Mit der Transsib nach Peking: Zwei Mädels allein unterwegs (2)

Mit der Transsib nach Peking: Zwei Mädels allein unterwegs (2)

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn heißt Slow Travelling. Manchmal fährst du stundenlang durchs Nichts. Seen, Wüste, kleine Siedlungen. Und dennoch vergeht die Zeit wie im Flug. Plötzlich kommst du in Peking an und wünscht dir, die Reise würde noch ewig weitergehen. Teil 2 meines Reiseberichts aus der Mongolei und China

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Wir hatten den Baikalsee hinter uns gelassen (Teil 1 des Reiseberichts) und saßen gerade im Zug Richtung Mongolei, als die Zugbegleiterin zu uns ins Abteil kam. Sie wies uns darauf hin, ab jetzt lieber nichts mehr zu trinken, denn ab den frühen Morgenstunden sei die Toilette für einen ganzen Tag lang zugesperrt, weil das im Grenzgebiet so vorgeschrieben sei. Was für eine Nachricht! Und das soll gut gehen?

Am nächsten Morgen wurden wir durch ein Klopfen geweckt. Zwei russische Passkontrolleure standen vor der Tür. „Wir benötigen ihre Pässe“, sagte einer der beiden und wies uns an, sie ihnen zu geben. Wir kramten in unseren Taschen. Angeblich würden wir unsere Dokumente in ein paar Stunden wieder zurückbekommen. Na das hoffe ich doch, dachte ich. Sonst wäre unsere Reise schneller vorbei als angenommen!

Ein unerwarteter Besuch

Wir verbrachten fast den ganzen Tag auf dem Grenzbahnhof. Und warteten. Endlich, gegen Abend, wurden uns unsere Pässe wieder ausgehändigt und wir setzten unsere Fahrt in Richtung Mongolei fort.

Während wir so aus dem Fenster schauten, stand plötzlich die Zugbegleiterin in der Tür. Sie gab mir mit einem Augenzwinkern zu verstehen, dass wir mit ihr mitkommen sollten. Ich schaute meine Freundin Caro verdutzt an. Zusammen mit drei Mitreisenden taten wir, was sie uns sagte und folgten ihr auf den Gang. Als wir stehenblieben, wurde mir plötzlich klar, was es mit der Aktion auf sich hatte: Obwohl es im Grenzbereich verboten war, sperrte sie uns die Toilette auf und lies uns nacheinander hinein. Hach ja, es sind die kleinen Dinge im Leben, die zählen. Im wahrsten Sinne erleichtert konnten wir unsere Fahrt fortsetzen.

Auf der mongolischen Seite der Grenze ging die Kontrolle recht rasch, nach nicht einmal drei Stunden setzte sich unser Zug wieder in Bewegung, hinein in eine hügelige Grassteppenlandschaft, die in der Abendämmerung golden glänzte. Auch am nächsten Tag konnte ich mich noch nicht sattsehen an dieser herrlichen, herbstlichen Graslandschaft.

In der kältesten Hauptstadt der Welt

Am frühen Morgen des kommenden Tages erreichten wir schließlich Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei. Unsere Russisch-Kenntnisse haben uns hier viel weitergeholfen – selbst in der Hauptstadt kommt man mit Englisch nicht weit.

Leider war unser Aufenthalt hier nur sehr kurz, da unser Visum schon in einer Woche ablief und der Zug nach Peking nur in wöchentlichem Takt fuhr. Daher mussten wir am kommenden Morgen schon wieder Abschied nehmen. Wer selbst einmal eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn plant, dem empfehle ich, etwas mehr Zeit einzuplanen. Ulan Bator ist eine sehr außergewöhnliche, wenngleich abenteuerliche und kalte Stadt (sie gilt als kälteste Hauptstadt der Welt).

Slow Travelling durch die Wüste Gobi

Am nächsten Tag durchquerten wir die Wüste Gobi. Stunde um Stunde fuhren wir praktisch durchs Nichts, bis wir einmal an einer kleiner Siedlung auf freiem Feld anhielten. Kurz darauf erreichten wir die Grenze zu China. Erneut wurden uns die Pässe abgenommen und wir wurden angewiesen, den Zug nicht zu verlassen. An dem Bahnhof wurde das Fahrgestell des Zuges gegen ein schmäleres getauscht, da es in China andere Schienen gibt.

Es sind Momente wie diese, wo man sich ein bisschen wie in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie aufwändig es früher doch gewesen sein muss, längere Reisen zurückzulegen. In Zeiten, als es noch keine Billigflieger gab, die einen in sechs Stunden mal eben nach Dubai oder in die Südsee fliegen. Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn entschleunigt ungemein. Slow Travelling statt City Hopping.

Kurz vor dem Ziel

Nach etwa einem halben Tag Aufenthalt ging es weiter. Zunächst war die Landschaft noch sehr trocken. Nur ab und an lugten einige wenige Grasbüschel aus dem Sand. Nach einer Zeit mischte sich jedoch immer mehr Grün darunter. Büsche und Bäume standen in Reih und Glied wie Soldaten aufgereiht und während ich noch darüber nachdachte, fuhren wir an einem Aufforstungstrupp vorbei, der gerade bei der Arbeit war. Ich war wirklich sehr beeindruckt davon, denn über Stunden fuhren wir nun zunehmend durch grüner werdende Landstriche.

Am Morgen des nächsten Tages hatte sich die Landschaft erneut verändert. Der Zug fuhr durch enge Schluchten mit hohen feuchten Bergen in deren Tal ein reißender Gebirgsfluss sich seinen Weg suchte. Die Luft war feucht und warm und im Zug wurde die Stimmung immer euphorischer, je näher wir unserem Ziel kamen. Gegen Abend war es dann soweit: Peking! Das Ende unserer langen Zugfahrt bahnte sich an.

Rückblickend betrachtet waren diese insgesamt sieben Tage Zugfahrt – mit vier Tagen Aufenthalt, drei davon in Irkutsk und leider nur einen Tag in Ulan Bator – viel zu schnell vergangen. Vor allem die letzten Teilstrecken von Irkutsk – Ulan Bator und von Ulan Bator – Peking verflogen sprichwörtlich wie im Flug. Es war eine wunderbare, außergewöhnliche Reise. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn zu fahren. Es ist eine ganz andere Art zu Reisen mit unvergesslichen Momenten und Eindrücken, die einen nicht zuletzt auch ein Stück zu sich selbst näherkommen lässt.

Hast du Lust bekommen, selbst einmal mit der Transsib zu fahren? Dann wirf doch einen Blick in Christinas Ratgeber "Tipps für eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn". Hier findest du alle wichtigen Infos.

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