Mit der Transsib nach Peking: Zwei Mädels allein unterwegs (1)

Mit der Transsib nach Peking: Zwei Mädels allein unterwegs (1)

Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren! Das stand auch auf meiner Bucket-List. Zusammen mit meiner Freundin Caro habe ich mir den Traum erfüllt. Teil 1 über fliegende Händler, das Paris Sibiriens und ein abenteuerliches Sanitärerlebnis

Reisebericht

Das Abenteuer beginnt

Wir stehen auf einem unbeleuchteten Bahnsteig, inmitten eines Wirrwarrs von Gleisen. Die Dämmerung hat begonnen und es ist für Ende September außergewöhnlich kalt. Mit uns gemeinsam warten ein Dutzend Menschen, die meisten tragen überdimensionierte Plastiktragetaschen mit sich. Als plötzlich ein Zug auf dem Gleis hinter uns durchfährt, wird es eng auf dem schmalen Bahnsteig von wenig mehr als einem Meter Breite, der an einigen Stellen unterbrochen wird von festgetretenem Lehm anstatt der einfachen Asphaltierung. Endlich kommt unser Zug! Galina, die Dekanin von der Universität in Vladimir, an der wir einen Monat lang unsere Russischkenntnisse aufgebessert haben, setzt uns in den richtigen Wagon und drückt uns noch rasch einige Schokoladetafeln und Pralinenschachteln zum Abschied in die Hand und schon geht es los Richtung Osten!

Vladimir ist eine kleinere russische Stadt mit großer Geschichte nur wenig mehr als eine Stunde östlich von Moskau (übrigens auch eine Städtereise wert) gelegen. So war Vladimir für einige Zeit die Hauptstadt des Zarenreiches, heute ist sie bekannt für die Produktion von Schokolade.

Birkenwälder und Dörfer im Nirgendwo

Nach einem ersten Kennenlernen mit den zwei Damen, welche sich mit uns das 4-er Abteil teilten, fielen wir alsbald müde in die komfortablen Stockbetten, ich unten und Caro, oben. Unsere Reisekolleginnen teilten sich die andere Seite des Abteils. Gemütlich schaukelnd, von der Bewegung des gemächlich, aber gleichmäßig dahin rollenden Zuges, fielen uns alsbald die Augen zu.
Am kommenden Morgen wurden wir durch die Sonne am strahlend blauen Himmel geweckt. Stunden über Stunden zogen goldgelb gefärbte Birkenwälder vor unseren Augen vorbei unterbrochen von kleinen Dörfern mitten im Nirgendwo. Wenn sich die Wälder für einige Zeit zurückziehen, fährt man Stundenlang durch offenes Sumpfland und immer wieder überquert man mächtige Flüsse, die ungebunden ihren ureigenen Weg fließen.

Im Zug verliert man sämtliches Zeitgefühl

Fast drei Tage durchgehend verbrachten wir im Zug, wobei wir die von uns mit Spannung ersehnte Grenze des Urals in der zweiten Nacht irgendwann still überquerten, um am kommenden Tag in Omsk einen wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben. Diese drei Tage im Zug hatten einen meditativen Touch, denn durch das Durchfahren von verschiedenen Zeitzonen, in der man sich übrigens stur an die Moskauer Zeitzone halten muss, wurde man zunehmend verwirrter und zeitloser. So kam es, dass wir zu den seltsamsten Tageszeiten an Bahnhöfen ein- und wieder abfuhren, oft mit nur wenigen Minuten Aufenthalt.

Im Paris Sibiriens angekommen

Wir hatten auf dieser Teilstecke das Glück in einer als "Händlerzug" deklarierten Fahrt zu reisen. Das bedeutet, dass die im Zug mitreisenden mongolische Händler auf allen kurzen Aufenthalten an den Bahnhöfen ihre billigen Jeans verkauften. Für uns war das echt spannend zu beobachten und jedes Mal kündigte sich durch die zunehmende Betriebsamkeit im Zug ein Stopp schon rechtzeitig an. Nach drei vollen Tagen landenden wir frühmorgens in Irkutsk. Diese wirklich sehenswerte Stadt am Baikalsee verströmt jede Menge europäischen Flair. Stellenweise meint man, sich in Wien oder Paris wiederzufinden – und das Mitten in Sibirien! Zudem eignet Irkutsk sich ideal für Tagestouren zum Baikalsee und empfiehlt sich somit auf alle Fälle als Zwischenhalt.

Plötzlich werden die Toiletten gesperrt

Nach zwei Tagen fuhren wir, ausgeruht von einer Wanderung am Baikalsee, mit dem nächsten Transsib-Zug weiter Richtung Mongolei. Am Abend vor der mongolischen Grenze kam die Zugbegleiterin zu uns ins Abteil. Sie wies uns darauf hin, ab jetzt lieber nichts mehr zu trinken, denn ab den frühen Morgenstunden sei die Toilette für einen ganzen Tag lang zugesperrt. Was für eine Nachricht! Und das soll gut gehen? Kurz darauf hieß es dann noch, unsere Pässe würden alle eingesammelt. Und ich dachte bloß: Was geht hier vor sich?

Wie es weitergeht, liest du hier in Teil 2 der Reise durch die Mongolei nach Peking!

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