Ich sammle Dinge. Aber nicht irgendwelche. Bei meinen Dingen handelt es sich um Gegenstände von teils unschätzbarem Wert, die achtlos weggeworfen oder vergessen wurden. In meinem Museum finden sie und ihre Geschichten einen Platz.

Roland – Retter der Unerhörten Dinge

Die an mich meist gestellte Frage ist natürlich, ob meine Geschichten denn alle wahr sind, die ich erzähle. Darauf antworte ich stets mit ein und demselben Satz: “Das muss jeder für sich selbst entscheiden.” Aber meiner Meinung nach spielt wahr oder nicht gar keine Rolle, denn die Möglichkeit, dass die Geschichte wahr ist, fasziniert uns doch eigentlich viel mehr, als irgendein wissenschaftlicher Beweis, dass es vielleicht doch nicht so ist.

Bereist als kleiner Junge habe ich mich fürs Geschichtenerzählen interessiert. Angefangen hat das Ganze mit den biblischen Legenden, die ich hin und wieder in meinem katholischen Umfeld aufgeschnappt habe. Der Glaube der Menschen an Dinge und Erzählungen, die sie nicht beweisen konnten, hat mich seit jeher fasziniert. Da wusste ich, dass ich das auch machen will. Meinem Vater passte das alles natürlich überhaupt nicht und so habe ich mich zuerst mit anderen Dingen beschäftigt, bis ich mir irgendwann den Weg zum Künstlerischen gebahnt hatte. Als mich eine Freundin in Dresden fragte, ob ich bei einer ihrer neuen Ausstellungen ein paar meiner Texte mit Bildern präsentieren möchte, fackelte ich nicht lange und sagte zu. Et Voilà! Das erste "Museum der unerhörten Dinge" mit 13 Gegenständen war geboren.

Doch die eigentliche Leidenschaft für die Dinge mit ihren Geschichten kam schon viel früher. Auf einem Schulklassenausflug habe ich, mit den 5 Mark, die mir mein Vater damals als Essensgeld mitgab, einem Mitschüler sein altes Fernrohr abgekauft. Der Junge konnte damals ja gar nicht wissen, was ich ihm abluchste: Es handelte sich um nichts Geringeres als das Fernrohr des Christoph Kolumbus, durch das er das erste Mal Amerika sah! Das war der erste Gegenstand, der auch bis heute in meinem kleinen Museum in Berlin hängt.

Jeden Tag suchen mich neue Dinge auf, um mir ihre Geschichte zu erzählen. Sie laufen mir im Urlaub über den Weg oder manchmal stolpere ich im Alltag darüber. Dann nehme ich sie mit und höre ihnen zu, um später ihre Geschichte aufzuschreiben. Zu den verrücktesten Dingen zählen, zwei Teile der Schreibmaschine Walter Benjamins, auf der er seinen berühmten Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit schrieb oder die Geschichte der Innerschnecke, die Forscher in dem Magen eines Dinosauriers fanden und welche damit zwischen 136 bis 223 Millionen Jahre ist. Für mich persönlich sind die Dinge an denen ich aktuell arbeite immer am spannendsten. Mein jetziges Projekt, welches von dem Konflikt zweier Schokoladen handelt, war gerade bei der Langen Nacht der Museen zu sehen.

Mehr zu Roland Albrecht und seinem "Museum der Unerhörten Dinge" findest du auf seiner Website.

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