternimmt immer wieder Versuche, der besten Straßenküche der Welt ein Ende zu setzen.

Grüner Papaya-Salat mit Garnelen, Bananenpfannkuchen, Frühlingsrollen und Thai-Curry – alles, einfach alles, was das Herz des Thai Food-Liebhabers begehrt, bieten die Garküchen an. Beliebt sind sie bei Touristen und Thailändern, Bessergestellten und Geringverdienern gleichermaßen. An heißen Tagen und warmen Nächten wird im bunten und lauten Gewusel an jeder Ecke geschnippelt, gewürzt und gebraten – und natürlich gegessen. Dieses Straßenbild gehört einfach zu Bangkok und ist nicht mehr wegzudenken. Oder doch?

Streetfood-Stände weg von der Straße?

Die seit über drei Jahren in Thailand regierende Militärjunta stößt sich an diesem Straßenbild. Immer wieder wird gedroht, alle Straßenstände bis Ende des Jahres zu verbieten. Angeblich, weil auf den Straßen wieder Platz für Fußgänger geschaffen werden soll und an den Ständen unhygienische Zustände herrschten. „Jeder Straßenverkäufer muss weg“, so die Stadtverwaltung. In die 50 Stadtbezirke der 8,5-Millionen-Einwohner-Metropole solle wieder Sicherheit und Sauberkeit einkehren.

Die Thonglor Road wurde bereits „aufgeräumt“ – Stände von 90 Händlern fielen einer ersten Räumungsetappe zum Opfer. Auch in Ekkamai, einem beliebten Ausgehviertel, wurden die Straßenküchen für illegal erklärt. Die Betreiber der Garküchen sind natürlich „not amused“. Den Behauptungen der Stadtverwaltung, sie zahlen keine Miete, entgegnen sie, ihnen würde sehr wohl eine „Miete“ abverlangt: Nämlich in Form von schwarzen Bargeldzahlungen an die Stadtverwaltung. Teils seit Generationen betreiben die Straßenköche ihre Stände, Existenzen hängen davon ab – und viele meinen, auch Thailands Wirtschaft.

Die Emotionen kochen hoch

Aber nicht nur die Betreiber sind aufgebracht, auch Touristen und viele Einwohner der thailändischen Hauptstadt. Für Traveller aus aller Welt sind die Straßenküchen eine der Hauptattraktionen, ein Merkmal Bangkoks, das den Charme der Metropole ausmacht. Vom Rucksacktouristen bis zum Geschäftsreisenden wird die asiatische Form des Streetfoods geschätzt. Auch die Einwohner lieben ihre Essenskultur auf der Straße. Denn in Thailand wird wie vielerorts immer weniger zuhause gekocht und die Garküchen sind eine günstige Alternative - liegen die Preise doch weit unter den üblichen Restaurant-Preisen. Ein Normalverdienender kann sich einen solchen Restaurantbesuch kaum leisten.

Eine geschätzte halbe Million solcher Streetfood-Stände verwandeln Bangkok in eine einzige Fressmeile – noch. Die mobilen Küchen auf Rädern mit Propangaskocher sowie klapprigen Tischen und Stühlen zaubern alles Mögliche an Fleisch, Fisch und Gemüse herbei. Für die Experimentierfreudigen gibt´s auch Insekten zu essen. Immer wieder wurden – vor allem seitens der Stadtverwaltung – unzureichende Hygienestandards bemängelt. Klar ist: Montezumas Rache ist nicht nur in Mexiko verbreitet, sondern auch in vielen anderen außereuropäischen Reiseländern. Trotzdem schneiden die Garküchen in Sachen Hygiene oftmals besser ab als Fast-Food-Ketten – werden hier die Speisen doch frisch und vor den Augen der zahlenden Gäste zubereitet. Die Gefahrenquellen für Montezuma liegen in Thailand oft im verunreinigten Wasser – also Hände weg von Leitungswasser und Eiswürfeln!

Das Militär säubert Straßen und Strände

Die Kampagne „Bürgersteige zurück an die Passanten“ ist Teil einer größeren „Aufräumaktion“ der Militärregierung, mit der sie das Image Thailands aufpolieren will. Dazu gehören auch Maßnahmen gegen Korruption, Prostitution und Umweltverschmutzung. Nicht nur gegen die Streetfood-Märkte geht das Militär in seiner Clean-up-Aktion vor, auch gegen überteuerte Lottoscheine, illegale Geschäfte an Phukets Stränden oder Sonnenschirme am Strand. Es wird auch gemunkelt, neu eröffnete Edel-Restaurants in Bangkok würden von Militäroffizieren und der Mafia gemeinsam betrieben – und diese störten sich an den Streetfood-Ständen vor ihren Türen.

Die Regierung rudert zurück – ein bisschen

Zuletzt gab es Entwarnung für einige Betreiber der Straßenküchen: Die Militärregierung rückte teilweise von ihrem rigorosen Vorgehen ab – die beliebten Garküchen würden nicht alle aus dem Stadtbild verbannt, beliebte Touristenstraßen seien vom Verbot nicht betroffen. Stattdessen sollen sie hinsichtlich ihrer Hygiene- und Sicherheitsstandards strenger kontrolliert werden. Viele Fußwege in anderen Gegenden sollen zwar von den Essensständen, Stühlen und Tischen befreit werden, betroffene Stände könnten aber in die Nähe von Märkten umziehen. Die Standbetreiber rechnen mit strengen Auflagen, Drangsalierungen und Strafen – dabei geht es natürlich um Geld.

Eine weltweit einzigartige Essenskultur ginge verloren

Es scheint, die Proteste und Bedenken von Straßenköchen und Bewohnern wurden erhört. Vielleicht war es aber auch die Angst vor schrumpfenden Besucherzahlen – denn auch aus dem Ausland meldeten sich Kritiker, die vor dem Verlust einer weltweit einzigartigen Essenskultur warnten. Daraufhin ließ das Thailändische Fremdenverkehrsamt verlauten, man wolle „weiterhin den internationalen Touristen die gastronomische Vielfalt unseres Landes präsentieren“.

Bangkoks Charme ist am besten auf seinen chaotisch-lebendigen Straßenmärkten zu erfassen. Es dürfte spannend bleiben, ob die Metropole sich ihren besonderen Charme bewahren oder sich in eine künstliche Stadt à la Singapur verwandeln wird.

Übrigens: Wenn du mehr über die thailändische Streetfood-Kultur erfahren möchtest (oder einfach Appetit bekommen hast): Die thai-amerikanische Autorin und Bloggerin Chawadee Nulkair hat einen wunderbaren Guide über die Garküchen Bangkoks geschrieben.

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